Kaum noch freie Gewerbeflächen

Mehr Arbeitsplätze, schnelleres Internet, Chancen für Fachmärkte

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Nächstes Jahr können die ersten Unternehmen im Gewerbegebiet „Lichte Haide“ (W 18) westlich von Weiskirchen bauen. Zurzeit werden Versorgungsleitungen gelegt und Straßen gebaut. Sieben Grundstücke von 4 574 bis 12 413 Quadratmetern warten auf Käufer.

Mehr Arbeitsplätze, einige neue Betriebe und kaum noch freie Grundstücke in den Gewerbegebieten: Darüber berichtete Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze am Montag im städtischen Wirtschaftsausschuss.

Rodgau –  Ein Sorgenkind bleibt der Einzelhandel: Gegen die Konkurrenz aus dem Internet können sich die Geschäfte vor Ort nur schwer behaupten.

Zwei Ziele hatte die Wirtschaftsförderung vor einigen Jahren formuliert: mehr Arbeitsplätze und eine höhere Kaufkraftbindung. Das erste Ziel wurde vorzeitig erreicht, vom zweiten ist Rodgau noch weit entfernt.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Rodgau ist in den letzten fünf Jahren von 9 135 auf 10 318 gestiegen. Die Kaufkraftbindung stagniert bei 72 Prozent. Das heißt: Nur 72 von 100 Euro geben die Rodgauer am Wohnort aus. Viele mittel- und langfristigen Produkte kaufen sie auswärts oder im Versandhandel.

Ansiedlung

„Keine spektakulären Ansiedlungserfolge, aber mehrere kleine“ verzeichnete die städtische Wirtschaftsförderung in den letzten drei Jahren. In den Gewerbegebieten gebe es einen erheblichen Flächenzukauf durch Mittelständler „wahrscheinlich mit dem strategischen Ziel, langfristig zu investieren.“

Demgegenüber habe es seit 2016 „kaum substanzielle Verluste im Betriebsbestand“ gegeben. Die Unternehmensgruppe Gessler werde zwar mit ihrer Service GmbH wegen des hohen Flächenbedarfs nach Eppertshausen abwandern, der Hauptsitz bleibe aber in Rodgau.

Gewerbeflächen

„In den bestehenden Gewerbegebieten sind kaum noch Grundstücke vorhanden“, berichtete Schanze. Es gebe nur noch eine Handvoll kleinerer Flächen zwischen 2 000 und 4 000 Quadratmetern. An der Marie-Curie-Straße in Nieder-Roden seien für die nächsten Monate weitere Verkäufe zu erwarten; wegen des hohen Biotopwerts habe die Stadt den Preis von 130 auf 150 Euro je Quadratmeter gesenkt.

Ein Problem in Weiskirchen-Ost: die fehlende Lkw-Kehrschleife an der Daimlerstraße. Sie sei notwendig, um ein „Filetstück“ zu erschließen (rund 60 000 Quadratmeter in Privateigentum).

Getränke aus Nieder-Roden sind in aller Munde: Seit 45 Jahren besteht das Abfüllwerk der Pepsico Deutschland GmbH. Eine Kehrseite des Erfolgs ist der hohe Lkw-Verkehr im Gewerbegebiet Nieder-Roden-Süd. Foto: Wolf

Im neuen Gewerbegebiet westlich von Weiskirchen („Lichte Haide“, W 18) sei ein Drittel der Flächen für feste Interessenten vorgemerkt, so Bernhard Schanze weiter. Die Wirtschaftsförderung und die Hessische Landgesellschaft (HLG) hätten bisher mit 40 Interessenten gesprochen, alle aus Rodgau oder einem Umkreis von 25 Kilometern. Erfahrungsgemäß mündeten etwa zehn Kontakte in einen Abschluss.

Zwischen dem Gewerbegebiet Jügesheim und der Kreisquerverbindung (K 174) hat die HLG mit dem Ankauf der Grundstücke begonnen. Die 14,8 Hektar seien „die letzten grünen Wiesen, die wir noch zu vergeben haben“, so Schanze. Die Stadt wolle dort keine großen Investorenprojekte à la VGP-Park haben („Wir haben unseren Beitrag in der Region geleistet“), sondern „wir wollen uns kleinteiliger weiterentwickeln“.

Breitband-Internet

Mit dem Breitband-Ausbau sei „einer der größten strukturellen Nachteile endlich vom Tisch“, betonte Schanze. Zurzeit gebe es drei Anbieter, die Glasfaserleitungen mit Bandbreiten von 200 bis 1 000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bis ins Haus legen: Deutsche Glasfaser, Entega und Telekom. Mit den Kosten seien jedoch manche Unternehmen unzufrieden: rund 400 Euro pro Monat für 1000 Mbit/s.

Einzelhandel

Für den Einzelhandel gestand der Wirtschaftsförderer ein, „dass wir nur partiell von einer positiven Entwicklung reden können“. Edeka-Ermel und das Rewe-Center in Dudenhofen hätten sich erheblich aufgewertet. In Weiskirchen sei es gelungen, einen Netto-Markt „in städtebaulich integrierter Lage“ anzusiedeln. 

Der Herbstmarkt des Gewerbevereins auf dem Ludwig-Erhard-Platz hat sich als Veranstaltungsformat etabliert. Der nächste Termin ist am 5. und 6. Oktober. Das Foto entstand vor zwei Jahren. Foto: Löw

Der Puiseauxplatz habe sich trotz Postbank-Schließung erfreulich entwickelt. „Kein lustiges Thema“ sei hingegen die Frage eines Nahversorgers auf dem ehemaligen Feuerwehrplatz in Jügesheim. Dort gebe es aber „sehr enge Gespräche“ mit einem Anbieter, der auch bereits Kontakt mit Anliegern aufgenommen habe.

Große Hoffnungen setzt Schanze auf das Fachmarktzentrum an der Hegelstraße. Das Stadtumbau-Projekt biete die „einmalige Chance“ zur Weiterentwicklung mit öffentlichen Fördergeldern.

Pläne

Neben Beratung, Unternehmertreffen und Veranstaltungen will die Wirtschaftsförderung mehr tun, um den Standort Rodgau zu stärken. Die ersten WLAN-Hotspots sollen im Oktober eingerichtet werden. Eine „Rodgau-Card“ ist als Gutschein- und Rabattsystem geplant. Zudem sucht die Wirtschaftsförderung nach Ideen, um die medizinische Versorgung zu verbessern. eh

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Ein 17-Jähriger hat einen Rewe-Markt in Rodgau überfallen. Zunächst entkam der Täter mit seiner Beute, doch ein Polizeihund bewies seinen guten Riecher.


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