Pflanzaktion im März

Mit dem Spaten gegen den Klimawandel

Nach der Rodung der abgestorbenen Fichten liegt noch viel Schlagabraum in der Nähe des Forsthauses beim Don-Bosco-Heim. Forstwirte legen die Holzreste in den nächsten Tagen in die sogenannten Rückegassen, damit die Pflanzaktion beginnen kann.
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Nach der Rodung der abgestorbenen Fichten liegt noch viel Schlagabraum in der Nähe des Forsthauses beim Don-Bosco-Heim. Forstwirte legen die Holzreste in den nächsten Tagen in die sogenannten Rückegassen, damit die Pflanzaktion beginnen kann.

Eine ungewöhnliche Pflanzaktion findet in knapp zwei Wochen im Wald hinter dem Don-Bosco-Heim statt. Der Landesbetrieb Hessen-Forst will auf einer gerodeten Fläche 3 500 junge Bäume pflanzen. Wer möchte, kann mithelfen.  Rund 180 Freiwillige haben sich schon angemeldet.

Rodgau – Stürme, Dürre und Borkenkäfer haben in den letzten beiden Jahren sichtbare Lücken in die Wälder gerissen. Die Trockenheit macht den Buchen zu schaffen. Schädlinge fressen Nadelbäume auf. „Nie waren Schäden des Klimawandels sichtbarer“, schreibt Hessen-Forst: „Das Ökosystem Wald ist bedroht – und damit auch seine vielfältigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen.“

Die Landesregierung hat deshalb zu einer landesweiten Pflanzaktion aufgerufen. Fast alle Forstämter in Hessen machen mit. Anlass ist der internationale Tag des Waldes am Samstag, 21. März. Die Aktion erstreckt sich auf die drei Tage vom 20. bis 22. März.

Das Forstamt Langen hat dafür ein Waldstück östlich von Nieder-Roden ausgewählt. Es heißt „Im Galgenlangenloh“. Auf einer Fläche von rund 20 000 Quadratmeter (zwei Hektar) hatten Borkenkäfer dort im Sommer 2018 einige tausend Fichten umgebracht. Die Bäume waren etwa 50 bis 60 Jahre alt. Vor zwei, drei Wochen wurden die abgestorbenen Fichten gefällt. Sie werden zu Hackschnitzeln verarbeitet.

Statt der Nadelgehölze, die nach heutigen Erkenntnissen nicht an diesen Standort passten, will das Forstamt nun Eichen pflanzen. Sie können trockene Zeiten besser überstehen als Buchen.

Eine so breit angelegte öffentliche Pflanzaktion wie in diesem Jahr hat Forstamtsleiter Roland Piper noch nicht erlebt: „In dieser Größenordnung ist es das erste Mal.“ Die Resonanz ist groß: „Wir liegen bei insgesamt 180 Anmeldungen für die drei Tage und es kommen täglich noch welche rein.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Helfer möglichst ihre eigenen Spaten mitbringen: „Wir haben ein paar Spaten, aber für alle reichen sie nicht.“

Die drei Pflanztage werden gründlich vorbereitet. Forstwirte stecken in den nächsten Tagen die vorgesehenen Pflanzreihen ab. Außerdem räumen sie den Schlagabraum beiseite, der nach der Rodung liegen geblieben ist. Dabei handelt es sich vor allem um Äste und Zweige. Ihre Biomasse soll dem Wald nicht verloren gehen: Sie verrottet im Lauf der Zeit und geht wieder in den Nährstoffkreislauf ein.

Für die freiwilligen Helfer gibt es vom 20. bis 22. März genug zu tun. „Wir werden Dreiergruppen bilden“, kündigt Roland Piper an. Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister erklären die Arbeit und helfen, wo es notwendig wird.

Auf das Arbeitstempo kommt es nicht an. Mit zehn, zwölf Bäumen pro Stunde könne ein Team aus Laien schon sehr zufrieden sein, sagt der Leiter des Forstamts Langen: „Normalerweise kann ein Forstwirt 30 Bäume pro Stunde pflanzen.“ Aber nur kein falscher Ehrgeiz: Falls die Freiwilligen an den drei Tagen nicht fertig werden, pflanzen die Profis von Hessen-Forst den Rest. Anschließend errichten sie einen Zaun, um die Schonung vor Wildverbiss zu schützen, denn Setzlinge sind ein Leckerbissen für das Rehwild.

Es wird nicht ganz einfach, die Pflanzlöcher auszuheben: Die Baumstümpfe und Wurzeln des alten Fichtenbestandes sind ja noch in der Erde. Die FSC-Zertifizierung für naturnahe Forstwirtschaft verbietet, den Boden umzupflügen.

Etwa 3 500 Pflanzen hat das Forstamt bei der Forstbaumschule Darmstadt bestellt: vor allem Stieleichen, aber auch Hainbuchen, Rotbuchen und Kirschen. Sie werden in Reihen mit zwei Metern Abstand ausgepflanzt. Die Bäumchen sind zwei Jahre alt und etwa kniehoch.

Für eine Aufforstung rechne man normalerweise mit 6 000 bis 8 000 Jungpflanzen pro Hektar, erklärt Roland Piper vom Forstamt Langen. Dass es diesmal weniger sind, liegt nicht nur an der schwierigen Bodenbeschaffenheit, sondern auch am begrenzten Angebot der Baumschulen. Nach den verheerenden Stürmen des vergangenen Jahres werden große Mengen an Pflanzmaterial gebraucht. Bis ein Samen zum Setzling herangewachsen ist, dauert es aber rund zwei Jahre. Außerdem darf man für FSC-zertifizierte Wälder nur anerkanntes Pflanzmaterial verwenden.

Zur Pflanzaktion am „Tag des Waldes“ hat sich prominenter Besuch angekündigt. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir will den ehrenamtlichen Helfern am 21. März bei der Arbeit zusehen.

Aus fachlicher Sicht ist es ungeschickt, die Aktion ins Frühjahr zu verlegen. Üblicherweise pflanzt man Setzlinge im Herbst, wie Forstamtsleiter Roland Piper auf Anfrage bestätigt. Das gelte auch für das Waldstück östlich von Nieder-Roden: „Wir werden im Lauf des Jahres schauen, was schon an Naturverjüngung da ist.“

VON EKKEHARD WOLF

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