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Rodgau plant erste Wasserstofftankstelle im Kreis Offenbach

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Von: Ekkehard Wolf

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Auf dieser Wiese ist die Wasserstofftankstelle geplant. Der Standort befindet sich an der Einmündung der Gutenbergstraße in die L 3121 nach Seligenstadt gegenüber des VGP-Gewerbeparks.
Auf dieser Wiese ist die Wasserstofftankstelle geplant. Der Standort befindet sich an der Einmündung der Gutenbergstraße in die L 3121 nach Seligenstadt gegenüber des VGP-Gewerbeparks. © Wolf

Als erste Stadt im Kreis Offenbach will Rodgau eine Tankstelle für Wasserstoff errichten. Planung, Bau und Betrieb soll die Stadtwerke-Gruppe übernehmen. Der vorgesehene Standort ist an der Kreisquerverbindung nach Seligenstadt, vis-à-vis des VGP-Gewerbeparks.

Rodgau - Nach den Elektroautos ist Wasserstoff das nächste große Thema im Straßenverkehr. Auch wasserstoffbetriebene Fahrzeuge fahren elektrisch, aber sie erzeugen ihre Energie in Brennstoffzellen. Auf der Stadtbuslinie OF-40 sollen künftig sechs Brennstoffzellen-Busse fahren. Das hat die Stadtverordnetenversammlung vor einem Jahr beschlossen. Eine passende Tankstelle vor Ort ist die logische Konsequenz. Die Stadtverordneten entscheiden darüber am Montag, 13. Dezember.

Die sechs Stadtbusse werden etwa 150 Kilogramm Wasserstoff pro Tag verbrauchen, wie das Ingenieurbüro Emcel (Köln) im Auftrag der Stadtwerke Rodgau ermittelt hat. Damit allein lässt sich eine Tankstelle nicht wirtschaftlich betreiben. Emcel rechnet mit einem täglichen Verkauf von 500 Kilogramm, wenn dort auch ein paar Autos und Lastwagen tanken. Für Planung, Genehmigung und Bau der Tankstelle rechnet das Ingenieurbüro mit zwei Jahren. Ob das bis Anfang 2023 klappt, sei fraglich. Die neuen Brennstoffzellen-Busse sollen aber schon ab Dezember 2022 fahren.

Der beste Standort für eine Wasserstofftankstelle im Kreis Offenbach befindet sich in Rodgau. Das haben drei Wissenschaftler der Hochschule Rhein-Main (Rüsselsheim) im Auftrag der Stadtwerke Rodgau herausgefunden. Sie untersuchten drei mögliche Standorte, zwei davon in Weiskirchen. Ihr Favorit liegt jedoch an der Einmündung des Gutenbergrings in die Landesstraße 3121. Das Gelände gehört zum geplanten Gewerbegebiet D 30. Die Hessische Landgesellschaft (HLG) hat die Grundstücke bereits angekauft.

Planung, Bau und Betrieb der Tankstelle sollen die Stadtwerke Rodgau Energie GmbH (SWR.E) übernehmen, sodass die ganze Wertschöpfungskette in kommunaler Hand ist. Dazu wollen die Stadtwerke das Stammkapital ihrer Energietochter um 500 000 Euro aufstocken. Die SWR.E will die Baukosten mit Krediten finanzieren. Der Magistrat erwartet staatliche Zuschüsse von rund 40 Prozent.

Das energiereiche Gas für die Wasserstofftankstelle zwischen Dudenhofen und Jügesheim soll zunächst mit Sattelzügen in großen Tanks angeliefert werden. Später ist daran gedacht, es vor Ort per Elektrolyse zu erzeugen - als „grünen Wasserstoff“ auf Ökostrom..

Bei der Diskussion der Stadtverordneten im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr wurden auch Bedenken laut. Dr. Markus Henkel (CDU) bezeichnete die erwarteten Absatzmengen als unsicher. Er könne sich nicht vorstellen, dass Bus- oder Lkw-Fahrer aus dem Westkreis oder von der Autobahn zum Tanken nach Rodgau fahren. Die CDU sei nicht gegen Wasserstofftechnik, frage sich aber, „ob es der richtige Zeitpunkt ist“.

Johannes Pickert (ZmB) verwies auf die Konkurrenz durch andere Wasserstofftankstellen in der Region: „Da haben wir natürlich ein bisschen Bammel, ob sich das rechnet.“

Die Entwicklung überschlage sich gerade, entgegnete SWR.E-Geschäftsführer Markus Ebel-Waldmann: „Wir haben derzeit knapp 100 Wasserstofftankstellen im Bundesgebiet. Das erklärte Ziel ist, dass wir in zwei Jahren bei 400 sind.“ Jetzt sei die beste Gelegenheit, um Fördermittel zu beantragen; mit zunehmender Marktsättigung sei damit zu rechnen, dass die staatliche Förderung abgeschmolzen werde.

Ebel-Waldmann rechnet mit Kosten von drei Euro pro Kilogramm Wasserstoff. Der Verkaufspreis liege bei bis zu zehn Euro: „Wenn diese Wertschöpfungskette hier in Rodgau bleibt, lässt sich damit Geld verdienen.“

„Wir erleben genau dieselbe Diskussion wie vor Jahren bei den Elektro-Ladesäulen“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Rodgaus Lage im Ballungsgebiet und an der Autobahn sei ideal für das Vorhaben.

Lassen Sie uns wie bei der Elektromobilität wieder Vorreiter im Kreis Offenbach sein“, appellierte Heino Reckließ (FDP). Auch der Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF) werde nichts andere übrig bleiben, als auf Wasserstoffbusse zu setzen. Eine Tankstelle gebe es dann bereits – nämlich in Rodgau.

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