Rodgau-Hainhausen

Reiterhof Rückerhof weicht Neubaugebiet

Westlich der Rodgau-Ringstraße wird das Gelände für den neuen Rückerhof planiert (Bildmitte). Das Luftbild zeigt oben rechts einen Teil des Neubaugebiets Hainhausen-West; rechts unten ist der Seehof der Familie Keller zu erkennen.
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Westlich der Rodgau-Ringstraße wird das Gelände für den neuen Rückerhof planiert (Bildmitte). Das Luftbild zeigt oben rechts einen Teil des Neubaugebiets Hainhausen-West; rechts unten ist der Seehof der Familie Keller zu erkennen.

Der Reiterhof „Rückerhof“ in Rodgau packt die Umzugskisten. Er weicht dem großen Neubaugebiet zwischen Hainhausen und Jügesheim.

Rodgau – Der Reiterhof „Rückerhof“ zieht von der Südtrasse ein paar hundert Meter weiter nach Westen. Die Erdarbeiten westlich der Rodgau-Ringstraße haben vor einigen Wochen begonnen, der Umzug findet aber frühestens im nächsten Jahr statt. Für den landwirtschaftlichen Familienbetrieb ist es die zweite Umsiedlung nach rund 60 Jahren.

Seit drei Jahren hatte die Familie überlegt, ob sie das Wagnis eines Neuanfangs auf sich nehmen soll. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Juniorchefin Monika Rücker-Hoffmann: „Das geht auch nur, wenn jede Generation mitzieht.“ Es gehe ja nicht nur um ein Wohnhaus, sondern um einen ganzen Betrieb.

Die ganze landwirtschaftliche Hofstelle wird verlagert. Das größere Gelände (knapp 20 000 Quadratmeter) eröffnet die Möglichkeit, den Betrieb bedarfsgerecht zu erweitern. Die beiden neuen Stallgebäude reichen für 22 Pferde; bisher leben neun Pferde auf dem Rückerhof. Auch künftig werden die Pferde in sogenannten Paddock-Boxen untergebracht, von denen aus sie ein paar Schritte nach draußen gehen können. Ein Reitplatz und andere Außenanlagen sind selbstverständlich. „Wir bekommen auch eine Reithalle dazu, die wir die ganzen Jahre nicht hatten“, freut sich Monika Rücker-Hoffmann.

Die Familie hat das neue Gelände von einem privaten Eigentümer gekauft. Der neue Hof versucht Rücksicht auf die Umgebung zu nehmen. „Wir haben geschaut, dass es optisch auch ein bisschen in die Natur passt“, erklärt Rücker-Hoffmann: „Es ist uns nicht leicht gefallen, ein Stück Natur wegzunehmen. Wir müssen natürlich einen Ausgleich schaffen, was wir auch gerne tun.“ Die Untere Naturschutzbehörde und andere Ämter seien bei auftretenden Fragen sehr hilfsbereit gewesen, würdigt sie: „Es ist schön, wenn die Behörde mit uns gemeinsam die Probleme aus der Welt schafft.“

Die Pferde fressen Heu aus eigenem Anbau. „Mein Vater legt Wert darauf, dass es hochwertiges Heu ist“, sagt Monika Rücker-Hoffmann. Der Betrieb hat unter anderem Grünland in Weiskirchen und Rembrücken gepachtet.

Mitte März haben die Erdarbeiten auf dem Grundstück westlich von Hainhausen begonnen. Wann der neue Rückerhof fertig wird, lässt sich derzeit nur schwer sagen – auch wegen der Corona-Pandemie. Monika Rücker-Hoffmann nimmt an, dass der Umzug nicht vor Ende nächsten Jahres erfolgen kann: „Wir ziehen erst dann um, wenn die Pferde Auslauf haben. Sie sind ja täglich zehn bis zwölf Stunden draußen.“

Menschen könnten zur Not auch in ein halb fertiges Haus ziehen, sagt die Pferdefreundin. Den sensiblen Tieren wolle man das aber nicht zumuten. Um die Pferde langsam an ihr neues Zuhause zu gewöhnen, wolle man sie immer mal wieder auf die neue Anlage führen, „sodass sie sich das neue Gelände anschauen und beschnuppern können“. Die älteste Stute des Rückerhofs lebt seit 22 Jahren dort.

Die Pferde fühlen sich auf dem Rückerhof in Hainhausen wohl. Die älteste Stute lebt seit 22 Jahren dort.

Vor sechs Jahrzehnten war der Familienbetrieb das erste Mal umgezogen. Damals befand er sich in Hainhausen etwa dort, wo jetzt das Volksbank-Gebäude steht. Der Hof musste einer geplanten Straße weichen – die Straße wäre mitten durch den Hof gegangen. Der Rückerhof wurde zum Aussiedlerhof westlich der Bahnlinie. Ein landwirtschaftlicher Mischbetrieb, wie er damals üblich war: Schweine, Hühner, Rinder, Getreide. Reitpferde kamen erst viele Jahre später dazu. Als die Rückers 1963 in ihrem Aussiedlerhof anfingen, stand weit und breit kein anderes Haus.

Das hat sich grundlegend geändert. Mit dem Neubaugebiet Hainhausen-West sind die Wohnhäuser dem Reiterhof näher gerückt. Das nächste ist nur 125 Meter entfernt. Von der anderen Seite, von Süden her plant die Stadt das große Wohngebiet Rodgau-West mit rund 3 500 Wohnungen. Trotz Bestandsschutz für den Reiterhof wäre es wohl irgendwann zu Konflikten gekommen.

Umsiedlung und Neubau sollen die Zukunft des landwirtschaftlichen Betriebs sichern. Ihr bisheriges Grundstück an der Südtrasse haben die Familien Rücker/Hoffmann an die Hessische Landgesellschaft verkauft – zum gleichen Preis, den alle bekommen.

Von Ekkehard Wolf

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