Mit sachkundigen Helfern

Repair-Café in Rodgau stemmt sich gegen die Wegwerfgesellschaft

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Ob kaputtes Handy (links), defekter Wecker (rechts), altes Radio oder Kaffeemaschine: Im Repair-Café wird geholfen.

Das Repair-Café Rodgau kehrt im Sozialzentrum an seinen angestammten Platz zurück. Die Ehrenamtlichen wollen der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen.

Nieder-Roden - Das Repair-Café Rodgau kehrt im Sozialzentrum an seinen angestammten Platz zurück: in den Keller. Dort hatte die Initiative ihre nachhaltige Arbeit im Dezember 2016 aufgenommen und war dann später ins Erdgeschoss umgezogen. Dank Unterstützung durch die städtische Wirtschaftsförderung und das städtische Gebäudemanagement haben die in der Regel zehn ehrenamtlichen Bastler jetzt mehr Platz.

„Wir sind froh und dankbar, einen zusätzlichen Raum bekommen zu haben“, freut sich Initiator Heinz Zborek über gut 30 Quadratmeter zusätzliche Fläche. „Das hat für uns den Vorteil, dass wir Ware, die wir nicht an einem einzigen Tag reparieren können, nicht – so wie früher – den Leuten wieder mit nach Hause geben müssen, sondern dass wir sie hier lagern und dann bei der nächsten Gelegenheit gleich weitermachen können.“

Rodgau: Reparieren gegen die Wegwerfgesellschaft

Wann wird alles wieder reparabel sein und die Wegwerfgesellschaft sich auf das Ursprüngliche besinnen? Das fragt sich Zborek immer wieder aufs Neue. „Wenn auch in kleinen Schritten, aber wir sind auf dem rechten Weg und bewegen uns in die richtige Richtung. Mit viel Kreativität, Zuversicht und manchmal sogar mit Mut treiben die Reparateurinnen und Reparateure das gemeinsame Projekt voran, um Schritt für Schritt die Wegwerfgesellschaft hinter sich zu lassen“, wirbt er für die gute Sache der Hobbyschrauber.

Die Freiwilligen erleben die unterschiedlichsten Situationen, Herausforderungen und Probleme. „Wir sind nicht nur aus Spaß an der Freude mit beiden Händen und mit vollem Herzen bei den Reparaturen dabei, sondern auch mit dem Bewusstsein, der Umwelt und der Nachhaltigkeit zuliebe etwas Gutes getan zu haben und es weiterhin zu tun“, schildert einer der fleißigen Helfer seine Motive, setzt sich wieder hin und schafft weiter.

Viel Fingerspitzengefühl ist beim Reparieren gefragt.

Oft hört Heinz Zborek nach der „Schafferei“ von seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, dass es wieder einmal ein schöner Abend war. Trotz der vielen Anfragen und Reparaturen findet jeder Helfer und jede Helferin nach getaner Arbeit noch Zeit für Hobbys. Wie zum Beispiel die Ehefrau des Repair-Café-Leiters, die sich mit moderner Malerei in ihrer Freizeit beschäftigt. Sie lässt es sich aber trotzdem nicht nehmen, immer am zweiten Donnerstag eines Monats während der Öffnungszeiten von 18 bis 21 Uhr (Reparatur Annahme bis 20 Uhr) Snacks, Kaffee und Getränke den Gästen anzubieten.

Repair-Café in Rodgau: Die unterschiedlichsten Menschen engagieren sich

Unter den Aktiven sind ganz unterschiedliche Menschen. Etwa der gelernte Elektriker, der in seiner Freizeit am liebsten Lego baut, und mit seiner Play Station spielt, aber sich auch gerne mit Heimautomatisierung (Smart Home) beschäftigt. Aber auch der pensionierte Schreinergeselle, der alten Röhrenradios wieder Leben einhaucht. Sein Motto: „Anderen Menschen Freude machen, das ist der Sinn der ganzen Sache.“

Und dann der Buchhalter, der in seiner Freizeit jede freie Minute seinem alten Haus widmet und mit Unterstützung seiner Frau die Umbauten erfolgreich voranschreiten lässt. Oder der studierte Maschinenbauingenieur, der gnadenlos tüftelt und bastelt, während seine Freundin am PC Schriftstücke verfasst, wenn sie sich nicht gerade in ein Buch vertieft oder immer am zweiten Donnerstag einmal im Monat der Ehefrau des Leiters beiseitesteht. Nicht zu vergessen jene, die von weit her in die Reparaturwerkstatt nach Nieder-Roden kommen und stillschweigend, ohne großes Aufsehen, einfach nur helfen wollen. „Es sind Menschen wie sie und ich, denen man sein lieb gewonnenes zu reparierendes Gerät vertrauensvoll übergibt und denen man aber auch respektvoll begegnen sollte. Denn alle sind sie ehrenamtlich tätig“, appelliert Zborek.

Von den Spenden fürs Reparieren werden Werkzeuge und Material angeschafft, damit auch die kompliziertesten Operationen weiterhin gelingen.

Das Repair-Café Rodgau hat sich nach seinem über dreijährigen Bestehen zu einer sozialen Institution entwickelt, wo man gerne hingeht, sich wohlfühlt und auch verstanden wird. Und es hat sogar eine kleine Stammkundschaft.  

Von Bernhard Pelka

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