Wespennest im Schlangenkopf

Park an der Rodau wird für einen Tag zum Freiluft-Atelier

Ein Bild der Verwüstung am 18. August vergangenen Jahres: Nach einem heftigen Unwetter von nur einer Viertelstunde lagen auch im Rodaupark die Bäume kreuz und quer. Einsam hält eine hölzerne Frauenfigur den Kopf der Wasserschlange.
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Ein Bild der Verwüstung am 18. August vergangenen Jahres: Nach einem heftigen Unwetter von nur einer Viertelstunde lagen auch im Rodaupark die Bäume kreuz und quer. Einsam hält eine hölzerne Frauenfigur den Kopf der Wasserschlange.

Elf Monate nach dem verheerenden Unwetter vom 18. August 2019 wird einer der letzten Sturmschäden behoben. Künstler Christian Rösner (Nürnberg) hat gestern begonnen, seine „Wasserschlange“ im Rodaupark an der Konrad-Kappler-Straße zu reparieren. Ein umstürzender Baum hatte die Holzskulptur in mehrere Teile zerschlagen.

Rodgau – Er habe schlimmere Schäden befürchtet, sagte Rösner gestern nach einer ersten Bestandsaufnahme. Eigentlich stehe die Figurengruppe gut da. Innerhalb weniger Minuten hatte er die am Boden liegenden Bruchstücke zusammengepuzzelt: einen Abschnitt des Schlangenkörpers und den Sockel der Kinderfigur: „Die Stücke kann ich genauso wieder verwenden.“ Ein paar Schrauben reichten aus, um die Teile miteinander zu verbinden.

Nur einen kleinen Teil der Schlange muss der Bildhauer ersetzen: etwa 1,20 Meter lang und 35 Zentimeter im Durchmesser. Ein passendes Stück Eiche suchte er sich gestern gleich im Wald aus. Am Waldbauhof in der Nähe des Wasserwerks hatten Forstwirte mehrere Stämme bereitgelegt, die dem Sturm zum Opfer gefallen waren.

Womit der Künstler nicht rechnen konnte: Kleine Tiere haben seine Figurengruppe als Lebensraum erkoren. Als er die Holzteile gestern umdrehte, legte er ein Mäusenest mit vier winzigen Jungtieren frei. Und im Kopf der Schlange haben Wespen ein Nest gebaut. Bei der Endmontage muss Rösner möglicherweise die Schutzkleidung eines Imkers tragen.

Heute kann man dem Künstler bei der Arbeit mit der Kettensäge zuschauen, ähnlich wie vor neun Jahren. Damals hatte er eine ganze Woche lang im Park gearbeitet. Figur um Figur entstand unter den Augen der Öffentlichkeit. Die „Wasserschlange“ war eine Auftragsarbeit in der Reihe „Kunst vor Ort“ des Kreises Offenbach und der Sparkasse Langen-Seligenstadt.

Wie ein Puzzle setzt Bildhauer Christian Rösner die Trümmer seiner Skulptur zusammen. Heute kann man ihm im Park an der Konrad-Kappler-Straße bei der Arbeit mit der Kettensäge zuschauen.

Die Figurengruppe im Rodaupark ist eine von etwa zwei Dutzend Skulpturen Rösners, die auf öffentlichen Freiflächen zu sehen sind. Weitere Arbeiten stehen unter anderem im Tiergarten Nürnberg, im Müritz-Nationalpark und am Kleinen Brombachsee. Für Kunst im öffentlichen Raum sei die Auftragslage nicht so rosig, berichtet der 50-Jährige, der seit 1998 als freischaffender Bildhauer arbeitet. Die große Konkurrenz komme erschwerend hinzu: „Es gibt massenhaft Leute, die eine Motorsäge halten können. Aber in der Kunst geht es um etwas anderes als nur das Werkzeug und das Material.“

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat Christian Rösner auch einen Lehrauftrag an einer Fachhochschule. Seit Freitag letzter Woche zeigt die Kunstgalerie der Stadt Fürth eine Einzelausstellung seiner Skulpturen und Grafiken. Sie ist noch bis zum 20. September zu sehen.

Aktuelle Arbeiten Rösners werden auf der Internetplattform Instagram unter dem Namen roesner.christian veröffentlicht.

Von Ekkehard Wolf

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