Gemeinschaftsunterkunft

Horrende Preise trotz schwarzem Schimmel

Für bis zu 80 Menschen ist die Gemeinschaftsunterkunft an der Borsigstraße ausgelegt. Zurzeit leben 57 Bewohner dort. Zeitweise wurden die Zweibettzimmer sogar mit drei Personen belegt. 
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Für bis zu 80 Menschen ist die Gemeinschaftsunterkunft an der Borsigstraße ausgelegt. Zurzeit leben 57 Bewohner dort. Zeitweise wurden die Zweibettzimmer sogar mit drei Personen belegt. 

Wegen eines Bauschadens sind einige Duschräume der Gemeinschaftsunterkunft in Rodgau gesperrt. Eine Mietpreissenkung gibt es nicht. Der Schaden ist seit Mitte 2018 bekannt. Weil das Unternehmen nicht nachbessert, will nun der Kreis Abhilfe schaffen.

Rodgau – Schwarzer Schimmel an den Wänden: Wegen eines Bauschadens sind einige Duschräume der kreiseigenen Gemeinschaftsunterkunft hinter dem Bürgerhaus Nieder-Roden gesperrt. Der Schaden ist seit Mitte 2018 bekannt. Nun will der Kreis Abhilfe schaffen.Für eine Mietminderung sieht er aber keinen Anlass. Bewohner mit eigenem Einkommen müssen 375 Euro pro Zimmer und Monat bezahlen. Das sind mehr als 40 Euro pro Quadratmeter.

Gemeinschaftsunterkunft in Rodgau: Schimmel an den Wänden - Schaden ist seit 2018 bekannt

Die ehrenamtlichen Helfer des Flüchtlingsnetzwerks haben lange geduldig gewartet – im Vertrauen darauf, dass die Behörde handelt. Jetzt bricht einer das Schweigen. Der Anlass ist ein Bericht unserer Zeitung. Demnach weisen zwei Gemeinschaftsunterkünfte in Nieder-Roden und Seligenstadt bereits seit Mitte 2018 erhebliche Baumängel auf.

Wasserschäden in den sogenannten Nassräumen (Duschen, Toiletten) „verschlechtern nicht nur den Zustand der Gebäude, sondern führen auch zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen“, wie der Augenzeuge schreibt. Im Lauf der Zeit habe sich schwarzer Schimmel gebildet. Die Hausmeister hätten die Schäden mehrmals dokumentiert. Dem Gebäudemanagement des Kreises Offenbach sei es aber nicht gelungen, die Baufirma zur Behebung der Schäden heranzuziehen.

Auch beim Aufbau vorgefertigter Module kann man einiges falsch machen, wie sich in der Borsigstraße 1 a zeigte.

Rodgau: Ehrenamtliche äußern schlimmen Verdacht

Nach mehr als eineinhalb Jahren hat der Ehrenamtliche einen schlimmen Verdacht: „Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen sich nicht gebührend und angemessen um die Sache kümmern, vielleicht aus dem Grund, weil es nicht ihr persönliches Geld ist beziehungsweise weil die Bewohner keine potenziellen Wähler sind.“

Im Kreishaus ist das Problem bekannt. Eine Pressesprecherin teilt auf Anfrage mit, „dass wir alles dafür tun, dass die Mängel schnellstmöglich behoben werden“. Gutachten hätten belegt, dass die Mängel auf einen Fehler der Baufirma zurückzuführen seien. Wegen unzureichender Abdichtungen sei Wasser in den Boden gelaufen.

Rodgau: Schimmel an den Wänden- Unternehmen bessert nicht nach

Weil das Unternehmen trotz mehrerer Aufforderungen nicht nachbesserte, lässt nun der Kreis die Mängel beheben – als „Ersatzvornahme für einen Gewährleistungsmangel“, wie es offiziell heißt. Die Ausschreibung läuft, die Submission ist Anfang März. Wenn alles gut geht, werden die Mängel im April behoben. Das kostet voraussichtlich rund 50. 000 Euro. Die Finanzierung ist gesichert: Der Kreis hatte die Baukosten nicht vollständig bezahlt, sondern einen kleinen Teil als „Sicherheitseinbehalt“ abgezogen.

Gemeinschaftsunterkunft in Rodgau: Jenseits von „bezahlbarer Miete“

„Trotz dieser erheblichen baulichen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen weicht die Kreisverwaltung nicht von ihren horrenden Gebührensätzen ab“, kritisiert der ehrenamtliche Helfer aus Rodgau, der sich in seiner Freizeit für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft einsetzt. Für ein Zimmer mit 16 Quadratmetern müssen die Bewohner nach wie vor 375 Euro pro Monat bezahlen. Meistens teilen sich zwei Personen einen Raum. Das bedeutet 46,87 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Eine „bezahlbare Miete“ liegt nach Ansicht der Stadt Rodgau zwischen acht und zehn Euro pro Quadratmeter.

Spartanisch ausgestattet: ein noch nicht ganz fertiger Duschraum während der Bauarbeiten 2015. Archivfotos (2)

Der Kreis Offenbach sieht keinen Grund, die Nutzungsgebühr zu senken, obwohl die betroffenen Duschräume bereits seit längerer Zeit gesperrt sind. Die Bewohner könnten ja die Sanitärräume in anderen Etagen nutzen, heißt es auf Anfrage. Da die Unterkunft nicht voll belegt sei, sei das problemlos möglich. Das Haus ist für maximal 80 Bewohner ausgelegt. Laut Kreisverwaltung leben derzeit 57 Menschen darin.

Rodgau: Duschräume sind unbenutzbar - trotzdem keine Mietpreissenkung

Der dreistöckige Zweckbau ist knapp fünf Jahre alt. Er wurde aus 33 vorgefertigten Modulen zusammengesetzt und kostete 2,4 Millionen Euro. Die 30 Doppel- und fünf Familienzimmer erinnern in Größe und Ausstattung an eine Jugendherberge. Sie wurden mit Gebrauchtmöbeln aus dem aufgelösten Kreisjugendheim Affhöllerbach eingerichtet.

Das Gebäude gehört dem Landkreis, steht aber auf einem städtischen Grundstück. Der Pachtvertrag läuft 25 Jahre, eine Verlängerung um fünf Jahre ist möglich. Danach muss der Kreis das Haus wieder abreißen.

Mit der Metzgerei Ricker wechselt eins der traditionsreichsten Familienunternehmen in Rodgau den Besitzer.

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