Kindertagesstätte

Rodgau: Alte Schule war Flüchtlingsheim und wird jetzt zur Kita – Umbau mit Hindernissen

An die Rückseite der alten Schule wird ein Treppenturm angesetzt. Die neuen Türen stehen schon bereit.
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An die Rückseite der alten Schule wird ein Treppenturm angesetzt. Die neuen Türen stehen schon bereit.

Die Innenstadt von Rodgau bekommt eine Kita. Der Umbau ist ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz, Brandschutz und Vorschriften zum Kita-Bau.

Rodgau – Bald ziehen wieder Kinder in die alte Schule Jügesheim ein. Das Gebäude gegenüber der Rodgau-Passage wird zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren umgebaut. Im Sommer öffnet dort eine Kindertagesstätte mit zwei Gruppen. In den letzten Jahren diente das Haus als Gemeinschaftsunterkunft für Zuflucht suchende Menschen aus anderen Ländern.

Die ehemaligen Klassensäle erhalten annähernd ihre frühere Größe zurück. Anfang 2016 waren sie im Trockenbau in kleinere Einheiten aufgeteilt worden: Schlafräume mit Stockwerkbetten, Gemeinschaftsduschen und -küchen. Einige Rigips-Wände wurden nun wieder herausgerissen. Der uralte Bodenbelag wird ebenso erneuert wie die alten Fenster mit Einfachverglasung.

Rodgau: Kita-Umbau mit Hindernissen – Behörden müssen Kompromisse schließen

Der Umbau ist ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz, Brandschutz und den Vorschriften zum Kita-Bau. Sichtbar wird das zum Beispiel am Treppengeländer, das mit seinen Verzierungen unter Denkmalschutz steht. Der Handlauf ist für Kinder zu hoch und für Erwachsene zu niedrig. Manche Öffnungen sind so groß, dass ein Kind seinen Kopf hindurchstecken könnte. Eine davor gesetzte Glaswand soll beide Probleme lösen. Auch andere historische Details bleiben erhalten: Reste der Holzverkleidung an den Wänden und der Terrazzo-Boden mit Ornament am Eingang.

Der Umbau des Hauses dauert ein Jahr länger als erhofft. Vor gut einem Jahr hatte Erster Stadtrat Michael Schüßler noch von einer schnellen Lösung gesprochen, um die hohe Nachfrage nach Kita-Plätzen zu befriedigen.

Zum Turnen und Toben: geräumiger Mehrzweckraum im Obergeschoss.

Rodgau: Alte Schule wird zur Kita – Brand- und Denkmalschutz müssen beachtet werden

„Das war in der Sache anspruchsvoller, als wir erwartet hatten“, erklärt Schüßler heute. Es sei nicht leicht gewesen, die Vorstellungen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen: „Da hat jeder für sich genommen sicher recht. Aber mit der reinen Lehre kommen wir bei einer solchen Immobilie nicht weit.“ Als Beispiel nennt er den zweiten Fluchtweg, der für die Kita zwingend vorgeschrieben ist. Nach der Abstimmung mit Brandschutz- und Denkmalschutzbehörde wird nun ein Treppenturm an die Rückseite des Hauses angesetzt. Die Treppe führt auf den Außenspielplatz, der 440 Quadratmeter umfasst. Er wird dort angelegt, wo sich bisher die erste Parkplatzreihe hinter dem Haus befindet. Der Asphalt wird entfernt, die Fläche wird gärtnerisch gestaltet. Spielgeräte sind bereits bestellt. Mit der Kita mitten im Ort verbindet Sozialdezernent Schüßler einige Hoffnungen: „Ich glaube, dass sie als innerstädtische Einrichtung Potenzial hat.“

Die Bauarbeiten sollen so rechtzeitig fertig sein, dass sich die ersten Kinder im September eingewöhnen können. Erzieherinnen sind bereits eingestellt. Zurzeit arbeiten sie in anderen Kitas. (Von Ekkehard Wolf)

Unter Denkmalschutz: Treppengeländer.

In Rodgau soll es bald für jedes angemeldete Kind einen Betreuungsplatz geben. Gleich vier Kitas sollen in diesem Jahr öffnen.

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