Vertrauen gegen Vertrauen

Stauffenberg-Schule: Ehemaliger Schulleiter Dr. Fredi Ruths ist tot

Die Tabakspfeife war sein Markenzeichen: Dieses Foto von Dr. Fredi Ruths entstand beim Ehemaligenfest der Claus-von-Stauffenberg-Schule im Sommer 2013.
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Die Tabakspfeife war sein Markenzeichen: Dieses Foto von Dr. Fredi Ruths entstand beim Ehemaligenfest der Claus-von-Stauffenberg-Schule im Sommer 2013.

Der frühere Leiter der Claus-von-Stauffenberg-Schule (CvSS) ist tot. Dr. Fredi Ruths starb am 9. Januar kurz vor seinem 76. Geburtstag, wie erst jetzt bekannt wurde. Fast 34 Jahre lang stand er an der Spitze des Oberstufengymnasiums. Mehr als 5 000 Schüler führte er zum Abitur.

Dudenhofen – Für Schüler stand seine Bürotür immer offen. Aber wer morgens zu spät kam, musste damit rechnen, an der verschlossenen Eingangstür von ihm abgepasst zu werden. „Vertrauen gegen Vertrauen“ war die Philosophie von Dr. Fredi Ruths. Es gab keine Schulordnung, auch wenn es eine hätte geben müssen. Dennoch hätten sich die Schüler unterm Strich immer anständig verhalten, erzählte er bei einem Ehemaligenfest 2013. Seine Erklärung: „Es gab schon immer mehr Mädels als Jungs. Also wenn die sich nicht benehmen, haben sie keine Chancen.“

Dr. Fredi Ruths hat die gymnasiale Oberstufe in Rodgau aufgebaut. Er war von Anfang an dabei, als die CvSS noch Marie-Curie-Schule heißen sollte: 1980 beim Start mit Pavillons in Jügesheim, beim ersten Spatenstich in Dudenhofen und bei der Einweihung des Neubaus.

Bekennender Pfeifenraucher und leidenschaftlicher Pädagoge

Der bekennende Pfeifenraucher und leidenschaftliche Pädagoge war ein Beispiel dafür, dass man beim täglichen Umgang mit jungen Menschen selbst jung bleibt. Mit Sondergenehmigung durfte er länger unterrichten. Erst mit knapp 70 Jahren ging er in Pension, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Zum Abschied dankte er den Schülern: „Ihr habt mir viel Spaß fürs Leben gebracht.“

Zur Schulpolitik hatte Dr. Fredi Ruths eine klare Meinung. Da konnte er auch unbequem werden. Seine Überzeugung: Die Loyalitätspflicht der Beamten gegenüber dem Dienstherrn darf nicht so weit gehen, dass sie die Meinungsfreiheit einschränkt. Christdemokrat Ruths kritisierte unter anderem die Reform des Schulgesetzes unter der rot-grünen Landesregierung nach 1991. Aber auch mit den CDU-geführten Regierungen ab 1999 war der Schulleiter oft nicht einverstanden. Er kritisierte unter anderem die Verkürzung der Gymnasialzeit (G 8), die „permanente Abtestung der Schüler“ und die Einführung des Landesabiturs.

1996 für seine Schule Asyl in Bayern beantragt

Schlagzeilen machte Ruths, als er 1996 für seine Schule Asyl in Bayern beantragte. Anlass war der Unterrichtsausfall an hessischen Schulen, den der damalige Kultusminister Hartmut Holzapfel (SPD) mit fünf bis sieben Prozent bezifferte.

In seinem Abschiedsinterview für unsere Zeitung äußerte Ruths vor sechs Jahren zwei Wünsche. An die Schüler: „Bleibt so, wie ihr seid, frech und neugierig.“ Und an die Politik. „Dass sie die Schule in Ruhe lässt.“

eh/pep

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