Störche 

Auf dem Birkenhof trampeln neugierige Spaziergänger Wiese platt: Störche von Distanzlosigkeit gestört

Lieber aus der Ferne beobachten: Landwirt Jürgen Klein ärgert sich über Spaziergänger, die seine durch Trockenheit strapazierte Wiese niedertrampeln, um den Störchen nahe zu kommen. 
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Lieber aus der Ferne beobachten: Landwirt Jürgen Klein ärgert sich über Spaziergänger, die seine durch Trockenheit strapazierte Wiese niedertrampeln, um den Störchen nahe zu kommen. 

Der Weißstorch kann seit einigen Jahren wieder häufiger in Rodgau beobachtet werden. Viele Bürger haben sich über die Rückkehr des langbeinigen Tieres gefreut. 

Weiskirchen – Regelmäßig stolziert der Vogel – eventuell noch in Anwesenheit eines Reihers – über Äcker und Felder und schaut, ob dort etwas für ihn zu holen ist.

Auch Landwirt Jürgen Klein aus Weiskirchen freut sich Jahr für Jahr über das schöne Tier. Deswegen steht auf seinem Grund schon seit sieben Jahren ein Nistplatz, der eigens für Meister Adebar eingerichtet wurde. Sein Schwager Guido Kugolowski war damals der Initiator.

Nach einer Ortsbegehung mit der unteren Naturschutzbehörde ging‘s los. In ein Betonfundament wurde ein acht Meter hoher Stamm eingesetzt. Oben auf die hölzerne Plattform kam ein Geflecht aus Weiden, natürlich eigens vom Birkenhof. Und die eleganten Vögel ließen sich nicht lange bitten.

Im Moment brütet auf dem Birkenhof wieder ein Storchenpaar sein Gelege aus. Das aber lockt offensichtlich haufenweise neugierige Spaziergänger an, über deren unvernünftiges Verhalten der Landwirt sich ärgert. Alle wollen einen Blick auf den Vogel mit der roten Strumpfhose werfen. Deswegen trampeln die menschlichen Besucher nicht nur die durch die Trockenheit eh schon arg strapazierte Wiese nieder, sie stören und verscheuchen auch die Tiere. „Wenn da eine Leiter am Stamm stehen würde, würden die bis ans Nest krabbeln“, kritisiert Klein die Distanzlosigkeit.

Dafür hat der Landwirt aber überhaupt kein Verständnis: Denn der Grund und Boden sei Landschaftsschutzgebiet, außerdem müssten auch nachfolgende Generationen noch eine Gelegenheit haben, einen Storch zu Gesicht zu bekommen.

Die Familie Kugolowski hat schon lange eine gute Beziehung zur Ortsgruppe des Naturschutzbundes. Nistgelegenheit für Eulen und Schwalben gehören seit Jahren zum Inventar des Hofs im Rodgauer Norden. Weil aber auch Störche nun schon länger eine Rolle spielen auf dem Birkenhof, wundert sich Jürgen Klein, dass die Tiere bislang noch nicht beringt wurden. Denn dann könnte man nachvollziehen, woher sie kommen.

Allerdings lesen die Fachleute noch weitaus mehr aus den Daten, die mithilfe einer Beringung eingeholt werden können. Untersucht werden unter anderem Vogelzug, Lebensdauer, Sterblichkeit, Ernährung und Fortpflanzung.

Andreas Pulwey, Vorsitzender der Rodgauer Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu), weiß, dass die Einrichtung der Storch-Nisthilfe auf dem Birkenhof von der Ortgruppe damals sehr begrüßt wurde: „Der Lebensraum ist interessant, weil die Rodau dort mäandert und das Gelände feucht ist“, sagt er.

Von der Beringung sei die Nabu-Gruppe abgekommen, weil es inzwischen an einem Fachmann fehle, der das könne. Die nächste, zuständige Vogelwarte sei in Radolfzell am Bodensee. „Den Tieren soll dabei ja nichts geschen, deswegen braucht es einen Experten“, erklärt der Naturschützer.

Im Falle des Weißstorchs seien hinreichend Daten gesammelt worden und sein Verhalten sei weitestgehend erforscht. Deswegen bestehe aus seiner Sicht keinerlei Notwendigkeit, die Störche zu beringen, meint Pulwey

Von Simone Weil 

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