Tonnenschwere Fata Morgana

Manuel Franke schafft neue Räume im Rodgauer Rodaupark

Ein Jahr lang wird Manuel Frankes Colormaster R jetzt im Rodaupark stehen. Bei der Vorstellung fand das Objekt großes Interesse.
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Ein Jahr lang wird Manuel Frankes Colormaster R jetzt im Rodaupark stehen. Bei der Vorstellung fand das Objekt großes Interesse.

Die Fata Morgana funktioniert an der Rodau genau so gut wie am Main. Damit hat sich der Colormaster R nach Worten seines Schöpfers Manuel Franke schon selbst gerechtfertigt und kann bis nächstes Jahr seine Funktionen erfüllen.

Rodgau – „Neue Räume schaffen“, umschrieb sie der Künstler am Samstag bei der Vorstellung der 28 Meter langen Skulptur aus Wellblech und Beton im Rodaupark. Und: „Einfach wegfliegen“, wenn auch nur in der Wahrnehmung. Denn trotz ihrer Größe und mehrerer Tonnen Gewicht wirken die Blechwellen auf dem Betonsockel leicht.

Für Kulturstadtrat Winno Sahm liegt das nicht zuletzt an den Farben, die Franke schon bei der ersten Präsentation des Objekts vor zwei Jahren im Garten des Städel-Museums gewählt hatte, seinerzeit mit dem Endbuchstaben F für Frankfurt statt jetzt mit Rodgauer R. Noch länger war der fundamentlose Sockel – ein Rodgauer Produkt aus der Betonmanufaktur Kleemann – schon im Ursprung himmelblau, überwölbt von Orange mit Rosa Rücken.

Der liegt im Rodau-Park, entgegen ersten Überlegungen bei der städtischen Agentur für Kultur, Sport und Ehrenamt, dem inoffiziellen Hauptzugang von der Konrad-Kappler-Straße her zugewandt – für Franke wie Sahm ein großer Wurf, denn nun erschließe sich das Kunstwerk mit seiner leuchtenden Seite dem sich nähernden Betrachter durch zwei Heckentore erst allmählich und entfalte so mehr Wirkung.

Überhaupt hätte der Standort für das Werk, leicht schräg zur Spielplatzhecke angeordnet und durch den Hauptweg geteilt, aus Sicht von Manuel Franke kaum besser gewählt werden können. Da spiele es auch keine Rolle, ob sich der Colormaster nun im urbanen Umfeld der Großstadt oder in eher beschaulicher, naturnaher Umgebung wie jetzt in Jügesheim erhebe: „Wenn es richtig ist und künstlerische Kraft entfaltet, ist eine kleine Stadt genau so gut wie eine große.“ Und „richtig“ sieht der Künstler sein Objekt in Rodgau noch aus anderen Gründen: Sahm und sein Kulturteam hätten sich in einer Weise für das Projekt engagiert, die Rodgau unter mehreren Bewerber-Kommunen besonders ausgezeichnet habe.

Auch die hauptamtliche Stadtspitze haben das Kunstwerk und der richtige Umgang damit laut Bürgermeister Jürgen Hoffmann monatelang beschäftigt. Fünf mögliche Standorte hätten die Ämter im Rathaus und die übergeordneten Behörden akribisch geprüft und letztlich verworfen. Der Rodaupark biete sich als „kleine grüne Mitte“ und kreative Keimzelle in besonderer Weise an, zumal das Objekt auch für Rodgauer Qualitäten stehe: Bodenständigkeit im Sockel, Dynamik im aufwärtsstrebenden Wellblechbogen.

Dass die gelungene „Raumintervention“ auch von der Bevölkerung angemessen wahrgenommen wird, hofft Sahm mit Zuversicht, liege sie doch an der Nord-Süd-Achse Rodau und ost-westlich zwischen Rathaus und Bahnhof im Herzen der Stadt.

Begeistert zeigte sich Franke von der „Hartnäckigkeit“ seines Publikums. Gut 50 Besucher hörten trotz Regenwetter sowohl seinen als auch Sahms Ausführungen geduldig zu und genossen die klangvollen Einlagen von Bernd-Michael Land. Unverdrossen brachte der Rodgauer Kulturpreisträger im prasselnden Regen seine Gongs und Klangschalen zum Schwingen. (zrk)

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