500 Bäume

Trockenheit macht Rodgau zu schaffen - Stadtbäume überleben erstes Jahr nicht

Vorne grün, hinten braun: Stadtbäume und Staudenbeete an der Merianstraße.
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Vorne grün, hinten braun: Stadtbäume und Staudenbeete an der Merianstraße.

Das Baumpflanzprogramm in Rodgau wird von der Trockenheit abgebremst. Einige Bäume gehen bereits im ersten Jahr ein.

Rodgau - Das Programm „500 Bäume in fünf Jahren“ geht weiter. 200 Bäume wurden seit 2018 im Stadtgebiet Rodgau gepflanzt. Die nächsten 100 folgen im Herbst. Das ist kein billiges Vergnügen: Die Kosten pro Baum liegen im günstigsten Fall bei 1 500 Euro. Die sogenannte Anwuchspflege ist inbegriffen. Dennoch haben einige Bäume das erste Jahr nicht überlebt.

An der Südtrasse (Hainhausen) und am Finkenweg (Jügesheim) mussten bereits zwei abgestorbene Bäume abgesägt werden, wie die städtische Pressestelle auf Anfrage bestätigt. Sie waren erst vor einem Jahr gepflanzt worden. Das dreibeinige Holzgestell steht noch, die Haltegurte hängen schlaff herab. Die toten Bäume werden ersetzt. Die Gartenbaufirma hat mit der Pflege auch eine Anwuchsgarantie für die ersten drei Jahre übernommen.

„Die Anwuchspflege wird mit ausgeschrieben“, bestätigt Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Jeder Auftragnehmer müsse letztlich abwägen, was günstiger sei: die Personalkosten der Pflege oder die Ersatzpflanzung für abgestorbene Bäume. Es gebe unterschiedliche Gründe dafür, dass einzelne Bäume nicht überleben. An der Südtrasse habe es an der Bewässerung gemangelt.

Der zuständige Fachdienstleiter Peter Kämmerling ergänzt: „Der Schluss, dass die Bäume aufgrund fehlender Bewässerung vertrocknet sind, ist fachlich falsch.“ Bei jeder Anpflanzung komme es vor, dass einige Pflanzen ausfallen. „Bei 200 gepflanzten Bäumen entsprechen zwei Bäume einer Mortalität von 1 %. Selbst bei einem Ausfall von 3 % gilt eine Pflanzung als abgenommen (...). Zwei vertrocknete Bäume bedeuten auch, dass 198 Bäume angegangen sind, womit bewiesen ist, dass die Bewässerung erfolgreich ist. Dass nicht angegangene Bäume ersetzt werden, ist ebenfalls der Standard.“

Rodgau pflanzt Bäume für ein besseres Stadtklima

Als kleinen Beitrag zum Klimaschutz hatte die Stadtverordnetenversammlung im September 2016 beschlossen, innerhalb von fünf Jahren 500 zusätzliche Bäume im bebauten Stadtgebiet zu pflanzen. Fünf der sieben Fraktionen stimmten dafür: SPD, Grüne, ZmB, FDP und Rodgauer Liste. Die CDU lehnte das Projekt vor allem wegen der hohen Kosten ab.

Der städtische Fachbereich „Grünflächen und Forst“ ging das Vorhaben gründlich an. Deshalb dauerte es auch mehr als ein Jahr, bis der Beschluss in die Tat umgesetzt wurde. Gartenbau-Sachverständiger Matthias Zorn (Usingen) und seine Mitarbeiter untersuchten jeden einzelnen Baumstandort und empfahlen standortgerechte, klimafeste Arten. Anfang 2018 wurden die ersten Bäume gepflanzt. Bis zum Herbst 2019 waren es 200 neue Stadtbäume, alle mit einem Stammumfang von mindestens 20 Zentimetern.

Verdorrt und abgesägt: Baumstandort am Finkenweg.

Pro Baum zwischen 1500 und 6700 Euro

Damit ein Baum im Straßenraum auf Dauer gedeihen kann, braucht er genügend Erde und Wasser. Der Stand der Technik erfordert eine Pflanzgrube von mindestens zwölf Kubikmetern sowie Belüftungs- und Bewässerungsrohre. Die Kosten pro Baum liegen zwischen 1 500 und 6 700 Euro, je nachdem, wie stark die Oberfläche versiegelt ist. Diese Beträge nannte der Magistrat vor drei Jahren.

„Derzeit arbeitet der Fachbereich an den nächsten 100 neuen Standorten für eine Pflanzung im Herbst 2020“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung an die Stadtverordneten. Dabei sollten „nun auch vermehrt versiegelte Flächen bearbeitet werden“. Geplant sei, unnötige Versiegelungen zu entfernen, zu kleine Baumscheiben aufzuweiten und mit Unterpflanzungen die biologische Vielfalt zu erhöhen. Als Beispiel nennt der Magistrat den neuen Pflanzstreifen entlang der Opelstraße in Dudenhofen.

Trockenheit schadet Stadtbäumen in Rodgau

Die anhaltende Trockenheit im Sommer macht sich auch im Programm „500 Bäume in fünf Jahren“ bemerkbar. Die Stadt schreibt nun 60 Prozent mehr Bewässerungen aus. „Da die langen Trockenzeiten weiterhin bestehen und eine Besserung nicht in Sicht scheint, wird das Wässern von Bäumen und Grünflächen auch an Altbeständen zunehmen“, warnen die Fachleute im Rathaus.

Auch die Stadtwerke seien im Hochsommer nicht in der Lage, alle Bäume zu bewässern, so Bürgermeister Hoffmann: „Bei dieser Witterungslage ist es einfach nicht mehr zu schaffen.“ Er appelliert deshalb an alle Bürger, den Stadtbäumen vor ihrem Haus ein paar Eimer Wasser zu gönnen. An einigen Stellen werde das seit Jahren vorbildlich praktiziert.

Um die Bäume besser zu versorgen, versucht es die Stadt zurzeit mit Wassersäcken. Sie werden am Stamm angebracht und geben das Gießwasser dosiert in die Erde ab. Aber auch sie müssen an heißen Tagen beinahe täglich nachgefüllt werden. Von Ekkehard Wolf

Update: Der Beitrag wurde um eine Stellungnahme von Peter Kämmerling ergänzt, der im Rathaus den Fachdienst 2 leitet.

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