Autos müssen vom Gehweg runter

Verkehrsversuch soll die Ortsdurchfahrt sicherer machen

Vorher und nachher: Seit die weißen Markierungen auf die Fahrbahn aufgemalt sind, parken die Autofahrer vorschriftsgemäß.
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Vorher und nachher: Seit die weißen Markierungen auf die Fahrbahn aufgemalt sind, parken die Autofahrer vorschriftsgemäß.

Für eine sicherere Ortsdurchfahrt in der Dudenhöfer Straße setzt die Stadt Jügesheim auf Einsicht statt Repression.

Jügesheim – Zugeparkte Gehwege und Hofeinfahrten sind an der Dudenhöfer Straße bald Vergangenheit. Als ersten Schritt eines Verkehrsversuchs hat die Stadt 22 Parkstände auf der Fahrbahn markiert. Der Erfolg: Selbst notorische Gehwegparker stellen ihre Autos nun brav auf der Fahrbahn ab.

An der gegenüberliegenden Straßenseite stehen nach wie vor Autos auf dem breiten Gehweg. Auch das ist nicht erlaubt und soll sich ändern. Erster Stadtrat Michael Schüßler kündigt an, dass die Parksünder demnächst mit einer Mitteilung unter dem Scheibenwischer ermahnt werden. Falls das nicht fruchte, müsse die Ordnungspolizei eben Knöllchen verteilen.

Schilder kommen in den nächsten Tagen

Schüßler setzt in erster Linie auf Einsicht statt auf Repression: „Wir wollen die Anwohner mitnehmen.“ Deshalb habe er alle Anlieger angeschrieben und ihnen erklärt, „was wir tun und warum wir es tun“. Knapp 100 Briefe seien in die Hausbriefkästen an der Ortsdurchfahrt gesteckt worden.

Betroffen ist nicht nur die Dudenhöfer Straße, sondern auch ein Teil der Ludwigstraße. Geordnetes Parken und Tempo 30 sollen eine umsichtige Fahrweise fördern. Auf drei Abschnitten der Ortsdurchfahrt ordnet die Stadt eine geringere Geschwindigkeit an, um die Unfallgefahr zu verringern. Die künftige Tempo-30-Strecke reicht vom Südring bis zur Bertolt-Brecht-Straße. Sie ist etwa 1250 Meter lang. Die Schilder werden in den nächsten Tagen aufgestellt.

11 Stellplätze weniger

Das Gesamtpaket gilt versuchsweise für ein Jahr. Die Erfahrungen aus diesem Verkehrsversuch sollen auch dazu beitragen, die Verkehrsbeziehungen an der sogenannten Triangel-Kreuzung zu hinterfragen. In der unübersichtlichen Kurve treffen fünf Straßen aufeinander. Eine Anwohnerinitiative klagt über die hohe Belastung durch den Autoverkehr.

Nicht erlaubt: Gehwegparker am südlichen Rand der Dudenhöfer Straße will die Stadt zunächst ermahnen. Knöllchen gibt es erst nach einer Übergangszeit.

Die neuen Parkmarkierungen auf der Dudenhöfer Straße sollen die Fußgänger schützen und den Straßenverkehr für die Fahrer übersichtlicher machen. Sie sind so angeordnet, dass auch Busse und Lastwagen bei Gegenverkehr ausweichen können. Dadurch fallen ein paar Stellplätze weg. Bisher standen dort bis zu 33 Autos, die meisten mit zwei Rädern auf dem Bürgersteig. Jetzt gibt es 22 eingezeichnete Parkbuchten.

Versuch soll ein Jahr dauern

„Das ist keine Maßnahme zulasten der Anwohner“, betont Verkehrsdezernent Schüßler: „Die Parkbuchten sollen gerade dafür sorgen, dass die Hofeinfahrten nicht mehr zugeparkt sind.“ Er hoffe, dass mehr Anwohner ihre Autos auf dem eigenen Grundstück abstellen. Dank Parkmarkierungen und Tempo 30 werde das Ein- und Ausfahren leichter und sicherer. Die Stadt wolle keinesfalls parkende Autos auf die Nebenstraßen verdrängen.

Durch die Coronakrise beginnt der Verkehrsversuch in einer Zeit, in der auf den Straßen so wenig los ist wie sonst nur zwischen Weihnachten und Neujahr. Der Erste Stadtrat sieht darin keinen Nachteil: „Die momentane Situation bietet die Gelegenheit, dass man sich daran gewöhnt.“ Das sei „vielleicht besser, als wenn man in der Rushhour damit anfängt“. Es sei sonnenklar, dass die aktuelle Verkehrsbelastung untypisch gering sei. Der Versuch sei aber auf ein Jahr angelegt. In diesem Zeitraum werde es sicher auch wieder belebtere Zeiten geben.

VON EKKEHARD WOLF

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