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Rodgau verschenkt Kitaplatz: Wunschbaum-Aktion stellt Gerechtigkeitsfrage

Rodgau hat tatsächlich einem Kind den Wunsch nach einem der äußerst knappen Kitaplätze erfüllt.
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Rodgau hat tatsächlich einem Kind den Wunsch nach einem der äußerst knappen Kitaplätze erfüllt.

Was viele Eltern nicht mal in den kühnsten Träumen zu hoffen wagen, ist bei der Aktion Wunschbaum von der Stadt Rodgau und dem Kinderschutzbund wahr geworden: Die Stadt hat tatsächlich einem Kind den Wunsch nach einem der äußerst knappen Kitaplätze erfüllt.

Rodgau – Bevor im Rodgauer Rathaus auch diverse andere Geschenke an Kinder übergeben wurden, erläuterte Bürgermeister Jürgen Hoffmann vor zahlreichen Eltern, wuseligen Kindern und Präsent-Spendern den ungewöhnlichen Entschluss. Sozialdezernent Michael Schüßler und er hätten sich schon Gedanken darüber gemacht, dass bei diesem speziellen Wunsch durchaus ein Widerstreit bestehe „zwischen der Gerechtigkeit gegenüber allen Eltern einerseits und unserer Zusage, Wünsche zu erfüllen, andererseits“. Man habe sich dann dafür entschieden, die Zusage einzuhalten. Das solle ein Signal dafür sein: „Wir tun, was wir können.“

Hoffmann verband seine Ausführungen mit der Bitte, dass bei der nächsten Wunschbaumaktion im Advent 2020 solche Wünsche nicht reihenweise geäußert werden sollten. Gemeint war wohl, dass es sich in diesem Jahr um die absolute Ausnahme gehandelt habe.

Die Stadt Rodgau hatte die Aktion Wunschbaum jetzt zum zweiten Mal zusammen mit dem Kinderschutzbund organisiert. Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren konnten während des Rodgauer Adventsmarktes einen Wunsch an den Wunschbaum hängen. Fast 100 Karten kamen zusammen. Die städtische Wirtschaftsförderung hatte dann Spender für der Geschenke organisiert.

Einige Wünsche konnten nicht berücksichtigt werden, da sich die Aktion ausdrücklich nur an Kinder bis zwölf Jahre richtete. Manche Wünsche überstiegen zudem das vorgegebene Budget von maximal 20 Euro Gegenwert. Weder ein Schulranzen, noch das heiß begehrte Eintracht-Trikot waren für diesen Preis zu haben. Dank einer Spende des Gewerbevereins Rodgau, der zehn Einkaufsgutscheine im Wert von je 15 Euro gestiftet hat, bekommen diese Kinder jedoch zumindest einen kleinen Grundstock für die Erfüllung ihrer Wünsche. Neben den klassischen Kinderwünschen wie Teddybär oder Modellauto landeten auch ein paar Karten am Baum, auf denen sich die Verfasser wünschten, dass ihre Freunde, Eltern oder Haustiere gesund bleiben sollen. Bei dem Empfang im Rathaus wurden die Überraschungen dann übergeben.

Verzweifelte Eltern auch in anderen Kommunen

Nicht nur in Rodgau fehlt es an Betreuungsplätzen, auch in anderen Kommunen suchen Eltern verzweifelt einen Kitaplatz, die Wartelisten sind lang. Besonders betroffen sind Dreieich und Langen. Die Vergabe der Betreuungsplätze unterliegt normalerweise strengen Richtlinien. Eltern, die leer ausgehen, können beim zuständigen Kreis dagegen klagen. Einer der Hauptgründe für den Mangel ist fehlendes Personal. Um die Kita-Situation zu verbessern, hat das Land Hessen im November mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) eine Vereinbarung zum Gute-Kita-Gesetz besiegelt. Demnach investiert das Land in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die Kinderbetreuung.

Kommentar: Kitaplatz in Rodgau als Geschenk: Guter Wille ohne Weitsicht

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