Traumstart für Online-Spendenlauf

Virtuelle Version des 24-Stunden-Projekts in Rodgau spült viel Geld in Kasse

Ohne Startschuss ist kein 24-Stunden-Lauf, was er schon immer war: Eine große Sache. Folgerichtig ließ es Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Samstag vor dem Rathaus krachen.
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Ohne Startschuss ist kein 24-Stunden-Lauf, was er schon immer war: Eine große Sache. Folgerichtig ließ es Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Samstag vor dem Rathaus krachen.

Einen Traumstart legte am Wochenende die Online-Variante des 24-Stunden-Laufs hin: Mehr als 60 .000 Euro Spenden wurden in Rodgau bis zum Nachmittag verbucht.

Rodgau– Co-Regisseur Lothar Mark erwartet noch weitere Eingänge. „Wir sind alle selig“, so Mark, „damit hat keiner gerechnet.“ Der Startschuss fällt – aber während der Knall von der Rathaus-Fassade widerhallt und sich der Pulverdampf von Jürgen Hoffmanns Platzpatrone träge verzieht, läuft niemand los. Beifall war dem Bürgermeister am Samstagmittag im Jügesheimer Ortskern trotzdem sicher. Schließlich ist das Ungewöhnliche unter Corona längst die Regel geworden, und immerhin setzte der Rathauschef mit dem Knalleffekt ein kreatives Experiment in Gang.

Dabei blieb der 24-Stunden-Lauf in seiner virtuellen Version im Kern das, was er immer war: Eine richtig große Sache. „Wir waren total überrascht“, gestand Christian Goldmann, Vorsitzender des Vereins Gemeinsam mit Behinderten, ein. Mit 23 Mannschaften und fünf Einzelläufern hatten sich fast ebenso viele Sportler gemeldet wie im Vorjahr. Besonders freute Goldmann die per Internet erhöhte Reichweite: Neben vielen Stamm-Teilnehmern, die sich von Covid nicht ausbremsen ließen und auf Kilometerjagd gingen, klinkten sich Unterstützer aus dem gesamten Kreis Offenbach und dem Main-Kinzig-Kreis ein.

Ermutigt hat das Organisationsteam mit den beiden Sprechern Matthias Ott und Marvin Kühne auch der früh einsetzende Spendenfluss: Schon vor dem offiziellen Start am Samstag um 12 Uhr waren 900 Euro in der Kasse. 30 000, ein knappes Drittel des Vorjahresertrags, hatten sich die Macher nach Worten von Lothar Mark vorab als Ziel gesetzt. Die Daumen drückte nicht zuletzt der Bürgermeister, der als Zentrale das Rathaus-Foyer zur Verfügung gestellt hatte. Dort ging es nach Goldmanns Worten schon vor Beginn des Spendenmarathons zu „wie bei der NASA“: Computerbildschirme überall, knappe Kommandos, konzentrierte Gesichter.

Raumfahrt-Niveau erreichte auch die Organisation. Nach einem minutiösen Ablaufschema wechselten auf der Website Life-Schaltungen, Musik-Einspielungen von lokalen Bands, Kurzreportagen eines Außenteams und Laufszenen miteinander ab. Allein zwölf Helfer hielten Kontakt zu den Laufgruppen, andere fütterten Life-Ticker mit Kilometerleistungen und Spendeneingängen.

IT-Manager Christoph Caps und sein Team bildeten zudem durchgehend die Challenge #24rodgau mit über hundert Einzelaktionen ab. Spendenkönige wurden laut Lothar Mark die JSK-Elfer, die mit ihren Bollerwagen 24 Ex-Prinzenpaare besuchten, dabei die Nacht zum Tag machten und am Sonntag – närrisch aufgerundet – 11 111 Euro ablieferten. Mark selbst erklomm 24 Mal die häusliche Kellertreppe. Beiträge dieser Art erschließen dem 24-Stunden-Lauf nach seinen Worten eine neue, viel größere Zielgruppe als bisher. Daher gebe es auch Überlegungen, die Veranstaltung künftig immer derart stattfinden zu lassen.

Auf persönlichen Kontakt zugunsten eines Online-Formats ganz zu verzichten, kommt für Goldmann zwar nicht in Frage: „Wir brauchen die Menschen, und das soll auch wieder so sein“. Das Netz aber erschließt laut Lothar Mark eine neue Dimension: Nach erster Auswertung der Zugriffe kamen 70 Prozent der Online-Besucher aus Hessen, 20 aus Nordrhein-Westfalen, zehn aus Rheinland-Pfalz sowie je vier Prozent aus Baden-Württemberg und Hamburg. (zrk)

Auch eine #24rodgau-Aktion: Die 24-Stunden-Lauf-Cocktails gab es diesmal mobil.

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