Wertstoffhof Rodgau

Coronakrise: Kunden überrennen den Wertstoffhof in Rodgau

Etwa 100 Autos bildeten am vergangenen Samstag im Industriegebiet Jügesheim eine Warteschlange vom Wertstoffhof bis fast zu Esquire-Lederwaren. Foto: p
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Etwa 100 Autos bildeten am vergangenen Samstag im Industriegebiet Jügesheim eine Warteschlange vom Wertstoffhof bis fast zu Esquire-Lederwaren. Foto: Bernhard Pelka

Die Kunden überrennen den städtischen Wertstoffhof. Der Grund: Die Coronakrise.

Rodgau – Da viele sich nicht an die Regeln halten und entweder vor Ort oder per Mail und WhatsApp im Rathaus obendrein üble Beschimpfungen („Idioten“) wegen langer Wartezeiten ablassen, ist Bürgermeister Jürgen Hoffmann entschlossen, notfalls die Reißleine zu ziehen. „Wenn das noch ein bisschen so weiter geht, machen wir zu“, kündigte er gestern an.

Das haben von den 13 Kommunen im Landkreis Offenbach inzwischen neun getan. Nicht immer wegen Pöbeleien – aber auch deshalb. Zum Beispiel Seligenstadt. Da Unvernunft und Unverschämtheit dort die Toleranzgrenze überschritten, hatte die Stadt Seligenstadt schon am 25. März den Wertstoffhof vorerst bis 19. April geschlossen.

Was ist in Rodgau das Problem? Wegen der Coronakrise haben offenbar viel mehr Menschen als sonst sehr viel Zeit, ihre Keller und Dachböden auszumisten. Entsprechend steigt die Menge an Müll für den Wertstoffhof. Aber: 90 Prozent des Mülls, der dort aktuell abgeladen wird, könnte auch in der Hausmülltonne landen, sagt Hoffmann. Auch solle man sich überlegen, ob es in der aktuellen Krise wirklich nötig ist, ausgerechnet jetzt „den alten Toaster wegzubringen“.

Auch führe kein Weg daran vorbei, dass wegen der einzuhaltenden Sicherheitsabstände lediglich ein einziges Fahrzeug zum Ausladen auf den Wertstoffhof fahren dürfe. Ebenfalls aus Sicherheitsgründen werde die Stadt nicht davon abrücken, dass entgegen früherer Gewohnheiten die Wertstoffhofmitarbeiter nicht mehr beim Ausladen helfen. Sehr viel Zeit gehe drauf, weil Anlieferer ihren Müll zuhause nicht vorsortieren, sondern damit erst auf dem Hof beginnen. Und manchmal versuchten sich Ortsfremde hineinzuschmuggeln – was dann bei der Kontrolle der Genehmigungspapiere (rosa Zettel) den ganzen Laden immens aufhalte. Das alles zusammen führe zu extrem langen Wartezeiten – und bedauerlicherweise auch zu vielen unnötigen und hässlichen Diskussionen. Vergangenen Samstag reichte die Schlange von etwa 100 Autos (oft mit laufendem Motor) vom Wertstoffhof um die Ecke bis zur Moschee und zeitweise bis Esquire-Lederwaren. Schon vergangenen Donnerstag waren etwa 15 Kunden abgewiesen worden, weil die Öffnungszeit abgelaufen war. Inzwischen sind die Wertstoffhofmitarbeiter dazu übergegangen, Wartende darauf hinzuweisen, dass sie möglicherweise nicht mehr dran kommen und deshalb besser heim fahren. Das soll weiteren Frust vermeiden.

Bürgermeister Hoffmann und der Erste Stadtrat Michael Schüßler appellieren an die Vernunft der Kunden. Den Wertstoffhof nicht zu schließen – wie andere Kommunen das schon getan hätten – sei ein Versuch der Stadt, „wenigstens ein bisschen Normalität aufrecht zu erhalten“. Dass daraus jetzt ein Problem werde, sei äußerst bedauerlich. Zuletzt waren die Öffnungszeiten sogar verlängert worden, um den Andrang abzufedern.

Mit der Metzgerei Ricker wechselt eins der traditionsreichsten Familienunternehmen in Rodgau den Besitzer.

Von Bernhard Pelka

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