Fatale Klassenfahrt

Wespenstich falsch behandelt: Lehrer müssen Geldstrafen zahlen  

Nieder-Roden - Mit Geldstrafen endete vor dem Amtsgericht Cochem der Prozess gegen zwei Lehrer, die einen Schüler wegen eines Wespenstichs falsch behandelt hatten. Das Gericht wertet dies als gefährliche Körperverletzung.

Statt zum Höhepunkt im Schuljahr wurde die Fahrt einer achten Klasse der Heinrich-Böll-Schule im Rodgauer Stadtteil Nieder-Roden für einen Schüler und die zwei Begleitlehrer zum Fiasko. In der Jugendherberge in Zell an der Mosel behandelten die Pädagogen den Jugendlichen im Mai 2017 nach einem Wespenstich falsch. Der Aushilfslehrer wählte dabei eine äußerst rabiate Methode: Er erhitzte den Griff einer Gabel mit einem Feuerzeug und brannte den Stich an der rechten Hand quasi aus. Es bildete sich eine große Brandblase. Die Kollegin des Aushilfslehrers öffnete die Blase, cremte sie ein und verband die Hand schließlich. Die Wunde entzündete sich. Die Lehrer gingen mit ihrem Patienten nicht zum Arzt. Auch informierten sie nicht die Eltern des jungen Mannes. Er selbst konnte nicht zuhause anrufen. Auf der Klassenfahrt herrschte Handyverbot.

Das Gericht wertete den dilettantischen Behandlungsversuch des Aushilfslehrers als gefährliche Körperverletzung in einem minderschweren Fall und brummte dem Mann eine Geldstrafe von 2700 Euro auf. Seine Kollegin machte sich der Beihilfe und der Körperverletzung (Aufstechen der Brandblase) schuldig: 2500 Euro Geldstrafe. Die Richter blieben mit dem Strafmaß so gerade noch unterhalb der Grenze, ab der die Verurteilten als vorbestraft gegolten hätten. Überdies kam das Gericht zu dem Schluss, es lägen keine Amtsdelikte vor – die Lehrer hätten also ihre berufliche Position nicht ausgenutzt, um die Straftat zu begehen. Auch das mag zur Einschätzung beigetragen haben, dass es sich um einen minderschweren Fall handele.

Im Prozess entschuldigten sich die Pädagogen ausdrücklich. Nebenkläger war die Familie des Jungen. Sie vertrat Rechtsanwalt Karl Kühne-Geiling aus Dietzenbach. Er berichtete, sein Mandant habe Verbrennungen zweiten und dritten Grades und damit große Schmerzen erlitten. Der junge Mann habe ein halbes Jahr einen Schutzhandschuh tragen müssen. Ein Praktikum in einer Schreinerei habe er nicht antreten können. Der Schüler habe einen Eispack auf den Stich legen wollen und sei dann von dem Aushilfslehrer dazu überredet worden, die Blessur mit Hitze zu behandeln.

Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

Ein Gutachter sagte aus, bei der Wärmebehandlung von Insektenstichen dürfe eine Temperatur von 51 Grad nicht überschritten werden. Entsprechende Geräte, die es in Apotheken zu kaufen gebe, dürften nicht länger als sechs Sekunden (bei Kindern drei) auf den Stich gedrückt werden. Eine Feuerzeugflamme werde aber bis zu 1300 Grad heiß. Die Familie des Jungen klagt nun am Landgericht Koblenz auf Zahlung von Schmerzensgeld. (bp)

Rubriklistenbild: © dpa

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