Grüne loben Rodgau West über den grünen Klee

Rodgauer Neubaugebiet so öko wie noch nie

Die Grünen hoffen darauf, dass Rodgauer auch aufs Lastenfahrrad umsteigen. Unser Archivfoto zeigt den damaligen Pflegepapa Dr. Patrick Schäfer im Einsatz.
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Die Grünen hoffen darauf, dass Rodgauer auch aufs Lastenfahrrad umsteigen. Unser Archivfoto zeigt den damaligen Pflegepapa Dr. Patrick Schäfer im Einsatz.

Während CDU und Junge Union Nachbesserungsbedarf sehen bei der Planung des Neubaugebiets Rodgau West (46 Hektar zwischen Jügesheim und Hainhausen) brechen die Grünen in einer Pressemitteilung eine Lanze für die besondere Konzeption. Das viel diskutierte Baugebiet werde das erste überhaupt im Kreis Offenbach, „das sich den Anforderungen der Zukunft stellt“.

Rodgau - Die Christdemokraten hatten angeführt, es sei ein Fehler, bis zu 4,5-geschossige Häuser und bis zu 60 Wohneinheiten pro Hektar zuzulassen. Diese krasse Verdichtung widerspreche einem Beschluss im Bauausschuss, der sich auf maximal 3,5 Geschosse festgelegt habe. Auch fehle ein Verkehrskonzept fehle.

In diesem Zusammenhang sei fraglich, ob die Annahme, dass die Bewohner dereinst tatsächlich auch auf Lastenfahrräder umsteigen und schön brav die S-Bahn nutzen statt den eigenen Pkw, wirklich eintreffe. Dasselbe gelte für die geplanten Quartiersgaragen, die teils in deutlicher Entfernung zu den Wohnungen lägen.

Die Grünen verteidigen die Verdichtung hingegen: Es bestehe „ein hoher Bedarf an Wohnungen“. Die damit einhergehende Verknappung führe zu deutlich steigenden Wohnungsmieten. „Wer hier gegensteuern und außerdem begrenzte Flächenressourcen effektiv nutzen will, kommt nicht umhin, sich nach den Dichtewerten der regionalen Flächenplanungen zu richten.“ Das Gebot der Stunde sei daher ein maßvoller Geschosswohnungsbau mit variablen Wohnungsangeboten sowohl für Familien als auch Einzelhaushalte.

Die Geschosshöhe lasse sich reduzieren, wenn die Anzahl der Einfamilienhäuser verringert werde, „denn diese haben auf die Person bezogen einen höheren Flächenverbrauch.“ Die aktuelle Bauentwicklung und die daraus erkennbare Nachfrage zeige auch deutlich, dass Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sehr gesucht seien.

Zukunftsweisend sei das Neubaugebiet noch aus einem anderen Grund: Im Zuge des hessischen Modellprojektes „Modellkommune Plus Energie Siedlung“ sei für das Areal eine dezentrale, nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung mit niedrigen Energiekosten vorgesehen.

Neues Wohngebiet soll mehr Energie erzeugen als dort verbraucht wird

„Angestrebt wird, dass innerhalb eines Jahres mehr erneuerbare Energie erzeugt als verbraucht wird. Rodgau West wird deshalb ein Baugebiet, mit überwiegend großen Mehrfamilienhäusern. Aufgrund der Nähe zu zwei S-Bahn-Stationen ist es möglich, attraktiven Fuß- und Radwegeverbindungen den Vorzug zu geben und damit im neuen Quartier eine zukunftsweisende Aufenthaltsqualität zu schaffen.“

Warum sollen Pkw nicht den Vorrang haben? Zur Begründung dessen zitieren die Grünen zitieren eine Studie, die das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben hatte: „Ein durchschnittlicher Pkw ist an einem mittleren Tag etwa eine Dreiviertelstunde in Betrieb. Dies entspricht circa drei Prozent der 24 Stunden eines Tages. Das bedeutet, dass Pkw fast immer stehen – und dies im Mittel zu über 20 Stunden pro Tag zuhause.“

Wenn man nun noch einbeziehe, „dass die Garage als eigentlicher Platz für das Auto üblicherweise mit Hobbysportgeräten belegt wird, wird offensichtlich, dass Quartiersgaragen den Wohnkomfort des Stadtviertels deutlich verbessern und den Straßenraum für die Menschen frei machen“.

Wer Verkehrsprobleme nicht erzeugen, sondern lösen wolle, werde jede Möglichkeit nutzen müssen, um den tatsächlichen Verkehr zu verringern, meint die Ökopartei in ihrer ausführlichen Stellungnahme. Hierzu gehöre in erster Linie der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, aber auch Car-Sharing und Homeoffice könnten wichtige Beiträge leisten. Dazu gehöre auch, dass vor Ort die Unabhängigkeit vom eigenen Auto gefördert werde.  (bp)

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