Wohnen auf dem Kindergarten

Richtfest am Luise-Hensel-Weg: Eröffnung im Sommer 2021

Kompakt und doch nicht klotzig: An der neuen Kita mit bewohnbaren Aufbauten in Hainhausen-West wurde am Freitag Richtfest gefeiert.
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Kompakt und doch nicht klotzig: An der neuen Kita mit bewohnbaren Aufbauten in Hainhausen-West wurde am Freitag Richtfest gefeiert.

Trotz Corona im Zeitplan, trotz Bauboom bislang ganze acht Prozent Kostensteigerung – auf der Kita-Baustelle am Luise-Hensel-Weg im Neubaugebiet Hainhausen-West gab es am Freitag einiges zu feiern. Vor dem Hintergrund einer erfolgreichen Zwischenbilanz konnte sich Erster Stadtrat Michael Schüßler auch selbstkritische Töne leisten: Künftig, versprach er beim Richtfest, werde die Stadt bei allem Wohnbau-Eifer mehr auf die Infrastruktur schauen.

Rodgau – Den vor einem knappen Jahr begonnenen Doppelneubau in Hainhausen und Weiskirchen nannte Schüßler in seiner Ansprache vor über 20 Festgästen in diesem Zusammenhang beispielhaft. Wenn die Eröffnung im Sommer kommenden Jahres planmäßig klappt, steht nach seinen Worten am Luise-Hensel-Weg und an der Hauptstraße in den baugleichen Komplexen Platz für acht neue Kita-Gruppen zur Verfügung. Stadtweit sind laut Schüßler aktuell Um- und Neubauten für 18 Gruppen mit 320 Betreuungsplätzen in Arbeit, um den Bedarf zu decken und für weiteres Wachstum der Wohngebiete gerüstet zu sein.

Dass der Entwurf der Architekten Fritsch und Birli aus Griesheim gleich zweimal auf städtischem Grund und Boden umgesetzt werden kann, nannte der Stadtrat einen Glücksfall, der auch Kosten spare. Mit 6,7 Millionen Euro, so die aktuelle Kalkulation nach geschätzten 6,2 Millionen im Sommer 2018, bekomme die Kommune die Kita in Hainhausen-West plus zehn günstig vermietbare Wohneinheiten in den oberen Geschossen zu einem „ordentlichen Preis“. Mitten im Wohngebiet, damit denkbar nah an den künftigen Nutzern, werde die Stadt vom nächsten Sommer an auf 750 Quadratmetern Nutzfläche je zwei Ü 3- und U 3-Gruppen anbieten.

Laut Planer Hans Birli sind die Räume im Erdgeschoss so angelegt, dass die Aufteilung verändert werden kann. Später sei auch eine „bürgerschaftliche Nutzung“, etwa als Seniorentreff oder Stadtteilzentrum, denkbar.

Nicht gelten lassen will der Erste Stadtrat vereinzelt laut gewordene Kritik, wonach die zweijährige Bauzeit bei einem weniger anspruchsvollen Entwurf deutlich kürzer hätte ausfallen können. Das Konzept der Architekten sei auch städtebaulich sehr ansprechend und passe sowohl in Hainhausen als auch in Weiskirchen gut in die Umgebung, betonte Schüßler. In drei getrennten, auf das Erdgeschoss aufgesetzten Baukörpern biete das Objekt mit 572 Quadratmetern Wohnfläche einen hohen Nutzwert, ohne dabei klotzig zu wirken. Das begrünte Kita-Dach wirke als erhöhte Grünfläche für die zwischen 50 und 75 Quadratmeter großen Wohnungen mit einem bis drei Zimmern und halte die ebenerdige Freifläche auf dem knapp 1 800 Quadratmeter großen Grundstück für die Außenanlage der Kita sowie Parkplätze frei.

Besonderes Flair gewinnt der Neubau aus Sicht der Rathausspitze, die mit Schüßler, Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Sozialdezernent Winno Sahm vollzählig beim Richtfest war, durch die Wege zwischen den drei Wohn-Aufbauten. Erreichbar über zwei Treppenhäuser und einen Aufzug, sind sie sowohl mit Wegen durchs Dachgrün als auch mit brückenartigen Terrassen verbunden. Die Dächer haben die Architekten in unterschiedlichen Winkeln abgeschrägt und eine gebirgsähnliche Sichtlinie geschaffen.

Nicht zuletzt freut die Kommunalpolitiker die umwelt- und klimafreundliche Ausführung. Das komplette Gebäude bekommt einen Vollwärmeschutz mit einheitlicher Außenhaut aus Metall. Im Keller, der ansonsten auch Abstellräume für die Mieter und Fahrrad-Stellplätze bietet, arbeitet eine Heizanlage mit Luft-Wärmepumpe. Und nicht zuletzt wird laut Stefan Flasche, Fachbereichsleiter im Rathaus, auf dem mittleren Wohnbau eine Photovoltaik-Anlage installiert. (zrk)

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