Kunstblut

Youtuber beeindruckt: Neunte Klasse der Geschwister-Scholl-Schule gewinnt 500 Euro

Jugendliche gewinnen mit Film beim Young-Clip-Award (Symbolbild).
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Jugendliche gewinnen mit Film beim Young-Clip-Award (Symbolbild).

In Rodgau ging die 9aG der Geschwister-Scholl-Schule unter die Filmemacher. Das Ergebnis war preisverdächtig.

Rodgau - „Hallo, Maul halten! Klappe, die erste. “ Über Wochen gehörte diese derbe Anweisung zum Religionsunterricht an der Geschwister-Scholl-Schule. Die 9aG war unter die Filmemacher gegangen und hantierte mit Mikrofonen und Lichtstativen sowie Regieanweisungen mit klaren Worten.

Die Jugendlichen hatten einen Film beim Young-Clip-Award der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eingereicht. Ihr Video „Vom Gemobbten zum Mobber“ (auf Youtube unter gleichnamigen Titel zu finden) überzeugte die Jury. Sie hatte die Schülerinnen und Schüler zu Monatsgewinnern gekürt und zum Schluss des Projekts der ganzen Klasse den „Spirit-Award“ mit einem Preisgeld von 500 Euro verliehen.

Unter der Leitung ihres Religionslehrers, des Nieder-Rodener Pfarrers Benjamin Graf, hat die Klasse exemplarisch dargestellt, dass jedes Verhalten auch Ursachen hat: In ihrem Wettbewerbsbeitrag zeigen die Jugendlichen, wie ein Vater seine beiden Kinder ungleich behandelt. Der Sohn muss sich anhören, er sei „die fünf Minuten mit seiner Frau nicht wert gewesen“, als er eine Mathearbeit mit Note 5 nach Hause bringt. Die Tochter bekommt Verständnis und keinen Ärger, als sie eine Sechs beichtet.

Dem Sohn gibt der Vater auch die Schuld am tödlichen Unfall seiner Frau. Der gibt die Aggressionen des Vaters an schwächere Mitschüler weiter. Am Ende erkennt der Vater zum Glück, dass er seinen Sohn in seiner Trauer zu Unrecht schlecht behandelt hat und spricht ihn von der Schuld los.

Aus allen Monatsgewinnern wählte eine Jury mit bekannten Youtubern die besten acht aus und belohnte deren Engagement mit Preisen. „Eigentlich sollte es ein nach über einem Jahr Young-Clip-Award mit monatlichen Themen ein Abschluss-Wochenende mit Workshops und Gala-Dinner geben“, erzählt Benjamin Graf. Aber auch dabei kam durch Corona alles anders: „Stattdessen gab es eine Zoom-Konferenz mit vorher zugesandtem Popcorn, Brause und Picknickdecke. „Eine weitere schöne Anerkennung für die Begeisterung, mit der die Klasse bei der Sache war.“

Am Video aus Rodgau gefiel den Juroren neben der sprichwörtlich „filmreifen“ Gestaltung mit Kunstblut und einem in Szene gesetzten Autounfall vor allem die inhaltliche Komponente: nämlich die Auseinandersetzung mit den tiefer liegenden Ursachen von Mobbing und die Perspektive der Versöhnung. Auch dass so viele Beteiligte dabei waren und offenkundig viel Spaß hatten, überzeugte die Experten.

Wofür die Klasse das Geld verwenden will, wird Pfarrer Graf voraussichtlich erst im neuen Schuljahr klären können.  lö

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