Bürgermeister tritt 2021 nicht mehr an

Jürgen Hoffmann verzichtet auf dritte Amtszeit in Rodgau

Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann
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Bürgermeister Jürgen Hoffmann hat sich dazu entschieden, für eine dritte Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Er freut sich auf den Endspurt bis Juni 2022.

Der Rodgauer Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) tritt zur nächsten Wahl im September 2021 nicht wieder an. Seine Dienstzeit als Rathaus-Chef endet somit am 9. Juni 2022.

Rodgau ‒ Mit einem deutlichen Wahlsieg ging Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) 2016 in seine zweite Amtszeit. 69,2 Prozent der Wähler hatten sich für ihn entschieden. Das könnte Mut machen für eine dritte Amtsperiode. Zu der wird es aber nicht kommen. Der 59-Jährige verzichtet auf eine dritte Amtszeit.

Wann fiel die Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren?
Mit Ablauf meiner zweiten Amtszeit werde ich zwölf Jahre in diesem Amt gewesen sein. Mit Blick auf meine drei vorhergehenden beruflichen Stationen wird deutlich, dass auch diese sich stets in einem Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren bewegt haben. Damit bedurfte es für mich keines konkreten Zeitpunktes für eine Entscheidung. Ich folge tatsächlich einfach der Logik meines Lebens.
Gibt es einen anderen Job?
Nein, den gibt es nicht.
Was sind dann die Motive, aufzuhören und: Wie sieht die Zukunft aus?
Wie bereits gesagt, gibt es hier keine konkreten Motive. Allerdings ist es schon so, dass ich meine Kraft sehr intensiv und konzentriert auf diese beiden Amtszeiten zu 100 Prozent eingesetzt habe. Das ist der Anspruch, den Bürgerinnen und Bürger haben können und den ich auch an mich selbst habe. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Gesundheit und Zeit für die Familie und auch für mich selbst. Vielleicht kann ich das dann als Motiv umschreiben: Der Anspruch an mich selbst und mein Wunsch für die Zukunft beginnen allmählich auseinander zu laufen.
Warum ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich gegen einen dritte Amtszeit zu entscheiden?
Das Amt kostete Kraft und Energie, und unter 100 Prozent mache ich es nicht.
Was waren Ihr größter Erfolg, was war die größte Niederlage?
Mein Ziel ab 2010 war „Damit es voran geht“ und es geht „voran“. „Voran gehen“ heißt für mich, Veränderungsprozesse anzustoßen und umzusetzen. Und das ist mir gelungen. Dazu braucht es Viele: Rodgauerinnen und Rodgauer, die Politik und die Verwaltung. Überall habe ich mit tollen Menschen viel bewegen dürfen. Das ist der eigentliche Erfolg, der Erfolg von sehr Vielen! Als Niederlage verspüre ich immer, wenn es mir nicht gelingt, Menschen mitzunehmen und Kompromisse zu finden, wie etwa bei der Einzelhandelsentwicklung in Jügesheim.
Was hätten Sie gerne noch zu Ende gebracht, was packen Sie nicht mehr, bis Sie letztlich aufhören?
Mein Handeln war nie an meinen Wahlzeiten ausgerichtet. Klar freue ich mich über abgeschlossene Projekte. Um die geht es mir aber letztlich nicht. Generationengerechtigkeit über Generationen, das ist meine Grundidee. Dazu gehört nun mal auch die finanziell positive Entwicklung. Und diese haben die politischen Kräfte in unserer Stadt mit dem Ausgleich der Generationenwaage – beispielsweise durch Zuzug insbesondere von jüngeren Menschen – geschafft. Darum geht es!
Wie sollte Rodgau weitermachen, damit es voran geht?
Aus meiner Sicht könnte Rodgau diesen Weg weitergehen, ohne sich neu erfinden zu müssen. Er muss dabei natürlich nicht stoisch eingehalten werden, sondern ist flexibel zu gestalten. Nur die Richtung sollte bleiben. Jede andere Äußerung oder gar Vorgabe an dieser Stelle wäre anmaßend von mir, denn künftige Generationen müssen immer die Freiheit haben, auf äußere Einflüsse zu reagieren und zu gestalten.
Haben Sie sich manchmal zerrissen gefühlt von den vielen Interessen, die an einem Rathaus-Chef zerren?
Jeder Entscheidungsvorschlag und jede Entscheidung muss abgewogen werden und zwar am besten schnell. Hier half mir sehr oft die kollegiale Beratung mit den beiden Dezernenten und den Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung und den Stadtwerken. Jede Entscheidung, sei sie vermeintlich auch noch so einfach und klein, hat Einfluss auf andere. Im Ergebnis haben mir dann die Mittel der Kommunikation geholfen, das Gefühl von Zerrissenheit sehr oft zu vermeiden. Dort wo es nicht geklappt hat, war es wirklich sehr belastend.
An was, hoffen Sie, erinnern sich die Rodgauer, wenn Sie an ihren ehemaligen Bürgermeister Jürgen Hoffmann denken?
Da will ich nichts hoffen, das bleibt jeder und jedem selbst überlassen.
Haben Sie in Ihrer Amtszeit mehr Freunde oder mehr Menschen gefunden, die Sie ablehnen?
Also wenn man Freunde sucht, sollte man dieses Amt nicht antreten. Es gibt wenige, ganz wenige, die ich als solche sehen darf. Wenn Sie damit eher Befürworter oder Ablehner meinen – diese Frage beantworten ausschließlich Wahlergebnisse.

Das Interview führte Bernhard Pelka

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