Zwangloses Tafeln im Park

Frauennetzwerk hat mit viertem „Dinner en blanc“ viel Erfolg

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Entspannt, inspirierend und kommunikativ: Auch dieses Jahr verzeichnete das Rodgauer Frauennetzwerk wieder lebhaften Zulauf an seiner weißen Tafel im geheimer Rodau-Park.

Jügesheim - Was an der Seine funktioniert, geht auch an der Rodau. Zum vierten Mal bat das Rodgauer Frauennetzwerk am Sonntag zum „Diner en blanc“ und sah sich neuerlich zur Fortsetzung ermutigt: Zeitweise speisten, erzählten, lachten und genossen bis zu 150 Gäste an den weiß gedeckten Tischen im Jügesheimer Rodau-Park.

Sybille Stallmann-Beseler ist begeistert von der Resonanz, die das aus Frankreich importierte Angebot auch diesmal gefunden hat. „Unglaublich entspannt und nett“ sei es vom späten Vormittag an zugegangen, sagt die Sprecherin des Vereins Frauen treffen Frauen, der mit anderen Rodgauer Institutionen hinter der Aktion steht. „Man tauscht sich aus, knüpft Kontakte, verabredet sich vielleicht schon fürs nächste Jahr“. Nicht nur verbal habe an den drei langen Tischreihen reger Austausch geherrscht: Zwanglos hätten die Tafelgäste ihre mitgebrachten Leckereien hin und her gereicht – ganz so wie an der ursprünglichen Weißen Tafel in Paris. Da werde nach Herzenslust getauscht, probiert und genascht – „hungrig muss hier niemand nach Hause gehen“.

Frankreichs Hauptstadt verdanken die Rodgauer Frauen die Inspiration, die inzwischen überall in Europa Wirkung zeigt. Im Ursprung ist die weiße Tafel eine Spontanaktion: Üblicherweise in weiß gekleidet versammeln sich die Teilnehmer auf öffentlichen Plätzen und bevorzugt an besonderen Orten zum Essen mit Picknick-Charakter. Die Speisen, Geschirr, Besteck und alle erforderlichen Utensilien bis hin zur Serviette bringen sie selbst mit und setzen ihren Ehrgeiz daran, nach Ende der Veranstaltung keinerlei Spuren zu hinterlassen.

Erstmals selbst erlebt hat Sibylle Stallmann-Beseler ein solches Ereignis vor Jahren in Offenbach und nach eigenen Worten sofort an eine Rodgauer Variante gedacht. Begeisterte Mitstreiterinnen fand sie nicht nur bei ihrem Frauentreff. Über das Frauen-Netzwerk sind unter anderem das Mütterzentrum Frauenzimmer, die Kulturinitiative Maximal, die Rodgauer Flüchtlingshelfer, die Frauenorganisationen von SPD und CDU, die Frauen im Ausländerbeirat und nicht zuletzt die städtische Gleichberechtigungsstelle mit engagiert. Das Publikum in Jügesheim ist ebenso international wie das Konzept und war auch dieses Jahr keineswegs ausschließlich weiblich.

„Weißes Dinner“ im Heusenstammer Schlossgarten: Bilder

Von der Kommune werde die Initiative vorbildlich unterstützt, freut sich Stallmann-Beseler. So sorge die Gleichstellungsbeauftragte Vanessa Leopoldsberger stets dafür, dass Tische und Bänke rechtzeitig stehen – „wir müssen nur noch dekorieren“, natürlich in Weiß. Die Kleiderordnung für die Gäste wird liberal gehandhabt: „Weiße Kleidung ist schön, Platz nehmen darf aber jeder“, sagt Stallmann-Beseler. Übrigens nicht nur an den Tischen: Vor allem Familien mit Kindern lassen sich gern zum Picknick mit Decke auf der Wiese im Rodau-Park nieder. Diesmal wurde sogar ein Kindergeburtstag beim „Diner en blanc“ gefeiert. Musikalisch schlugen Joachim Grote und Uli Biebel die Brücke nach Paris: Mit Violine und Gitarre intonierten die beiden Musiker aus dem Ensemble „Terra Musicale“ Chansons und traditionelle französische Lieder.

Gegen eine fünfte Auflage im kommenden Jahr spricht aus Sicht der Organisatorinnen nichts. Ganz im Gegenteil: Die Weiße Tafel biete eine ausgezeichnete Gelegenheit, das Frauennetzwerk bekannter zu machen, über seine Ziele zu informieren und weitere Organisationen in Rodgau für eine Mitarbeit zu gewinnen, sagt Stallmann-Beseler. (zrk)

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