18 Monate im Fokus vieler Kameras

Rodgauer Verein ist Hauptdarsteller eines Dokumentarfilms

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Um die besondere Atmosphäre beim 24-Stunden-Lauf einzufangen, ließ das Filmteam eine Kameradrohne steigen.

Rodgau - Die Offenbacher Autorin Alicia-Eva Rost hat einen 30 Minuten langen Dokumentarfilm über Gemeinsam mit Behinderten gedreht. Sie und ihr Team waren 18 Monate lang immer wieder bei Megaevents wie dem 24-Stunden-Lauf und dem Alltag in den Gruppen oder im Haus Emmanuel dabei. Von Michael Löw

Alicia-Eva Rost konzipiert und realisiert normalerweise Werbefilme für Großunterunternehmen wie den Flughafenbetreiber Fraport oder einflussreiche Verbände wie Hessen-Metall. Am Mittwoch, 16. Mai (20 Uhr, Saalbau-Kino Jügesheim) hat ein einfühlsames Porträt des Vereins Gemeinsam mit Behinderten (GmB) Premiere. Wie kam's? GmB sucht schon seit Jahren nach einer kreativen Möglichkeit, um seine vielfältige Arbeit potenziellen Sponsoren vorzustellen, erklärt Vorsitzender Christian Goldmann. Und seine Stellvertreterin Tanja Jakoby hat schon seit Jahren Kontakt zu der Offenbacher Filmemacherin Alicia-Eva Rost und ihrer Produktionsfirma „InZwischenZeit:Filme“. „Es hat mich gereizt, Behindertenarbeit dokumentarisch zu begleiten“, schildert die ihren Einstieg in ein Projekt, das 18 Monate und 95 Stunden reine Drehzeit dauerte.

Der Film, der am Mittwoch erstmals aufgeführt wird, porträtiert nicht nur die großen Projekte des Vereins und ihre Macher, sondern auch die unspektakulären Aspekte der Rodgauer Behindertenarbeit: Diese drei Mädels aus der Sportgruppe chillen nach der Übungsstunde im Grünen.

Für Alicia-Eva Rost und ihr Team war"s ein neues Arbeiten. Mit Behinderten kann man die Bilder nicht so planen wie für einen Imagefilm, lautete ihre erste Erkenntnis: „Also sind wir einfach mit der Kamera mitgegangen und haben situativ gedreht.“ Die behinderten Hauptpersonen hatten sich schnell an ihre Begleiter gewöhnt. Für Christian Goldmann und seine Stellvertreterinnen Jutta Groha und Tanja Jakoby war"s komplizierter. Ihre Interviews wurden ohne Vorbereitung gedreht: Kamera an, Fragen beantworten. „Da hat man sich schon mal verhaspelt“, bekennt Goldmann. Aber das zeugt von Authenzität. Und die Autorin spürte dank ihrer spontanen Fragen „die riesige Energie und Freude des ehrenamtlichen Vorstandsteams“.

Alicia-Eva Rost ging das GmB-Projekt trotz eher symbolischem Honorar an wie die gut bezahlten Werbefilme. Ihr Team drehte mit Drohnen und einer Unterwasserkamera und benutzte fast nur Geräte, die mit Akkus liefen. Das vermied Kabelsalat, der den behinderten Darstellern das Leben unnötig schwer gemacht hätte. Hinter einer Minute fertigem Film stecken übrigens 100 Minuten Arbeit.

Zwei Begegnungen haben sich Alicia-Eva Rost besonders eingeprägt. „Hey, dich kenne ich doch!“, rief eine Blinde, als das Kamerateam ins Wohnheim Haus Emmanuel nach Jügesheim kam. Die Frau hatte Alicia-Eva Rosts Stimme Wochen vorher beim 24-Stunden-Lauf gehört und auf Dauer abgespeichert - das fehlende Augenlicht spielte bei der nächsten Begegnung keine Rolle.

Skifahren klappt auch mit Behinderung

Noch stärker berührt hat sie ein kleiner Junge, den sie am Anfang des Projektes in der Spielgruppe kennenlernte. Er lag in einer Hängeschaukel und konnte sich so gut wie nicht bewegen. Ein Jahr später stieg das Kind mit Hilfe von Betreuer Christian Guckes aus dem Rollstuhl und stieg eine Treppe hinauf. „Das hat zwar fast eine Viertelstunde gedauert. Aber Christian hat ihn nicht einfach auf den Arm genommen, sondern ihm Stufe für Stufe und Schritt für Schritt Mut zugeredet“, ist Alicia-Eva Rost immer noch beeindruckt von der Beharrlichkeit beider Darsteller.

Der GmB-Film wird am Mittwoch vor allem Mitwirkenden, Vereinsmitgliedern und Sponsoren gezeigt. Nach der Premiere wird er für alle ins Netz gestellt.

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