Gastronomie sucht in der Aktion „Genießt Lokal“ den Schulterschluss

Rodgauer Wirte zittern vor neuen Auflagen

Im Biergarten-Zelt von „Döbert’s Wirtshaus“ in Dudenhofen fand das jüngste Treffen von „Genießt Lokal“ statt.  
 
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Im Biergarten-Zelt von „Döbert’s Wirtshaus“ in Dudenhofen fand das jüngste Treffen von „Genießt Lokal“ statt.  

Kanzlerin Merkel plant einen Teil-Lockdown mit zeitlich befristeter Schließung der Gastronomie. Dabei haben Wirte schon zu kämpfen genug. Das wurde beim jüngsten Treffen der Rodgauer Interessengemeinschaft „Genießt Lokal“ deutlich. Im Sommer hatten über 15 Gastronomen mit Unterstützung des Gewerbevereins und der städtischen Wirtschaftsförderung die Aktion „Genießt Lokal“ gestartet.

Rodgau – „Wenn es etwas Positives an Corona gibt, dann dass man mal alle Gastronomen an einen Tisch gebracht hat“, sagte Jürgen Herr, Chef des Jügesheimer Lokals „Journal“, bei dem Treffen. Wobei das mit dem alle an einen Tisch bringen in Zeiten von Corona nur symbolisch gemeint war. Herr ist gemeinsam mit Oliver Döbert von „Döbert’s Wirtshaus“ in Dudenhofen Sprecher der Gruppe. Die wurde gegründet, um sich während der Pandemie mit ihren vielfältigen Herausforderungen für die Gastronomie auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und um die Aufmerksamkeit stärker auf lokale gastronomische Aktivitäten zu lenken.

„Es ist schön, dass die Gastronomen zusammenhalten und an einem Strang ziehen“, so Oliver Döbert. Bardo Neuhäusel von der städtischen Wirtschaftsförderung ergänzte: „Es geht um den Schulterschluss und dass man zusammen steht.“ Mit dabei war an dem Abend auch Annerose Steiger vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), die als kompetente Ansprechpartnerin mit Blick auf sich ständig ändernde Verordnungen zur Verfügung stand. Fragen zur Sperrstunde, Hygieneregeln, Kontaktlisten oder der Anschaffung von Heizpilzen waren Themen.

Dass die Situation zum Teil sehr schwierig ist, wurde deutlich. Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer: „Die Sommersaison war für uns super“, sagte etwa Markus Werner vom „Mauds“ im Bahnhof Nieder-Roden, der seinen Freiluft-Bewirtungsbereich während der Pandemie um einige Autoparkplätze vergrößern durfte. „Ich hoffe, dass mir das den Arsch im Winter rettet“, wurde der Gastronom schmunzelnd deutlich.

Seine Gäste, so Markus Werner, kämen auch in der Corona-Krise gerne ins „Mauds“ und würden sich etwas gönnen. Das trifft sowohl auf Speis, als auch auf Trank zu. „Ich habe noch nie so viel Schnaps verkauft wie aktuell“, meinte Werner lachend. Natürlich halte er sich strikt an die Vorgaben. „Ansonsten versuche ich dem Gast aber einen normalen, schönen Abend zu gestalten – mit so wenig Hürden wie möglich.“

Auch Fikri Yilmaz vom Bürgerhaus-Restaurant in Weiskirchen war mit dem Sommer sehr zufrieden. Das À la carte-Geschäft sei sehr gut gelaufen, der Biergarten war meist gut gefüllt. Feierlichkeiten wie Hochzeiten seien dagegen sehr stark zurückgegangen. Für den Winter, wenn die Leute rein müssen, ist Yilmaz weniger optimistisch. Da er viele Verwandte und Freunde in der Region hat, die ebenfalls in der Gastronomie tätig sind, habe er einen ganz guten Überblick.

Wenn das mit den Einschränkungen so weiter gehe, würden viele Betriebe kaputt gehen. Die Auftritte der großen Politik spürt man in der lokalen Gastronomie übrigens sofort. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt dazu aufrief, Kontakte zu vermeiden, wurden bei Fikri Yilmaz noch am gleichen Abend mehrere geplante Feierlichkeiten abgesagt.

Oliver und Simone Döbert berichteten ebenfalls davon, dass sehr viele Feiern, speziell Hochzeiten, ins kommende Jahr verschoben wurden. Zuletzt hatten sie dann doch eine Hochzeit in ihren Räumlichkeiten. Die Feier sei zwar schön gewesen. „Die Stimmung war aber nicht wie bei einer Hochzeit in normalen Zeiten.“

Probleme mit Phantasienamen auf den Kontaktlisten sind auch in Rodgau bekannt. Unter anderem haben es sich Jim Knopf, Hans Wurst und Cordula Grün schmecken lassen. Der weitaus größte Teil der Gäste verhalte sich aber vorbildlich, so die Rodgauer Gastronomen. Das gelte auch beim Thema Maskenpflicht bis zum Platz. Auch wenn es immer wieder einzelne uneinsichtige Gäste gebe, die dann in letzter Konsequenz durchaus auch nach Hause geschickt werden.

Beim jüngsten Treffen der Gruppe gab es auch Lob untereinander. Es sei vorbildlich in Rodgau, dass sich die Gastronomen zusammen tun und sich austauschen, sagte Annerose Steiger von der Dehoga. Auch Bardo Neuhäusel von der Wirtschaftsförderung lobte die „vorbildliche Gruppe“ und bekam das Lob zurück. Die Stadt Rodgau habe einen „Topjob“ gemacht, sagte Markus Werner. „Ich habe mich von euch immer gut begleitet gefühlt.“ Dadurch hätten auch anfängliche Unsicherheiten im Umgang mit den Vorgaben beseitigt werden können.

Auch wenn Corona irgendwann mal überwunden ist, will man weiter zusammenarbeiten. „Wir haben schließlich alle die gleichen Probleme“, meint Jürgen Herr. Etwa, wenn es um Fragen von Auflagen, Einkauf, Mitarbeiter oder Stromkosten geht. Neben den persönlichen Treffen hält man unter anderem Kontakt über eine WhatsApp-Gruppe, in der die Vertreter der Stadt und des Dehoga ebenfalls vertreten sind. Außerdem treffe man sich auch mal in kleinerer Runde oder telefoniere mit städtischen Vertretern, so Jürgen Herr, um das ein oder andere rüberzubringen. (ey)

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