„Man ist nicht einfach ausgeliefert“

Zahnarztpraxis: Spezieller Lack soll Patienten vor Corona schützen

Zahnarzt Steffen Swoboda in seiner Praxis.
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Zahnarzt Steffen Swoboda will in seiner Praxis zusätzliche Sicherheit für Personal und Patienten.

In Rodgau bleibt nichts unversucht, um das Coronavirus zu bremsen. Jetzt hat ein Zahnarzt in seiner Praxis die besonders stark benutzten Flächen sogar mit einem speziellen Anti-Viren-Lack überziehen lassen.

Jügesheim – „Ich möchte für Patienten und Personal einen zusätzlichen Schutz und zusätzliche Sicherheit“, beschreibt Zahnarzt Steffen Swoboda seine Motive für die Aktion. „Und ich will zeigen, dass man übers gewöhnliche Maß hinaus etwas tun kann. Man ist der Situation eben nicht einfach ausgeliefert.“

Anti-Viren-Lack gegen Corona in Rodgau (Kreis Offenbach): „So keimfrei wie möglich“

Behandlungsstühle und Instrumente in seiner Praxis werden ohnehin penibel desinfiziert. „Das ist Standard.“ Swoboda wollte aber, dass auch dauernd benutzte Flächen wie Türklinken, Tische, das WC und das Kartenlesegerät am Empfang „so keimfrei wie möglich sind“. Ein Patient machte ihn auf die Aktion der Kreisverkehrsgesellschaft vom vergangenen September und damit auf die selbst-entkeimende Beschichtung namens „Dyphox“ aufmerksam.

Das von unabhängigen Laboren geprüfte und zertifizierte Produkt war damals auf Haltestangen, Halteschlaufen sowie Ausstiegs- und Stopptasten aufgebracht worden. Unter Einfluss von Licht wirkt „Dyphox“ bis zu einem Jahr lang gegen 99,9 Prozent der Viren und Bakterien. Vertriebspartner für die hiesige Region ist die Seligenstädter Firma Lab Tec Labortechnik GmbH. Reinigen, desinfizieren und sterilisieren sind deren Geschäftsfelder. Mit „Dyphox“ kam ein weiteres Tätigkeitsgebiet hinzu. In der Zahnarztpraxis wurde das Produkt als Wischlösung mit Schwämmen aufgetragen.

Anti-Viren-Lack in Rodgau gegen Corona: Ergänzung zu Hygienemaßnahmen

„Dyphox“ wird von einer Regensburger Firma produziert und ist aus einem Forschungsprojekt der Uniklinik Regensburg entstanden. Dort forschten Experten an der sogenannten Photodynamik, mit der sich Vorstufen von weißem Hautkrebs behandeln lassen. Wie das geht? Es wird auf die Haut eine Creme aufgetragen, die Lichtenergie aufnimmt, diese an umliegende Moleküle abgibt und damit Sauerstoffmoleküle aktiviert, die wiederum Keime wie Bakterien und Viren unschädlich machen – ganz ohne Desinfektionsmittel.

Besonders dort, wo viele Menschen dieselben Oberflächen berühren, müsste wegen Corona eigentlich ständig desinfiziert werden. Aber das ist schwierig und teuer. „Dyphox“ löst dieses Problem. Das Produkt ist ein klarer Lack, mit dem man Oberflächen nachträglich beschichten kann und so einen photodynamischen Effekt erzielt. Der Hersteller sieht darin eine sinnvolle Ergänzung zu den üblichen Hygienemaßnahmen und Reinigungszyklen und wirbt damit, „Dyphox“ sei das einzige Produkt auf dem Markt, dessen Wirkung auch realistisch im Zuge einer Feldstudie an zwei Regenburger Kliniken nachgewiesen worden sei (veröffentlicht im „Journal of Hospital Infection“). (bp)

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