Kita Rodgau

Briefe an Rodgauer Kitas: „Wir vermissen euch“

„Wir vermissen euch“ steht an der Fassade der Emmaus-Kita in Jügesheim. Foto: Wolf
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„Wir vermissen euch“ steht an der Fassade der Emmaus-Kita in Jügesheim.

Not macht erfinderisch: Obwohl die Kindertagesstätten geschlossen sind, bleiben die Erzieherinnen mit „ihren“ Kindern in Kontakt. Sie schreiben Briefe, drehen Videofilme, basteln kleine Geschenke oder verschicken Lieblingsgeschichten auf CD.

Rodgau – „Die Resonanz ist riesig“, berichtet Ursula Jakobi, die Leiterin der Kita Hainhausen: Der Flur hängt voller Dankeschönbriefe und Bilder der Kinder und ihrer Eltern.

„Wann darf ich wieder in die Kita?“ Diese Frage haben viele Eltern beinahe täglich im Ohr. Nicht nur die Kinder hoffen, dass ihr gewohnter Alltag bald wieder beginnt. Auch die Kita-Teams möchten ihre Beziehungsarbeit fortsetzen. „Wir vermissen euch“ haben Erzieherinnen der evangelischen Kita Jügesheim auf ein Bettlaken geschrieben, das an der Hausfassade hängt.

Nur einzelne der rund 1 800 Kita-Kinder in Rodgau besuchen die Notbetreuung. 50 Kinder wurden letzte Woche in 13 städtischen Einrichtungen betreut. Für die nächsten Tage erwartet die Stadt mehr Anmeldungen, wenn nun auch Alleinerziehende die Notbetreuung in Anspruch nehmen dürfen.

Elternpaare müssen weiterhin improvisieren. Die Kita-Teams helfen unter anderem mit Spiel- und Bastelideen. In Videobotschaften bleiben die Erzieherinnen für die Kinder präsent. Die Kindertagesstätte am Bürgerhaus Nieder-Roden (Kita 5) hat beispielsweise eine Turnstunde ins Netz gestellt, in der ein Erzieher verschiedene Tiere nachmacht. Zuvor muss er allerdings den Turmraum aufräumen und seine Schuhe ausziehen: Die Kita-Regeln gelten auch in der Corona-Zeit.

„Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich das Ganze entwickelt“, berichtet die Kita 5: „Trotz Kontaktverbot und damit verbundener Distanz zu den Eltern und Kindern fühlt man sich fast so nah wie noch nie miteinander verbunden.“ Denn aus den Familien kommt auch viel zurück: Bilder, Briefe und vor einigen Tagen sogar ein Video, auf dem ein Kindergartenkind den Erzieherinnen aus einem Buch vorliest.

Die Kinder der Kita Schillerstraße in Weiskirchen haben eine CD erhalten, auf der ein Erzieher eine Geschichte vorliest. Eine Kollegin aus der Kleinkindgruppe schickte ihren Schützlingen ein Video, auf dem sie zur Gitarre singt.

Per Video hält die Kita Rochusstraße in Hainhausen den Kontakt zu den Kindern. Mit einer selbst gebastelten Stativkonstruktion filmt Erzieherin Isabell Folger die Bilderbuch-Vorlesevideos mit den Wunschbüchern der Kinder. Es gibt Musikvideos zum Mitsingen, Kinder-Yoga, Fingerspiele für die Kleinsten und ein Tiervideo, in dem das Haustier einer Kollegin die tragende Rolle spielt.

Neben Briefen mit Bastel- und Spielideen bieten die Kitas 1 und 14 („Eulennest“ und „alte Schule“) in Dudenhofen auch Grüße und Fotos per Instagram. Am Zaun hängen kleine Kunstwerke der Kinder. So können sich auch Spaziergänger daran erfreuen.

Mit einem wöchentlichen Ideenpaket und mit Online-Videos versorgt die Kita Binger Weg ihre Kinder. Außerdem bereitet sie zwei spezielle Angebote für die angehenden Schulkinder vor: eine Verkehrsschule und einen Erste-Hilfe-Kurs per Video. Die „Burg Schlotterstein“ in Jügesheim führt ein Online-Tagebuch (Blog).

Die Kita Rollwald pflegt ihre Kooperation mit dem Altenheim „Haus Elfriede“ trotz Corona. Da die Kinder die Senioren zurzeit nicht besuchen dürfen, haben sie Bilder gemalt und an einer Wäscheleine am Altenheim aufgehängt. Vor Ostern konnten sich die Kinder am Zaun der Kindertagesstätte eine kleine Osterüberraschung abholen. Über den Zaun hinweg gab es auch ein Wiedersehen zwischen Kindern und Erzieherinnen – aus sicherem Abstand, versteht sich.

VON EKKEHARD WOLF

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