Nur noch am Freitag geöffnet

Letzte Einkaufsmöglichkeit im Ort: Abschied vom Rollwald-Kiosk

Bunte Zeitschriften prägten lange Zeit den Anblick des Rollwald-Kiosks. Das Warensortiment ging aber über Presse und Getränke weit hinaus. Foto: p/Stolzenburg

Der Rollwald-Kiosk macht zu. Nach 47 Jahren ist das Häuschen an der Ecke Rhönstraße/Rosenring heute zum letzten Mal geöffnet. Der Kiosk war die letzte Einkaufsmöglichkeit am Ort.

Rollwald – In ihren besten Zeiten war die kleine Verkaufsstelle ein wichtiger Nahversorger. Die Eigentümerin Edeltraud Köhler erinnert sich an die Anfänge in den 70er-Jahren: „Da sind die Männer morgens mit dem Auto zur Arbeit gefahren und die Frauen kamen zum Einkaufen.“ Damals konnte man in Rollwald noch alles kaufen, was man täglich brauchte. Es gab ja auch noch den Lebensmittelladen von Johanna Hatter an der Isarstraße. Beide Geschäftsfrauen könnten von ihrer Arbeit leben. Sie sprachen ihre Urlaubszeiten miteinander ab, damit die Kundschaft auch in den Ferienzeiten versorgt war.

Das Sortiment reichte vom Schulheft über Lebensmittel bis zu Schnürsenkeln. Eine Doppelgarage diente als Getränkelager. Morgens kauften sich Kinder ein Schokokussbrötchen als Schulfrühstück.

„Mein erster Tagesumsatz waren 300 Mark“, erinnert sich Edeltraud Köhler. Und danach? „Es hat sich jeden Tag erhöht.“ Der eigene Kiosk bedeutete aber auch viel Arbeit. Er war von 7 bis 20 Uhr durchgehend geöffnet. Anfangs konnte ihr Ehemann den Dienst am Nachmittag übernehmen, während sie zum Einkaufen beim Großhandel fuhr. Eine Zeit lang arbeitete auch ihre Schwester mit. Später beschäftigte sie stundenweise eine Mitarbeiterin.

Edeltraud Köhler führte den Kiosk 23 Jahre lang, dann gab sie das Geschäft 1996 an ihre Tochter Christina weiter. Ein guter Umsatzbringer waren die Brötchen der Bäckerei Köhler aus Ober-Roden. Edeltraud Köhler verkaufte 400 bis 500 Stück am Tag, samstags sogar mehr als 1 000. „Es hat sich sogar gesteigert auf bis zu 2 000 und 150 Brote“, erzählt Christina Ücker. Auch sie denkt gern an ihre Kiosk-Kundschaft zurück: „Die Rollwälder waren treu. Es gab Kunden, die haben über 20 Jahre die gleiche Brötchentüte bekommen.“ Unter den 300 bis 400 Kunden am Tag waren viele Stammkunden, deren Wünsche sie auswendig wusste. „Und denen, die nicht mehr laufen konnten, haben wir die Sachen nach Hause gebracht: ein Brot, eine Kiste Wasser, einen Lottoschein und die Zeitung.“

Zwei Generationen am Rollwald-Kiosk zeigt dieses Archivbild aus dem Jahr 2000: Mutter und Tochter in weißer Arbeitskleidung. Foto: Morian

Auch Prominente kauften ab und zu am Rollwald-Kiosk ein, wenn sie im Parkhotel abgestiegen waren. Edeltraud Köhler erinnert sich noch gut an den Schauspieler Martin Jente, der in der ARD-Fernsehshow „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff als Butler auftrat. Einmal kamen Hotelgäste aus Japan mit ihren Fotoapparaten, um den kleinen Laden abzulichten.

Nachdem sich Christina Ücker Ende 2007 beruflich neu orientierte, sorgte Rosi Martin als Pächterin dafür, dass der Betrieb im Kiosk weiterging. In einem schwieriger gewordenen geschäftlichen Umfeld versuchte sie, neue Nischen zu finden. Dazu zählten regionale Produkte wie Eier von frei laufenden Hühnern und Apfelwein im Fünf-Liter-Kanister. Im Mai 2014 wurde der Kiosk zum DHL-Paketshop. Doch alles geht einmal zu Ende: Heute schließt Rosi Martin die Tür zum letzten Mal zu.

Vielleicht erhält die Geschichte des Rollwald-Kiosks doch noch eine Fortsetzung. Erst vor wenigen Tagen stellte sich ein neuer Interessen vor. „Es könnte sein, dass wir wieder jemanden haben“, sagt Christina Ücker. Sie ist überzeugt, dass sich auch künftig eine geschäftliche Nische finden lässt: „Kaffee und Kuchen gehen immer.“

Von Ekkehard Wolf

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