Reichlich Geduld gefragt

Schäden in Rodgauer Gemeinschafsunterkunft noch immer nicht beseitigt

Kaputte Fliesen
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Der Fußboden in einem Duschraum ist abgesunken, die Fliesen sind in Mitleidenschaft gezogen.

Lose Fliesen, Schimmel an Wänden innen und außen, abgesenkte Böden in den Duschräumen sowie gesperrte Duschen und Toiletten: Es sieht schlimm aus in der kreiseigenen Gemeinschaftsunterkunft in Nieder-Roden an der Borsigstraße. Ärgerlich ist auch, dass das Problem seit gut zwei Jahren bekannt ist und noch keine Abhilfe geschaffen wurde (wir berichteten). Immerhin wohnen aktuell 42 Menschen in der Flüchtlingsunterkunft, sowohl Familien als auch Einzelpersonen.

Nieder-Roden – Jetzt allerdings sieht es so aus, als komme endlich Bewegung in die Sache. Wie Pressesprecherin Sandra Klauß vom Kreis Offenbach mitteilt, seien erste Unternehmungen durch den Ausbruch der Corona-Pandemie gestoppt worden. Dann wären keine Baufirmen zu kriegen gewesen. Im Moment aber seien beauftragte Unternehmen an einer weiteren kreiseigenen Flüchtlingsunterkunft in Seligenstadt beschäftigt. Wenn die Arbeiten dort abgeschlossen sind, sollen die Bautrupps in Nieder-Roden tätig werden. Das könne eventuell noch in diesem Jahr sein.

Ein ehrenamtlicher Helfer des Flüchtlingsnetzwerks ist stinksauer: „Die Wasserschäden verschlechtern den Zustand des Gebäudes und verursachen gesundheitliche Probleme.“ Und: Trotz dieser Beeinträchtigungen verlangt der Kreis von den Flüchtlingen, die ein eigenes Einkommen haben, stolze 375 Euro Miete pro Monat und Zimmer. „Das sind mehr als 40 Euro pro Quadratmeter, das ist nicht in Ordnung“, schimpft der Freiwillige.

Der Kreis sah keinen Grund, die Nutzungsgebühr für die Flüchtlinge zu senken, obwohl die betroffenen Duschräume schon seit längerer Zeit gesperrt sind. Es könnten ja die Sanitärräume in anderen Stockwerken benutzt werden, hieß es. Da die Unterkunft nicht komplett belegt sei, wäre dies ja problemlos möglich.

Weil das ursprüngliche Bauunternehmen trotz wiederholter Aufforderungen im dreistöckigen Zweckbau nicht nachgebessert hatte, lässt der Kreis die Schäden selbst beseitigen. Die Kosten für die Reparaturen im erst fünf Jahre alten Gebäude liegen voraussichtlich bei etwa 50 000 Euro.

Immerhin hatte die Kreisverwaltung den Bau aus 33 einzelnen Modulen nicht vollständig bezahlt und einen kleinen Teil als sogenannten Sicherheitsbehalts abgezogen. Etwa 2,4 Millionen Euro hatte der Bau der Unterkunft gekostet. Gutachten hatten belegt, dass die Mängel auf einen Fehler der Baufirma zurückzuführen sind. Wegen unzureichender Dichtungen war Wasser in den Boden gelaufen. Das auf maximal 80 Personen ausgelegte sonnengelbe Gebäude war im Mai 2015 bezogen worden. Es gibt 30 Doppel- und fünf Familienzimmer. Die Räume sind 16 Quadratmeter groß und beherbergen zwei Personen – die sich im schlimmsten Fall völlig fremd sind. Das Mobiliar stammt aus dem geschlossenen Kreisjugendheim Affhöllerbach. Die Ausstattung ist eher spartanisch: Betten, Schränke, eine Ablage, mal ein Kühlschrank. (Von Simone Weil)

Die Nässe macht sich in dem fünf Jahre alten Gebäude auch an der Fassade bemerkbar.

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