Friseurin macht aus der Not eine Tugend und einen eigenen Laden in Rodgau auf

Selbstständig statt arbeitslos

Loredana Galanti in ihrem neuen Salon an der Vordergasse.
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Existenzgründerin in schwieriger Zeit: Loredana Galanti in ihrem neuen Salon an der Vordergasse.

Der Heimatverein Jügesheim hat eine neue Nachbarin. Sie heißt Loredana Galanti und richtete an der Vordergasse 59 einen der kleinsten Salons weit und breit ein. Mit hellen 40 Quadratmetern und viel Mut entgeht die Friseurmeisterin in der Pandemie der Arbeitslosigkeit. Doch der Reihe nach.

Rodgau – Die Haarkünstlerin mit italienischen Wurzeln arbeitete nach ihrer Ausbildung im Geschäft ihrer Schwester in Hausen. Vor zwei Jahren wechselte sie ins Team eines Rodgauer Kollegen, dann kam Corona. Loredana Galanti musste ihr Pensum von Voll- auf Teilzeit reduzieren. Bald durfte sie nur noch auf 450-Euro-Basis schneiden, färben, föhnen, schließlich kündigte der Arbeitgeber allein ihr.

Das lag nicht nur daran, dass die Friseure immer wieder und lange schließen mussten, erklärt die Unternehmerin. Sie hat 2019 begonnen, für ihre Meisterprüfung zu lernen, und schloss die Weiterbildung im vergangenen Juni mit dem dazugehörigen Diplom ab. Damit war sie für ihren Chef eine zu teure Kraft, eröffnete er ihr. Dennoch verbinde beide nach wie vor ein gutes Verhältnis, unterstreicht die gekündigte Mitarbeiterin.

Im Herbst stieß sie in der Altstadt auf ein Schaufenster mit dem Schild „zu vermieten“. „Ich war erst zurückhaltend, aber im Oktober habe ich den Mietvertrag unterschrieben“, erzählt die Obertshausenerin. „Überbrückungshilfe oder Startkapital gab’s für mich nicht, ich habe einfach Pech, hat mein Steuerberater gesagt.“ Ihre Eltern und ihre erwachsenen Kinder waren es, die das Projekt Selbstständigkeit tatkräftig unterstützten.

Sie halfen beim Einrichten und Dekorieren. Zweige, Blumentöpfe von treuen und neuen Kundinnen und eine Europalette mit ihrer Telefonnummer prägen den kleinen, aber lichtdurchfluteten Raum. Große Banner mit Frisur-Models ergänzen das Bild. Und Regale mit Pflegeprodukten und Conditioner. „Ich möchte mit der Auswahl mehr Nachhaltigkeit verwirklichen, auf Plastik weitgehend verzichten“, betont die Handwerkerin.

Darum wäscht sie die Umhänge lieber bei 60 Grad als ihren Kunden Einmal-Exemplare umzuhängen. „Am liebsten würde ich ja in der freien Natur schneiden“, schwärmt die Umweltschützerin und lächelt durch ihre Maske. Das Hygienekonzept für den Laden würde es ihr erlauben, an zwei Köpfen gleichzeitig zu arbeiten, aber sie vergibt nur Termine nacheinander.

Viele ihrer Stammkunden aus dem Salon, in dem sie bis zum vergangenen Jahr beschäftigt war, kommen jetzt zur Adresse am Heimatmuseum. Gerade trägt die Nachbarin Namen, Anschrift und Ankunftszeit in das ausliegende Formular, drückt der Meisterin aus gebührendem Abstand Primeln im Körbchen in die Hand und lobt den couragierten Schritt in schwerer Zeit.

Einfach ist es für Loredana Galanti gerade wirklich nicht. Jetzt ist ihr auch die Wohnung gekündigt, die Vermieter reklamieren Eigenbedarf. „Vielleicht werde ich dadurch auch privat Rodgauerin“, ist die Südländerin schon wieder zu Scherzen aufgelegt. Das entspricht dem Rat ihres Vaters: „Vergiss nie zu lächeln!“ (Von Michael Prochnow)

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