Rodgauer Seniorentag

Seniorenclubs mit Nachwuchssorgen

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Erinnerungen an die eigene Jugend weckte die Boogie-Woogie-Gruppe des Rodgauer Tanzsportclubs bei den Zuschauern. Viel Beifall war der Dank.

Rodgau - Informationen und Anregungen rund ums Älterwerden bot der Seniorentag am Sonntag im Herzen Jügesheims. Fünf der 33 Anbieter waren neu dabei. Die Tische vor dem Rathaus waren ab der Mittagszeit gut besetzt. Von Ekkehard Wolf 

Das Angebot der Informationsmeile reichte von Flusskreuzfahrten über Schlafkomfort bis zum Pflegedienst. „Es geht darum, Ihnen das Leben leichter, angenehmer, gesünder und schöner zu machen“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann zur Eröffnung. Von einem „Markt der Möglichkeiten“ sprach sein Vorvorgänger Thomas Przibilla, der für die Arbeiterwohlfahrt vor Ort war. Zwischen gewerblichen Anbietern tummelten sich Selbsthilfegruppen, Hilfsorganisationen und der JSK Rodgau mit seinem großen Angebot an Gesundheitssport.

Erstmals nach längerer Pause waren die Rodgauer Seniorenclubs mit einem gemeinsamen Infozelt auf dem Seniorentag. Renate Freckmann vom Seniorenwerk Nieder-Roden berichtet von Nachwuchssorgen: „Die Jungen sind noch zu fit, um zu uns zu kommen. Die Alten, die kommen, sind zu alt für ehrenamtliche Arbeit. Ich bin mit 69 die Jüngste.“

Trommeln hält fit: Gesundheitssport beim JSK Rodgau.

„Es ist in der Tat ein großes Problem, Nachwuchskräfte zu finden“, weiß die städtische Seniorenberaterin Ann-Katrin Steinbach: „Die Leute, die in den Ruhestand gehen, sind noch sehr aktiv und fühlen sich zu jung.“ „Wir haben auch schon Seniorenclubs bei der Nachwuchssuche unterstützt“, berichtet Clarissa Leopoldsberger, die im Rathaus den Fachbereich Soziale Dienste leitet. Als Beispiel nennt sie das Seniorenwerk Nieder-Roden, dessen langjähriger Leiter vor einigen Jahren einen Nachfolger suchte. Den katholischen Senioren in Hainhausen hingegen sei es nicht gelungen, neue Helfer zu finden.

Wie viele Menschen sich in Rodgau ehrenamtlich engagieren, war an den Infoständen der Vereine zu sehen. Besucher konnten unter anderem den Blutdruck und den Blutzucker messen lassen. Bei erhöhten Werten erhielten sie den Rat, zum Arzt zu gehen. So ging es einem Besucher mit einem Blutzuckerwert von 164. „Ich dachte, bis 200 ist es noch normal“, sagte er. Ein Irrtum, wie sich herausstellte.

Eine sinnvolle Betätigung im Ruhestand suchte auch Werner Mayr aus Geisenheim im Rheingau. Er verlegte sich vor zehn Jahren auf die Herstellung von Senf. 36 Sorten bot er am Stand seiner Senfmanufaktur an: „Wenn ich als Rentner kein Hobby hätte, könnten Sie mich vergessen.“

Im Alter in eine Wohngemeinschaft ziehen

Wie hoch ist der Blutdruck? Ellen Abröll vom Roten Kreuz misst.

Die Landfrauen aus Dudenhofen bewirteten die Gäste im Rathausfoyer mit einem schier unerschöpflichen Angebot an Kuchen und Torten. Etwa 50 Kuchen hatten die Frauen gebacken, manche standen noch in der Nacht in der Küche. „Wir sind immer noch 100 Mitglieder“, sagt die Vorsitzende Siglinde Müller zufrieden, „und immer wieder kommen neue nach.“ Das Geheimnis des Erfolgs ist ein Halbjahresprogramm mit einer Mischung aus Vorträgen, Ausflügen und Geselligkeit: „Ein Angebot muss da sein. Nur zum Erzählen kommt heute keiner mehr.“

Unter uns gesagt: Auch die Landfrauen sind eine Art Seniorenclub, aber sie nennen sich nicht so. Der Altersdurchschnitt dürfte laut Siglinde Müller über 70 Jahre liegen, auch wenn man das vielen Frauen nicht ansieht: „Die 80-Jährigen sind heute noch topfit.“

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