Siebenarmiger Leuchter als Geschenk für ehemalige Synagoge in Rodgau

Der Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden (AK) macht seinen Kollegen vom Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen (HGV) ein Geschenk: einen siebenarmigen Leuchter und mithin eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Ihren Platz findet die Menora in der ehemaligen Synagoge an der Hauptstraße 57. Dort füllt die Schenkung die Nische, in der einst der Thoraschrein der jüdischen Gemeinde stand.
Rodgau - Das aus den Gliedern einer massiven Kette akkurat zusammengeschweißte Werkstück entstand in der Werkstatt des Nieder-Röders Rudi Keller. In Erinnerung ist er nicht nur als begeisterter Heimatfilmer, der unvergessene Filmabende gestaltete. Viele kennen den begnadeten Handwerker auch als Sammler historischer Landmaschinen und Traktoren.
Ab den 60er-Jahren trug das 2018 verstorbene Original Rudi Keller die größte Sammlung solcher Ackergeräte in Südhessen zusammen und setzte sie allesamt instand. Sie waren Attraktionen nicht nur bei Vorführungen an Landwirtschaftstagen und -ausstellungen. Ab 2011 löste der damals 78-Jährige die Hallen an der Friedensstraße auf, um Platz zu schaffen für einen Neubau auf dem Gelände.
Symbol des Glaubens
Rudi Keller gestaltete den rustikalen Leuchter 1982 als Geschenk für seine Frau Helma zur Silberhochzeit. Das weiß AK-Vorstandsmitglied Günther Keller noch genau. Auf dem Sockel erinnert eine Inschrift aus Schweißnähten daran. „Das war in der Zeit, als er mindestens zehn bis 15 Kerzenleuchter gemacht hat“, plauderte Keller bei der Übergabe der Menora aus dem Nähkästchen. Sein Namensvetter habe den Leuchter dem AK vermacht. Aus dessen Fundus komme er nun nach Weiskirchen. Weshalb der Katholik Keller einen jüdischen Leuchter schuf, ist unbekannt. Generell fühlte Rudi Keller sich aber Symbolen des Glaubens verbunden. Er gestaltete ein Feldkreuz und einen Schrein aus Metall für den Gedenkplatz am Hörnesgraben.
Helmut Trageser und Volker Böres vom HGV dankten für die Bereicherung. Einen besseren Platz als die ehemalige Synagoge gebe es dafür nicht. (von Bernhard Pelka)