Spaß gehört immer dazu

Christine Klotz engagiert sich bei der Hilfsaktion Tante Emma

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Christine Klotz im Lager von Tante Emma: Es ist wichtig, den Überblick zu haben, welche Produkte reichlich vorhanden sind.

Jügesheim - Christine Klotz ist Freiwillige der ersten Stunde. Seit Sommer 2010 engagiert sich die Französin bei Tante Emma. Die frühere Speditionsmitarbeiterin kümmert sich um die Logistik der Hilfsaktion und koordiniert die Helfer. Von Simone Weil 

Es ist Christine Klotz gar nicht so recht, im Mittelpunkt zu stehen. „Mir ist wichtig, dass ich nur eine von vielen in einem Team bin“, sagt sie mit ihrem hübschen französischen Akzent. Sie hofft, über die Hilfsaktion aufklären und weitere Freiwillige werben zu können. Helfer werden nämlich immer gebraucht: „Wir finden für jeden eine Aufgabe, der Lust hat, mitzumachen“, ist sich die Freiwillige der ersten Stunde sicher. Im Laden von Tante Emma an der Hintergasse in Jügesheim werden gespendete Lebensmittel aus Supermärkten, Geschäften und Hofläden gegen einen Obolus von zwei Euro an Bedürftige verkauft. „Von dieser Partnerschaft profitieren beide Seiten“, sagt Christine Klotz.

Denn die großen Verbrauchermärkte sparen die Entsorgungskosten für einwandfreie Lebensmittel und Arme können günstig einkaufen. Zusätzliches wird bei der Aktion nicht angeschafft: Angeboten werden ausschließlich gespendete Lebensmittel und eventuell Körperpflegeprodukte – was die Märkte eben so übrig haben. Gibt es extrem viel von einer bestimmten Ware, tauschen sich die verschiedenen Lebensmittelausgabestellen im Kreis – und darüber hinaus – auch gerne aus. Pro Woche versorgt Tante Emma auf diese Weise 170 bis 180 Haushalte, dahinter stecken etwa 600 Personen.

120 bis 130 Helfer sortieren Gemüse, Obst, Brot sowie Konserven und geben die Waren aus. Etwa 30 Fahrer sind montags bis freitags unterwegs, um Lebensmittel einzusammeln. Diese stattliche Zahl von Mitarbeitern muss ordentlich koordiniert werden, wie in einer kleinen Firma. Mit „Komm ich heut nicht, komm ich morgen“ läuft in diesem Fall überhaupt nichts. Die Lebensmittelmärkte brauchen verbindliche Zusagen und feste Abholer, sonst bleiben die Regale von Tante Emma leer. Die einzelnen Einsätze der Freiwilligen zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzubasteln, macht der Tante-Emma-Mitarbeiterin Spaß. „Wer ehrenamtlich tätig ist, muss Freude daran haben, sonst macht er es nicht“, weiß sie. Schließlich geht es vielen ihrer Kollegen ähnlich.

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Anfangs wollte die 60-Jährige nur zwei Stunden pro Woche helfen, doch inzwischen sind zehn bis zwölf daraus geworden. Denn es gibt allerlei Verwaltungsaufwand. So müssen die Nutznießer dieser Rodgauer Hilfsaktion ihre Bedürftigkeit nachweisen. Dazu legen sie regelmäßig ihren SGB-II-Bescheid vor.

Ehrenamtlich hat sich die Mutter eines Sohnes schon immer engagiert: in der Kindertagesstätte, später in der Schule. Für sie sei das eine klare Sache gewesen, sagt sie: „Ich war mir immer bewusst, dass ich viel Glück gehabt habe, in einem Land zu leben, in dem kein Krieg herrscht. Das gilt auch für die Erziehung und Bildung, die ich genossen habe.“

Mit 21 Jahren kam die Französin nach Deutschland: „Aus Neugier“, wie sie sagt. Sie sprach Englisch und Spanisch und eignete sich schnell auch die deutsche Sprache an: „Wenn man die Sprache nicht spricht, kommt man nicht an“, ist sie überzeugt. Ihre Fertigkeit war in einer internationalen Spedition gefragt, in der sie früher arbeitete. Heute vermittelt sie ihre Muttersprache in diversen Volkshochschulkursen im Kreis Offenbach.

Weitere Infos: www.tante-emma-rodgau.de

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