Bürger-Zorn über die Nachverdichtung

Rodgau will Bauwut in Rollwald stoppen

Kleine Siedlerhäuser prägten Rollwald früher. Jetzt entstehen auf den alten und großen Grundstücken immer mehr Mehrfamilienhäuser.
+
Kleine Siedlerhäuser prägten Rollwald früher. Jetzt entstehen auf den alten und großen Grundstücken immer mehr Mehrfamilienhäuser.

Im Nieder-Röder Ortsteil Rollwald wächst unter Anwohnern der Zorn über die zu starke Nachverdichtung bestehender Grundstücke mit Altbestand darauf.

Rodgau - Auch der Magistrat sieht die Gefahr der Zerstörung des ursprünglich von kleinen Siedlerhäusern auf großen Grundstücken geprägten Gebiets und reagiert darauf mit baulichen Restriktionen. Es wird zu groß gebaut im Ortsteil Rollwald. Der Magistrat schlägt den Stadtverordneten vor, in ihrer nächsten Sitzung am 7. September für eine Frist von zwei Jahren eine Veränderungssperre auszusprechen für das Areal zwischen Elbestraße, Weserstraße, Zum rauhen See, Rosenring und Neckarstraße. Bedeutet: Auf dem definierten Terrain dürfen keine Baumaßnahmen vorgenommen werden. Neubauten sind dann nicht mehr möglich, Abriss oder Umbau auch nicht. Ausnahmen indes schon (die allerdings nur schwer begründbar sind).

Die Veränderungssperre ist ein Instrument der Gemeinde zur Sicherung ihrer eigenen Bauleitplanung. Die Sperre verfolgt den Zweck, die von der Gemeinde beabsichtigten bauplanerischen Ideen und Festsetzungen in der Weise zu sichern, dass während des Aufstellungszeitraumes keine Veränderungen erfolgen, die der Bauleitplanung der Gemeinde zuwider laufen oder diese zumindest wesentlich erschweren würden. Genau diese Bauleitplanung will die Stadt in den nächsten zwei Jahren vorantreiben. Für das fragliche Gebiet bestehen zwar gleich drei Bebauungspläne (Nummer 6,7 und 10). Sie sind in den 60er und 70er Jahren aber fast ohne Beschränkungen beschlossen worden. Sie sollten damals den Kindern einer Familie die Zweitbebauung auf dem Familiengrundstück am Haus ihrer Eltern ermöglichen.

Legale Bausünden gab es auch schon früher in Rollwald. Es entstanden Blocks neben Einfamilienhäusern.

Dazu kommt es mittlerweile aber immer seltener. Stattdessen werden die Grundstücke an Bauträger verkauft. Die freuen sich dann darüber, weitgehend befreit von Auflagen große Acht- bis Zehnfamilienhäuser plus Tiefgarage bis an die Grenze zu den Nachbarn bauen zu können. Aktuell ist das in der Neckarstraße der Fall. Auch in der Mainstraße entsteht auf dem Grundstück eines einst sparsam ausgebauten Siedlerhäuschens ein großer Komplex mit geschätzt zehn Wohnungen. Und die Nachbarn haben jetzt einen Riesenklotz neben sich mit Balkonen bis fast an die eigene Fassade heran.

„Die Absichten damals waren ja durchaus gut“, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann. „Aber die alten Bebauungspläne lassen eine zu große Ausnutzung zu. Wir müssen jetzt aufpassen, dass hier Maß gehalten wird.“ Die Grundstücke bleiben heute nicht mehr in Familienhand, jetzt werden sie an den Markt gegeben und im großen Stil bebaut. Die neuen Baukörper entfremden sich nach Meinung der Stadt von der bestehenden Siedlungsstruktur. Schon bestehe zudem die Gefahr, dass die „kleinen Siedlungsstraßen“ die Autos nicht mehr aufnehmen können. Hoffmann: „Wir müssen den Gebietscharakter erhalten und die Übermäßigkeit stoppen.“  Binnen der nächsten zwei Jahre solle deshalb ein neuer Bebauungsplan die drei alten ablösen: der Bebauungsplan 43 Nieder-Roden.(Von Bernhard Pelka)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare