Zigarettendiebe klauten in Nieder-Roden Ware von über 7 300 Euro

Mit Tempo 262 ohne Licht über die Autobahn

VON STEFAN MANGOLD.

Nieder-Roden/Offenbach – In Socken mussten sich am 20. Mai 2018 zwei Männer im Gewerbegebiet von Friedrichsdorf-Burgholzhausen morgens um fünf verhaften lassen. Einer von ihnen saß nun in Offenbach vor dem Schöffengericht. Laut Staatsanwalt Dirk Schillhahn soll er zwei Stunden vor der Festnahme als Mittäter in eine Tankstelle in Nieder-Roden eingebrochen und Zigaretten im Wert von über 7 300 Euro gestohlen haben. Das Urteil steht noch aus.

Auf die Frage von Richter Manfred Beck, ob sich der Angeklagte zur Sache äußern wolle, antwortet Rechtsanwalt Lefter Kitlikoglu, sein Mandant werde schweigen. Eigentlich sollte der 44-Jährige mit seinem Bruder den Prozess verfolgen, doch wo der steckt, können die Ermittler schon geraume Zeit nur noch vermuten.

Ein Anwohner der Shell-Tankstelle an der Frankfurter Straße sagt aus, er sei bereits zum zweiten Mal akustischer Zeuge eines Einbruchs in die Tankstelle geworden. Er habe einen leichten Schlaf und sei morgens gegen 3.15 Uhr durch Hammerschläge erwacht, „die folgten dem gleichen Rhythmus wie beim ersten Mal“. Er habe die Hose angezogen, sei nach unten gerannt und habe nur noch aus etwa 50 Metern die Rücklichter von zwei Autos gesehen, „alles passierte unglaublich schnell“. Ein Polizist betont, die Videoaufzeichnung zeige zwei Maskierte, die vom ersten Hammerschlag gegen die Eingangstüre bis zum Verlassen des Geschäftsraums gerade mal 100 Sekunden brauchten.

Womit die Täter nicht gerechnet hatten: In einem Zigarettenpäckchen steckte ein GPS-Sender. Der weckte den Besitzer der Tankstelle, der von nun an die Polizei telefonisch unterrichtete, wo sich der Wagen mit der Beute gerade befand.

Es folgte eine wilde Hatz. Wie sich später feststellen ließ, raste das Auto, in dem sich die Zigaretten befanden, mit 119 Stundenkilometern auf einem Feldweg parallel zur B 521. Ein Hubschrauber folgte. Mit bis zu 262 Stundenkilometern und ausgeschaltetem Licht bewegte sich der Fluchtwagen über die A 45 Richtung Norden, was die Polizei schließlich dazu bewegte, die Verfolgung einzustellen, um keine Menschenleben zu riskieren.

Die Täter mussten geahnt haben, warum sie nicht entspannt nach Hause fahren können. Bald darauf zeigte der Sender eine konstante Position der Zigaretten an. Die lagen in Bad Homburg an der Wetterauer Straße. In knapp drei Kilometern Entfernung fielen dem Sicherheitsdienst eines Großbordells in Friedrichsdorf auf dem Kundenparkplatz zwei Männer auf.

Ein Angestellter erzählt, er bewache das Außengelände des Etablissements, denn es sei schon vorgekommen, dass sich erboste Ehefrauen mit spitzen Gegenständen am Auto des Gatten zu schaffen gemacht hätten. Die beiden Männer habe er aus gut 20 Metern beobachtet. Sie hätten vergeblich die morgendlichen Abholer von Prostituierten gebeten, sie mitzunehmen. Schließlich seien sie in ein Taxi gestiegen. Der Fahrer sei bald wieder zurück gekehrt und habe angesichts des über dem Areal kreisenden Polizeihubschraubers berichtet, die Typen seien ihm komisch vorgekommen, hätten sich beschwert, dass er nicht schneller fahre.

Im Zeugenstand erklärt der Taxifahrer, als Ziel hätten sie Bad Homburg angegeben, jedoch sollte er sie schon nach kurzer Strecke an der Dieselstraße in Burgholzhausen herauslassen. Einer habe neben ihm gesessen, der andere auf der Rückbank. Er könne zu deren Erscheinungsbild nichts sagen, „die haben mich nicht interessiert“.

In Burgholzhausen entdeckte die Besatzung des Hubschraubers mittels Wärmebildkamera den Angeklagten und dessen Bruder. Als Kollegen sie festnahmen, trugen beide keine Schuhe. Die fanden sich auf angrenzenden Dächern. Mit den Aussagen von Sachverständigen geht der Prozess weiter.

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