Sabine Hančl engagiert sich in Rodgau für Versorgung allergischer Diabetiker

Tierisches Insulin wieder zu haben

Sabine Hančl mit der Mehnert-Medaille.
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Sabine Hančl wurde mit der Mehnert-Medaille ausgezeichnet.

Nachdem es wochenlang einen Exportstopp aus Großbritannien gegeben hat, ist tierisches Insulin in Deutschland wieder verfügbar. Das Jahr 2021 beginnt für Menschen mit Diabetes, die auf tierisches Insulin statt Humaninsulin angewiesen sind, mit dieser guten Nachricht. Maßgeblich dazu beigetragen hat Sabine Hančl, die seit 35 Jahren in Jügesheim wohnt.

Jügesheim – Sie berichtet, dass tierisches Insulin seit 2005 nicht mehr in Deutschland hergestellt werde und betroffene Patienten auf den Import aus Großbritannien angewiesen seien, da Schweineinsuline ausschließlich von der britischen Firma Wockardt Ltd. hergestellt und von einer internationalen Apotheke vertrieben werden.

Die Versorgungssituation von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1, die tierisches Insulin statt Humaninsulin benötigen, war über Wochen dramatisch, sie fürchteten um ihr Leben. Sabine Hančl, selbst Typ-1-Diabetikerin und Sprecherin der Gruppe „Pro tierisches Insulin“ weiß, was das bedeutet. Seit 57 Jahren lebt sie mit der lebensbedrohlichen Allergie gegen das Humaninsulin. Als Kind hatte sie einen schweren allergischen Schock mit Atemstillstand erlitten.

Als es nun wegen des Brexits und Corona zum Exportverbot des Medikamentes kam, setzte die Beamtin im Ruhestand alle Hebel in Bewegung. Sie telefonierte sich die Finger wund, schrieb Mails und Petitionen. Viele verzweifelte Betroffene meldeten sich bei ihr, auf der Suche nach einer Lösung des Problems. Sabine Hančl: „Ich hatte natürlich furchtbare Angst, als ich von dem Exportstopp las. Das ist der weltweit letzte Hersteller.“

Sie selbst hatte noch Insulin-Reserven, da sie sich bei der intensivierten Therapie mehrmals am Tag das Präparat spritzen muss. Doch was sagt man denen, denen klar ist, dass ihre Bestände nicht mehr lange reichen werden? Eine fürchterliche Situation für die Diabetikerin.

Doch nun ist das Schlimmste erst einmal abgewendet. Allerdings wünscht sich die Sprecherin der Gruppe „Pro tierisches Insulin“ prinzipiell mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Denn immer wieder kommt es vor, dass Ärzte das tierische Insulin nicht verordnen oder Krankenkassen nicht zahlen wollen.

Die 67-Jährige engagiert sich nicht nur in Deutschland für Zuckerkranke, sie ist früher auch immer wieder in den Senegal gereist, hat in Dakar das Diabetes-Zentrum und medizinische Einrichtungen besucht. Im Gepäck hatte sie meist Hilfsmittel für Diabetiker wie Blutzuckerteststreifen. Noch heute hat die ehemalige Sozialpädagogin Kontakt zu ihrem Freundeskreis dort. Über ihre Erfahrungen hat sie übrigens ein Buch geschrieben, „ba beneen Senegal!“ (Auf Wiedersehen Senegal).

Sabine Hančl wurde anlässlich des Weltdiabetestages 2020 mit der Mehnert-Medaille für ihr mittlerweile 56 Jahre andauerndes Selbstmanagement ohne Folgeerkrankungen ausgezeichnet.

In Deutschland waren 2005 etwa 500 Menschen auf tierisches Insulin angewiesen, da sie auf gentechnisch hergestellte Insuline eine Unverträglichkeit oder Allergie besitzen. Aufgrund eines fehlenden Diabetesregisters fehlen aktuellere Zahlen. (Von Simone Weil)

Infos im Internet

modernes-tierisches- insulin.de

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