Gesetz verbietet Autoräder auf Trottoire

Parken auf Gehweg: Rollstuhlfahrer nach Sturz in Krankenhaus

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Verboten, aber nicht geahndet: Gehwegparker müssen in Rodgau nur selten mit einem Knöllchen rechnen. Die Folge: Autofahrer machen sich auf vielen Gehwegen breit, wie hier an der Einmündung des Krümmlingswegs in die Wiesbadener Straße. Betroffen sind unter anderem Menschen mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl sowie radelnde Kinder.

Nieder-Roden – Fußgänger erhalten oft nicht den Platz, der ihnen zusteht. Auf vielen Gehwegen stehen Autos mit zwei Rädern. Das ist verboten, wird aber oft geduldet. Dabei stellen Gehwegparker nicht nur ein Hindernis, sondern auch eine Unfallgefahr dar. Von Ekkehard Wolf

Ein Rollstuhlfahrer aus Nieder-Roden landete deshalb sogar im Krankenhaus. Heinrich Müller (82) muss noch einige Zeit mit Schmerzen leben. Sechs Wochen wird es nach Aussage seines Arztes dauern, bis Prellungen und Blutergüsse geheilt sind. Das größte Hämatom ist über 40 Zentimeter lang.

Der Unfall geschah heute vor einer Woche, am Freitag gegen 11 Uhr. Auf dem Weg zum Arzt stürzte Heinrich Müller mit seinem Rollstuhl am Krümmlingsweg, als er versuchte, die Engstelle zwischen den parkenden Autos und der Hecke zu passieren. Eine junge Frau half ihm wieder auf. Nach dem Arztbesuch fuhr der 82-Jährige zunächst nach Hause. „Meine Tochter hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als sie von der Arbeit kam“, berichtet er. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Krankenhaus; erst am Mittwoch durfte er wieder heim.

„Manche Gehwege sind permanent zugeparkt“, ärgert sich Heinrich Müller. Bisweilen sei er gezwungen, mit dem Rollstuhl die Fahrbahn zu benutzen – was wiederum wütende Reaktionen von Autofahrern zur Folge hat.

Der flüssige Straßenverkehr ist vielen Autofahrern wichtiger als der Schutz der Fußgänger. Sie schränken lieber die Gehwegbreite ein, als zu riskieren, dass der Gegenverkehr mal warten muss.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Laut Straßenverkehrsordnung ist das Parken auf dem Gehweg klar geregelt: Wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist es verboten. Dennoch hat die Stadt nach eigenen Angaben einen Ermessensspielraum: Sie könne parkende Autos dulden, wenn auf dem Gehweg eine angemessene Restbreite (1 bis 1,20 Meter) bleibe. Die Ordnungspolizei schreibe Gehwegparker regelmäßig auf. Die Zahl der Fälle liege schätzungsweise zwischen 200 und 250 innerhalb von sechs Monaten.

Im vergangenen Jahr ließ die Stadt sogar sechs Gehwegparker abschleppen: Sie blockierten den kompletten Gehweg, sodass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen mussten.

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