In Rodgau wird Müll gesammelt und für Abfallvermeidung geworben

Viele Alternativen zur Plastiktüte

Frau mit Tüten.
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Das Kunststofftütenverbot reicht nicht aus, um Plastikmüll zu reduzieren.

Umweltschutz ist eines der großen Themen unserer Zeit: Denn beim Konsumieren entsteht viel Abfall. Nun ist die Schonfrist für Plastiktüten im Handel endlich vorbei. Das ist jedoch nur ein klitzekleiner Baustein auf dem Weg zur Verringerung der Müllmengen. Doch das Thema ist komplex. Wer Abfall sagt, ist auch gleich bei den Aspekten Entsorgung, Mülltrennung und Müllvermeidung.

Rodgau – Susanne Spahn im Textilhaus Spahn hält nun Papiertüten für die Kundschaft bereit. Doch ihr ist bei den eigenen Bestellungen längst aufgefallen, dass viele Textilien bereits mit reichlich Kunststoff geliefert werden. Die Herrenhemden beispielsweise sind mit Ausnahme der Marke Seidensticker jeweils einzeln in Plastik gehüllt. Zum Teil liegen auch Schaumstofflagen zwischen der Kleidung, damit es keine Abdrücke von Knöpfen, Applikation oder Reißverschlüssen gibt – insbesondere bei besseren Qualitäten. Auch in den Kartons gibt es häufig weitere Plastikverpackungen, um die Ware aus Übersee vor Nässe zu schützen. „Da gibt es noch viel zu optimieren“, sagt die Geschäftsfrau. „Das werden auch die Lieferanten überdenken und verbessern müssen.“

Im Bioladen von Renate Haller gibt es schon lange keine Plastiktüten mehr, obwohl der dünne Beutel für Obst und Gemüse, die sogenannte Hemdchentüte, noch nicht verboten ist. Den aber haben die Großhändler der Bioläden konsequenterweise bereits aus dem Verkehr gezogen. Deswegen hält Renate Haller die Luft an, denn wegen einer Papierverknappung gibt es keine Papiertüten mehr.

An ihrem Taschenbaum hängen Papiertüten der Initiative „Kauft lokal“, weil wegen der Pandemie die gebrauchten Stoffbeutel, die dort ehemals zu haben waren, nicht genutzt werden dürfen. Der Bioladenchefin liegt das Thema Nachhaltigkeit am Herzen: Sie rät zu Pfandgläsern für Hülsenfrüchte, Nüsse; Waschmittel, Shampoo, Essig und Öl. Auch wiederverwendbare Putzhilfen sind bei ihr zu haben. Witzig: Selbst ihr Geschenkgutschein ist wiederverwertbar. Das Präsent in EC-Kartengröße ist aus haudünnem Holz und kann im Kamin verbrannt oder im Garten verbuddelt werden.

Für Andreas Pulwey, Vorsitzender der Rodgauer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland, ist Müllvermeidung ein wichtiges Thema, insbesondere von Plastikabfällen. „Wir haben alle schon grausige Fotos gesehen von Tieren, die sich in Plastiktüten verfangen haben“, sagt er. Außerdem habe jeder tote Seevogel Plastik im Magen.

Für ihn gilt deshalb bei Plastikabfällen: reduzieren, wiederverwenden und richtig entsorgen. Es gebe so viele positive Initiativen wie etwa die Obst- und Gemüsenetze in den Supermärkten, die man hundertfach wiederverwenden könne. „Es gibt viele Möglichkeiten, da gute Ideen zu entwickeln und Dinge wieder zu verwenden“, sagt er.

Elke Tomala-Brümmer von der Initiative Nachhaltig in Rodgau war gerade spazieren und ist zum wiederholten Mal entsetzt darüber, was sie an Müll im Wald gesehen hat: „Wir rauben uns die eigene Lebensgrundlage, wir machen uns selbst alles kaputt“, meint sie.

Vor allem sei die Plastiktüte völlig verzichtbar. Der Einzelne könne Stoffbeutel nutzen sowie Obst- und Gemüsenetze und in Unverpackt-Läden einkaufen. Elke Tomala-Brümmer weiß, was alles in der Natur und auf der Straße landet. Sie sammelt mit freiwilligen Helfern nämlich regelmäßig Müll ein. „Ich sehe es jeden Tag, das Schlimmste sind die Zigarettenkippen auf den Straßen“, sagt sie.

Das Thema Müllvermeidung sieht Stadtwerke-Chef Markus Ebel-Waldmann in seinem Haus hoch aufgehängt: „Das ist uns ein Herzensanliegen“, sagt er. Mit Aufklärungsarbeit, Abfallwegweisern, den Themen Mülltrennung und dem Blick auf Wertstoffe sei man aktiv unterwegs. Neue Anregungen greifen die Stadtwerke gerne auf. Deswegen unterstütze man auch Initiativen wie einen Verschenk- und Tauschmarkt in der Region.

„Unsere Stadt soll in Gänze noch sauberer werden“, sagt Ebel-Waldmann. Dazu trage etwa die mobile Stadtreinigung bei. Dies sei ein Erfolg fürs Stadtbild, auch wenn es freilich schade sei, dass solch eine Säuberungsinitiative überhaupt notwendig sei. Trotzdem aber glaubt der Stadtwerke-Boss, dass ein wenig Sensibilisierung doch bereits stattgefunden habe.

Nicht zuletzt in den Kindertagesstätten ist das Thema Abfallvermeidung ein Wichtiges: Die einzelnen Einrichtungen haben zwar ihre eignen Schwerpunkte, der Nachwuchs wächst jedoch überall mit Mülltrennung, Anregungen für die Abfallvermeidung und vielen Bastelideen fürs sogenannte Upcycling auf: Kerstin Heck von der Kita 5 berichtet von Spielhäusern aus kleineren Pappschachteln, die wie ein Legostein verwendet werden oder von Laternen und Windlichtern aus Smoothieflaschen. Außerdem sammeln die Kinder Abfall und pflanzen im Sinne der Nachhaltigkeit selbst Gemüse und Obst an. (Von Simone Weil)

Der Nachwuchs engagiert sich beim Saubermachen, wie hier im Mai 2017 in Hainhausen. Archivfoto: Wolf

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