Fäkalkeime und Nitratbelastung

Vorsicht! Brunnenwasser ist zu stark belastet

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VSR-Projektleiter Harald Gülzow (rechts) in Gespräch mit einem Rodgauer Brunnennutzer, der seine Wasserprobe mitgebracht hat.

Rodgau - Viel zu hohe Nitratwerte im Brunnenwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei Brunnenwasserproben festgestellt. Der Verein aus Geldern kurz vor der niederländischen Grenze hatte im Mai bei einer Info-Veranstaltung Proben von privaten Brunnennutzern eingesammelt.

In jeder fünften Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Im Rodgauer Brunnenwasser ist zu viel Nitrat. Diesen Schluss lassen Untersuchungen des Vereins VSR-Gewässerschutz zu. Er hatte im Mai 86 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen untersucht. In jeder fünften Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Projektleiter Harald Gülzow und Mitarbeiterin Lina Remme machen die intensive Landwirtschaft für dieses Ergebnis verantwortlich. Wie ist es im bundesweiten Vergleich einzuordnen? „Diesen Belastungsgrad stellen wir in vielen Bereichen von Deutschland fest. Es gibt Gegenden, wie etwa am Oberrheingraben bei Freiburg, da ist es nicht ganz so schlimm wie in Rodgau. Andernorts wie in Rheinhessen ist es wesentlich schlimmer“, sagt Gülzow dazu.

Die Problemgebiete hätten sich „in den letzten zehn Jahren immer weiter ausgebreitet“, erläutert der Physiker, der sich seit den 70er Jahren eingehend mit der Chemie des Wassers befasst. Der VSR-Gewässerschutz rät Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft ausschließlich ökologisch bewirtschaften zu lassen. Das sei umweltfreundlicher. Der ökologische Landbau unterwerfe sich weit strengeren Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgelegt.

Die Experten des VSR-Gewässerschutz fanden bei den Untersuchungen der Rodgauer Proben 82 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Jügesheim. Weitere von Nitrat stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Niederroden mit 67 mg/l und in Eppertshausen mit 53 mg/l fest. Das Wasser aus diesen Brunnen sei wegen Nichteinhaltung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig sei es, „dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können zu einem Fischsterben führen.“

Darm: Von Zotten und Bakterien

Von Nitrat belastetes Grundwasser führe beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung. Dies müsse in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen einbezogen werden. Nur so könne eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung im Gemüse verhindert werden. Mit dem Trinkwasser aus unseren Wasserhähnen zuhause haben die Ergebnisse des VSG-Gewässerschutz rein gar nichts zu tun. Darauf weist der Geschäftsführer des örtlichen Wasserversorgers, Bernd Petermann vom Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach, auf Anfrage hin. „Das spiegelt nicht die Situation wider, wie wir sie als Wasserversorger bei der Gewinnung von Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung erleben.“ Die Tiefenbrunnen, aus denen dieses Wasser für die Haushalte gewonnen werde, lieferten einwandfreie Messergebnisse.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Auf der Internetseite www.zwo-wasser.de sind sie nachzulesen unter dem Stichwort „Qualität“. Ein Beispiel aus der Trinkwasseranalyse für das erste Quartal 2018: Im Versorgungsgebiet Rodgau liegt der Nitratgehalt zwischen 11 und 31 Milligramm pro Liter Wasser. 50 Milligramm sind erlaubt. „Nitrat ist ein Thema. Das will ich nicht kleinreden“, sagt Bernd Petermann. „Aber wer einen Hausbrunnen betreibt, der muss wissen: Das ist kein Trinkwasser!“ Gewöhnlich lägen solche Brunnen nicht sehr tief. Das mache das Wasser anfällig für Umwelteinflüsse. Petermann rät deshalb nicht nur zur Untersuchung auf Nitrat, sondern vor allem auf Fäkalkeime. (bp)

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