Jakobsweg bringt die Rodgauer Martin Bepple und Tobias Krauße auf die Idee zu einer Hilfsaktion

Wandern und Spenden sammeln

Foto der beiden Wanderer auf dem Jakobsweg.
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Der Jakobsweg hat die Rodgauer inspiriert, etwas Gutes zu tun. Dieses

Das Ganze war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. Und so sind die beiden Dudenhöfer Martin Bepple und Tobias Krauße (beide 26 Jahre alt) in diesen Tagen auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Zu Fuß. Auf dem Jakobsweg. Und ihr Ziel ist nicht nur die Ankunft an der Kathedrale, in der die Reliquien des Apostels Jakobus begraben liegen.

Dudenhofen – „Wir hatten uns getroffen, haben auch was getrunken. Und dann den Film von Hape Kerkeling gesehen“, blickt Bepple zurück. Multitalent Kerkeling (Komiker, Autor, Sänger, Moderator), pilgerte 2001 ebenfalls auf dem Jakobsweg, 2006 schrieb er einen Bestseller darüber, der 2015 in die Kinos kam.

Das Treffen der beiden TSV-Kicker – Bepple spielt in der Kreisoberliga-Truppe, Krauße hat nach einem Unfall die Kickstiefel an den Nagel gehängt und den Posten des Stadionsprechers übernommen – fand vor rund einem Jahr stand. Dass das Ganze doch keine reine Schnapsidee war, zeigt die Tatsache, dass beide die Pilgertour nicht mehr aus den Augen verloren. Etwa bei der Urlaubsplanung: Bepple (Mitarbeiter im Rathaus) und Krauße (IT-Angestellter des Hessischen Rundfunks) legten ihren kompletten Urlaub auf die Zeit von Ende Mai bis Anfang Juli.

Bereits im Herbst absolvierten sie in Breuberg (Odenwald) eine ausgiebige Wandertour, „um einmal zu sehen, was machbar ist“, erklären die beiden – um für die täglichen 20- bis 25-Kilometer-Touren gerüstet zu sein. Von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich bis Santiago de Compostela sind es über den Camino Francés, den beliebtesten der fünf Jakobswege, rund 770 Kilometer.

Mit dem Flugzeug ging es zunächst nach Bilbao in Spanien, anschließend mit Bus und Zug zurück nach Frankreich, wo der Jakobsweg beginnt. In Navarra lernten die beiden Rodgauer gleich zu Beginn ihrer Reise das abwechslungsreiche Klima dieser nordspanischen Region kennen – starker Regen und Sonne lösen sich ab.

Als wichtigstes Utensil in ihren Rucksäcken nennen die beiden ihre Schlafsäcke. „Die braucht man in allen Herbergen“, erklärt Martin Bepple. Denn dort bekommen die Pilger lediglich Matratze und Kissen zur Verfügung gestellt. Und auch eine Kopfbedeckung hat sich angesichts der Sonnenstrahlen als sehr nützlich erwiesen. „Auf einiges hätten wir aber auch verzichten können“, meint Tobias Krauße. Da wegen der Corona-Pandemie unklar war, ob alle Herbergen entlang des Weges zugänglich sind, haben die beiden auch ein Campingzelt und Isomatten dabei. „Das merkt man schon auf den Schultern, wir haben jeder zwei, drei Kilo mehr dabei, als das üblich ist“, sagt Bepple.

„Drei bis vier Blasen an den Füßen und ein bisschen Muskelkater“, macht Martin Bepple nach einigen Tagen auf der Strecke aus. Ähnlich äußert sich Tobias Krauße: „Ein, zwei Blasen habe ich auch und die Achillessehne zieht ein bisschen. Wenn man aber erst einmal ein paar Kilometer gelaufen ist, geht es wieder.“

Als es losgeht, hat der Pilgerpfad keine echte Bedeutung für die abenteuerlustigen Rodgauer. „Wir haben gedacht, wenn wir ein bisschen schneller laufen, können wir vielleicht noch eine Woche unseres Urlaubs am Meer verbringen“, sagen die beiden. Doch sie ändern schnell ihre Meinung. Bereits am zweiten Tag werden sie in Larrasoaña derart herzlich aufgenommen – „die Unterkunft war ein Mix aus Supermarkt, Bar und Herberge, deren belgischer Betreiber seine russische Frau auf dem Camino kennengelernt hat“, schmunzelt Krauße –, dass die beiden Rodgauer nach vielen guten Gesprächen und den ersten Eindrücken beschließen, „dass wir den Camino genießen wollen“. Auch ohne die Aussicht auf eine Woche Urlaub am Meer.

Offiziell ist die Strecke in 32 Etappen unterteilt, Ende des Monats wollen die Rodgauer ihr Ziel erreichen, mit dem Flugzeug soll es dann zurück in die Heimat gehen.

Über Instagram verfolgen Familie und Freunde das Abenteuer der Rodgauer. Und die haben mit Blick auf das Interesse an ihrem Unternehmen eine Idee und wollen mit ihrer Pilgertour helfen: Bekanntlich ist der TSV Dudenhofen seit einigen Jahren eng mit der Spendenorganisation Mainlichtblick verbunden. „Auch wir wollen einen Kinderwunsch erfüllen“, erklären Bepple und Krauße. Der zweijährige Liam leidet seit seiner Geburt an einer schweren Rumpfhypotonie (Mangel an Muskelspannung). Eine erste Schnupperstunde auf einem Pferd erweist sich als sehr hilfreich, die Rodgauer wollen ihm nun mit ihrem Spendenaufruf zu einer Reittherapie (Kosten etwa 500 bis 600 Euro) verhelfen. Pro Kilometer einen Cent, dann sind das für unseren Weg 7,69 Euro“, rechnen sie vor. Das sollte für jeden Spender machbar sein. „Wir wollen etwas Gutes tun“, sagen Bepple und Krauße nach nur wenigen Tagen über ihre Wanderung. Und das nicht nur für sich selbst.

Wollen Sie online spenden? Dann klicken Sie hier. (Von Patrick Leonhardt)

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