Heimatverein Weiskirchen

Jügesheim ist älter als geglaubt: Akte mit Ersterwähnung von 1255

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Volker Böres (Mitte, stehend) zeigte beim Tag der offenen Tür auch eine Landkarte von 1550 mit falschem Rodauverlauf. 

Der Rodgauer Stadtteil Jügesheim ist älter als angenommen. Gesichert war bisher die Ersterwähnung im Jahr 1261.

Weiskirchen – Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen haben im Staatsarchiv Würzburg jetzt aber eine Urkunde des Klosters Schmerlenbach aus dem Jahr 1255 entdeckt, in der Jügesheim schon erwähnt wird. Diese Überraschung war gestern Bestandteil eines ausführlichen Vortrags von Volker Böres. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende referierte im alten Spritzenhaus, dem Heimatmuseum und Stammsitz des 1985 gegründeten Vereins, zum Tag der offenen Tür über die Arbeit des Vereins.

Böres schilderte den interessierten Gästen, wie akriebisch das Donnertagsteam mit Helmut Trageser, Martin Häfner, Arnold Haag, Erhard Stephan, Hans Busch und Bärbel Horch Akten in diversen Archiven sichtet, vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt (hierfür ist Arnold Haag Spezialist), daraus Erkenntnisse etwa über die Zusammensetzung der Bevölkerung, über die ausgeübten Berufe oder auch die Höhe von Abgaben gewinnt – und letztlich die Ortsgeschichte Weiskirchens und der ehemaligen Filialdörfer Jügesheim, Hainhausen und Rembrücken dokumentiert. Eigentlich wollten Böres & Co. gestern eine Kopie der Jügesheimer Urkunde mit der kleinen Sensation an den Vorsitzenden des Heimatvereins Jügesheim, Josef Herbert Spahn, übergeben. Er ist aber erkrankt. „Also holen wir das nach.“

Was macht der Verein noch? Er bewahrt Brauchtum mit mehreren Festen, betreibt das Heimatmuseum, bietet dort wechselnde Themenausstellungen und mehrfach im Jahr Sonderausstellungen an, betreibt Familienforschung und veröffentlicht Bücher. Quellen für die Detektiv- und Forschungsarbeit sind Staatsarchive, Kirchenbücher und immer mehr auch im Internet verfügbare Informationen.

Böres garnierte seinen fundierten Vortrag mit geschichtsträchtigen Ereignissen, die Weiskirchen betrafen. Etwa die Verteidigung der Burg Steinheim gegen eine Übermacht des Schwedenkönigs Gustav Adolf im November 1631. Dazu hatte der Heimatverein Militärakten im Mainzer Regierungsarchiv und im Staatsarchiv Würzburg ausgewertet. Aus Namenslisten rekrutierter Soldaten geht hervor, dass 34 Weiskircher bei der Verteidigung von Steinheim mitwirkten. Sie bildeten das zweite Zentfähnlein Nieder-Roden mit insgesamt 200 Musketieren. Nach drei Tagen mussten auch sie sich ergeben. Auch Kurioses fand in Böres’ Referat Platz: Zum Beispiel eine Landkarte von 1550 mit falsch eingezeichnetem Verlauf der Rodau.

Der Referent wagte überdies einen Blick in die Zukunft. Die Digitalisierung des Archivbestands wird viel Zeit verschlingen. Das Bildarchiv (derzeit 3000 Aufnahmen) soll ausgebaut werden. Details aus Kirchenbüchern werden übertragen in eine Datenbank. Im Blick hat der Verein aktuell eine Dokumentation des Jüdischen Lebens. Die Akten dazu weisen eine markante Lücke auf. Im Alt-Archiv der Stadt Rodgau im Keller des Bürgerhauses Dudenhofen fehlen sämtliche Papiere dazu, die Dudenhofen betreffen. „Die muss einer mitgenommen haben. Man sieht im Schrank eine Lücke“, bedauert 1. Vorsitzender Helmut Trageser.

Überdies plant der Verein eine geomagnetische Bodenuntersuchung am ehemaligen Kloster Patershausen. „Wir vermuten dort den Standort des in der Ersterwähnung Weiskirchens von 1215 genannten Hofes in der Nähe der ehemaligen Landwehr zwischen Weiskirchen und Hainhausen.“ Sollte die Untersuchung Erfolg versprechen, folgen Grabungen.  bp

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