„En Haufe Leut“ unterhält im Freien

Witziges Stationen-Kabarett im Rodgauer Park

Menschen im Park
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Interna aus dem Rathaus wurden bei der Talkshow von Julien Grimm und Marvin Kühne verraten.

Im Rodau-Park wurde am Samstag im Zehn-Minuten-Rhythmus fleißig rotiert. Beim Rodgauer Stationen-Kabarett von „En Haufe Leut“ gab es unter dem Motto „Mit de ganz Korona an die Bach“ über den Park verteilt acht Zonen mit jeweils bis zu 20 Zuschauern. Das bedeutete auch acht Auftritte für die Ensemble-Mitglieder.

Jügesheim – Die Kabarettgruppe ist überwiegend auch in der Fastnacht aktiv. Da kommt es schon mal vor, dass man an einem Abend nicht nur bei der eigenen, sondern zusätzlich auch noch bei der Sitzung eines befreundeten Vereins auf der Bühne steht. Aber acht zehnminütige Auftritte hintereinander seien schon eine „echte Herausforderung“, sagte „En Haufe Leut“-Chefin Claudia Wenhardt. Zwischen den Stationen gab es jeweils einen fliegenden Wechsel.

Insgesamt 150 Zuschauer durften in den Park. Bei den beiden noch folgenden, ebenfalls ausverkauften, Vorstellungen am kommenden Wochenende wird es ähnlich sein. Wobei das mit den 150 Zuschauern gar nicht stimme, hatte Marcel Rupp festgestellt. Er bediente sich lieber der Zählweise der Organisatoren der Querdenker-Demo in Berlin, die aus den von der Polizei geschätzten 20 000 Teilnehmern 1,3 Millionen machten. Folglich hätten am Samstag 50 000 Zuschauer den Rodau-Park bevölkert.

Rupp hatte eine weitere Verschwörungstheorie mitgebracht: Corona sei eine Erfindung der Optiker und Hörgerätehersteller. Vor einem Supermarkt habe er beobachten können, dass bei vielen Brillenträgern und Hörgerätebesitzern nach erfolgtem Einkauf beim Absetzen der Maske der „ganze Krempel“ mit runter gefallen ist.

Tanja Rossbach und Elena Smoydzin, deren Texte Katja Schweppe geschrieben hatte, spannten den weiteren Bogen von der Bill Gates-Weltverschwörung zum zeitweiligen FKK-Verbot am Nieder-Röder Badesee. Den 60. Geburtstag nahm Harald Mahr zum Anlass, humorvoll auf sechs Jahrzehnte zurückzublicken. Man müsse in diesem Alter nichts mehr beweisen, meinte Mahr, um Vor- und Nachteile nachzuschieben. „60 ist wie eine neu gewonnene Freiheit, aber auch die Schwelle zum Greisentum.“ Peter Otto widmete sich unter anderem der Bildung in Corona-Zeiten und berichtete anschaulich von den Tücken von Homeschooling und Videokonferenzen.

Sven Johann Stripling überzeugte nicht nur mit seinen Songs, er imitierte unter anderem auch ein Zwiegespräch zwischen einem Corona-Leugner und einer vernünftigen Stimme. Laurens Tauber lobte das Engagement für „Fridays for Future“ durch junge Leute, „die sich einmischen, Haltung zeigen, gehört werden wollen und die nicht mehr nur mitreden, sondern auch mitbestimmen wollen.“ „Es geht um eure Zukunft, nehmt daran teil“, sang Tauber folglich.

Mit der Demaskierung habe es nach der Fastnacht nicht so ganz funktioniert, merkte Stefan Schmidt an. An die Mund-Nasen-Bedeckung habe er sich aber mittlerweile gewöhnt. Diverse Verschwörungstheoretiker und ein US-Präsident bekamen von Schmidt ordentlich ihr Fett weg. Eine Talkshow mit einem engen Bürgermeister-Mitarbeiter als Gast inszenierten Julien Grimm und Marvin Kühne. Rodgauer Mobiltätskonzepte waren eines der Themen. Nobi Goergen nahm die Besucher kleidungstechnisch mit auf Zeitreise durch die Jahrtausende.

Die Ensemble-Mitglieder stellten sich der Corona-Herausforderung: „Der erste Auftritt ist immer der schönste vom Nervenkitzel her“, sagte Marvin Kühne, nachdem er mit Julien Grimm alle acht Stationen bespielt hatte. Zwischendrin müsse man die Spannung immer hoch halten. Kühne gefiel der engere Kontakt zum Publikum. Im Saal sehe man das Publikum wegen der Scheinwerfer oft nicht richtig. „Hier sieht man dagegen genau, wer nicht lacht“, meinte Kühne. Diese Personen waren am Samstag aber die Ausnahme. (Von Sascha Eyßen) 

Tanja Rossbach und Elena Smoydzin reden von der Weltverschwörung bis zum FKK-Verbot am Badesee.
Schlussapplaus an Station zwei für Nobi Goergen.

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