Böse Stolperfallen in Rodgau

Wurzeln drücken Rodgauer Geh- und Radwege hoch

Gefährlich: Hoch gedrückte Gehwegplatten in der Rathenaustraße. Vielleicht wird es im Zuge der geplanten Kanalsanierungen eine Besserung geben.
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Gefährlich: Hoch gedrückte Gehwegplatten in der Rathenaustraße. Vielleicht wird es im Zuge der geplanten Kanalsanierungen eine Besserung geben.

Wurzelschäden auf Geh- und Radwegen sind in Rodgau ein Dauerthema. Etwa auf dem Bahnpfädchen Richtung Hainhausen oder in der Rathenaustraße in Jügesheim. Die Stadtwerke sitzen jetzt an einem Konzept zur Sanierung beschädigter Stellen. Einfließen sollen darin Vorschläge der Uni Hannover.

Rodgau - Hoch stehende Gehwegplatten und aufgewölbter Asphalt sind ein besonderes Ärgernis für Fahrradfahrer und Fußgänger. Da durch die Corona-Pandemie noch viel mehr Menschen das Radeln und Spazieren gehen für sich entdeckt haben, weil es ein harmloses und gleichzeitig gesundes Freizeitvergnügen ist, fallen auch immer mehr Bürgern schlechte Wegstrecken auf. Deswegen sind auch die durch Baumwurzeln verursachten Holperrouten auf Radwegen und Bürgersteigen immer wieder Thema (wir haben berichtet).

Weil die Schäden in allen Kommunen bundesweit immens sind, wird freilich auch geforscht zum Thema. Die Diplom-Ingenieurin Dr. Sabine Reichwein etwa beschäftigte sich an der Uni Hannover mit dem „Umgang mit Baumwurzeln unter Wegbelägen aus bau- und vegetationstechnischer Sicht“. Sie weiß, dass Wurzeln grundsätzlich jeden Platz nutzen, um sich auszubreiten. Klingt banal, ist es aber nicht. Schließlich geht es nicht ohne Bäume. Gerade in Zeiten des Klimawandels spielen die eine immer wichtigere Rolle. Abholzen ist also keine Alternative. Was aber tun? Die Expertin nennt in einem wissenschaftlichen Beitrag verschiedene Aspekte, die zusammen ein Paket zur Schadensvermeidung bilden können. Ein Jügesheimer, der täglich nach Offenbach zur Arbeit radelt und unter den Holperstrecken leidet, wurde aufmerksam auf ihre Forschung und hat eine Zusammenfassung mit dem Umweg über unsere Zeitung an die Stadtwerke Rodgau weitergeleitet. Dort arbeiten nun die Tiefbauabteilung und die städtische Abteilung Stadtplanung an einem Sanierungskonzept für den Radweg Hainhausen. Die Ausführungen von Dr. Sabine Reichwein würden dabei berücksichtigt, versichert Stadtwerke-Betriebsleiter Stefan Lambert. Bei den Erkenntnissen der Fachfrau geht es um drei Punkte, die gleichzeitig und gleichwertig beachtet werden sollten. Nur dann sei die Reduzierung von Schäden möglich. Bei den Ansätzen zur Prävention bei Neupflanzungen von Bäumen gehe es um eine präzise Abstimmung der Baumgröße auf den jeweiligen Standort. Bei der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Straßenbaums von etwa 60 Jahren müsse also dessen Entwicklung beziehungsweise dessen Wachstum schon bei der Pflanzung berücksichtigt werden.

Darüber hinaus gelte es zu beachten, dass es einen hinreichend großen Wurzelraum sowie einen entsprechenden Pflanzstreifen oder eine Baumscheibe gibt. Außerdem lasse sich der Oberbau der Wege so gestalten, dass er wurzelabweisend ist.

Zu den Möglichkeiten der Sanierung von Schäden zählt die Fachfrau in begrenztem Umfang das Entfernen von Wurzeln und die Entsiegelung der Wegefläche. Außerdem könne eine sogenannte Überpflasterung nach Auftrag einer Sandschicht vorgenommen werden. Flexible Wegebaustoffe, Wurzelbrücken sowie Wurzelüberbauungen oder gar Wurzelumbettungen zählten zu den weiteren Möglichkeiten.

(Von Simone Weil)

Nicht nur Gehwegplatten, sondern auch Bordsteine werden durch Baumwurzeln in Schieflage gebracht.

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