Zeitverzögerte Zündung

Feuer in Rodgauer Schule: Ursache steht fest

Die geschmolzenen Papierkorbreste.
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Die geschmolzenen Papierkorbreste.

Nach dem Feuer in der Georg-Büchner-Schule in Rodgau (Kreis Offenbach) war die Kripo in dem verrauchten Chemiesaal. Ergebnis: Brandstiftung ist ausgeschlossen.

Rodgau – Schon im Flur des naturwissenschaftlichen Trakts riecht es nach Rauch. Im Chemieübungssaal wird dann das ganze Ausmaß des Brandes deutlich. Auf dem Boden liegen zerschmolzene Reste des Papierkorbs, die Decke darüber ist tiefschwarz von Ruß.

In der Decke klafft ein Loch. „Dort hat die Feuerwehr nach Brandnestern gesucht“, erläutert Schulleiter Volker Hildebrandt. „Es wird sicher eine Weile dauern, bis wir den Raum wieder benutzen können. Es kommt ganz darauf an, wie schnell sich Handwerker finden.“ Die Putzkolonne ist allerdings schon bestellt.

Hier suchte die Feuerwehr Brandnester.

Feuer in Schule im Kreis Offenbach: Übungsraum am stärksten betroffen

Dank Brandschutztüren, an deren Fuß sich Gummilippen bis zum Boden senken, sobald sie verschlossen sind, konnte der Rauch nicht ungehindert in die benachbarte Chemiesammlung und weitere angrenzende Chemiesäle ziehen, sodass lediglich der eine Übungsraum am stärksten betroffen ist.

Volker Hildebrandt war am Freitag (26.11.2021) der Erste, der die Gefahr wahrgenommen hat. Der Unfall platzte mitten in die Pause einer Prüfung zum zweiten Staatsexamen, als der Schulleiter vom Hauptgebäude aus über eine Brücke den naturwissenschaftlichen Trakt betrat. Die Referendarin sollte im Berufsvorbereitungsraum der Schule unweit der Chemiesäle gerade den mündlichen Teil der Prüfung absolvieren, nachdem sie ihre Unterrichtsprobe in Deutsch und Geschichte schon hinter sich gebracht hatte. Daraus wurde zunächst nichts.

Es wird eine ganze Weile dauern, bis der verqualmte Chemieübungsraum wieder benutzt werden kann.

Brand in Rodgau: 1000 Schüler evakuiert

„Es roch nach verkohltem Papier. Ich bin durch die Chemiesammlung zum Übungsraum gegangen, habe die Tür vorsichtig geöffnet und gesehen: Da ist ja alles rabenschwarz“, erzählt der Pädagoge. Im Saal war zu diesem Zeitpunkt schon niemand mehr. Sofort suchte Hildebrandt die anderen Räume ab, schickte zusammen mit Kollegen Jugendliche ins Freie, dann löste der Feueralarm aus. Der Zeitpunkt hierfür war aus purem Zufall unglücklich, denn der Alarm und der Gong zur Pause fielen fast zusammen. Bedeutet: Kinder und Jugendliche hatten die Klassenräume teils schon verlassen und liefen dann unbeabsichtigt in die Anfahrtswege der Feuerwehr, die mit großem Geschirr anrückte. „Den Ernstfall kann man dann eben doch nur begrenzt proben“, kommentiert der Schulleiter die Situation. Es verließen bei der insgesamt geordnet verlaufenen Evakuierung gut 1000 Schüler das Gebäude.

Was war im Chemiesaal passiert? Hildebrandt zufolge machten die Schüler einen „Standardversuch“. Der Oberfläche einer kupfernen Centmünze sollte unter Verwendung von Zinkpulver, Natronlauge, Wasser und Hitze ein goldener Messingüberzug verliehen werden. Reste des Versuchs hätten sich dann nach dem Saubermachen des Versuchstischs im Papierkorb selbst entzündet. Schüler und Lehrkraft hatten da schon längt den Saal verlassen. Niemand wurde verletzt.

Die Referendarin, übrigens, bestand ihre Feuertaufe trotz aller Aufregung. Die neue Lehrerin bewies Nervenstärke und bestand am Freitagnachmittag nach der langen Zwangspause und dem Feuerwehreinsatz auch den Rest ihrer Prüfung. (Bernhard Pelka)

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