Sogar Wirte bitten um Besuch des Ordnungsamtes

Rödermark: 2 500 Hygienekonzepte geprüft

Julia Akinwale, die Chefin des Ober-Röder Sportstudios „GuFie“, hatte den Trainingsbetrieb gleich mit dem ersten Lockdown eingestellt und Kameramann Andreas Kömmerling gebeten, Videos fürs Training daheim zu drehen. Auch dazu hatte das Ordnungsamt sein Okay gegeben.
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Rödermark: Julia Akinwale, die Chefin des Ober-Röder Sportstudios „GuFie“, hatte den Trainingsbetrieb gleich mit dem ersten Lockdown eingestellt und Kameramann Andreas Kömmerling gebeten, Videos fürs Training daheim zu drehen. Auch dazu hatte das Ordnungsamt sein Okay gegeben.

Corona hat den Männern und Frauen im Ordnungsamt reichlich Mehrarbeit beschert. Den dicksten Brocken haben sie in aller Stille erledigt – die Prüfung von Hygienekonzepten. Seit die ersten Vorschriften von Bund, Land oder Kreis zur Eindämmung der Pandemie Mitte März auch in Rödermark umgesetzt werden mussten, haben Fachabteilungsleiter Christian Runkel und seine Leute fast 2 500 dieser Konzepte gecheckt und bei Bedarf die Veranstalter auch beraten.

Rödermark - Die Spanne reicht von privaten Geburtstagsfeiern mit Gästen – ja, die waren voriges Jahr zeitweise noch erlaubt – bis hin zu den publikumsträchtigen Sommer-Biergärten von Turnerschaft und Germania Ober-Roden, erläutert Ordnungsdezernentin Andrea Schülner. Die meisten Anträge kamen aus der Gastronomie: Fast alle Rödermärker Wirte hätten um den Besuch von Runkel oder einem Kollegen gebeten.

Und die Fragen gingen ins Detail. Der Fachabteilungsleiter war zum Beispiel überrascht, welche Probleme die Anordnung „Die Tische müssen 1,50 Meter auseinanderstehen.“ aufgeworfen hatte. Gilt der Abstand von Mitte zu Mitte? Oder sind die Kanten maßgeblich? Ist bei den Stühlen der Durchschnittsbürger als Maß aller Dinge? Müssen am Ende gar die beiden dicksten Gäste corona-konform an ihren Platz gelangen? Profi- und Vereinswirte seien „alle sehr kooperativ“ gewesen, lobt Erste Stadträtin Schülner das Verständnis für den Infektionsschutz. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen die Unzufriedenheit mit dem Corona-(Miss-)Management wächst.

„Das ist eine freiwillige Serviceleistung der Stadt, die wir gerade in diesen Zeiten den Bürgerinnen und Bürgern, vor allem auch den Gewerbetreibenden gerne anbieten“, sagt Andrea Schülner zur Prüfung der Hygienekonzepte. Vielleicht gerade deshalb komme es aber immer wieder zu Missverständnissen, vor allem, was die Zuständigkeiten anbelangt. „Die Abteilungen der Stadtverwaltung Rödermark – hier im speziellen der Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung – sind grundsätzlich keine Genehmigungsbehörde im Rahmen der Corona-Verordnungen“, so Stadträtin Schülner. „Unser Ordnungsamt ist eine reine Vollzugsbehörde. Das heißt, hier werden die aktuell geltenden Bestimmungen überwacht und durchgesetzt.“

Die übersandten Hygienekonzepte werden „nur“ auf inhaltliche Vollständigkeit und auf Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen überprüft. „Alles, was darüber hinausgeht, liegt ausschließlich im Entscheidungsbereich der Veranstalter und muss von diesen auch vertreten werden“, stellt Schülner klar.

Mit der Prüfung allein war die Arbeit aber nicht getan. Gelegentlich mussten die Ordnungspolizisten wegen blinder Alarme ausrücken. „Dort wird Sport gemacht“, meldete ein Anrufer einen angeblichen Corona-Verstoß aus dem Sportstudio „GuFie“. Dabei ließ Inhaberin Julia Akinwale Filme für das Training zuhause drehen – beantragt und genehmigt. Auch bei einer Shisha-Bar in Ober-Roden stand die Stadtpolizei vor der Tür. Musik hatte Passanten hellhörig gemacht und an eine verbotene Party denken lassen. Dabei dröhnte dort Hip-Hop, damit Handwerker Unterhaltung hatten: Der Wirt hatte die fällige Renovierung in den Lockdown vorgezogen.

Viel Zeit nahm in Frühjahr und Sommer die Kontakt-Nachverfolgung von Corona-Verdachtsfällen in Anspruch. Eine positiv getestete Seniorin blieb über Tage nicht auffindbar, schildert Dezernentin Schülner ein Beispiel. Telefonanrufe liefen ins Leere, beim Klingeln öffnete niemand. Kein Wunder: Die alte Dame wusste nichts von der Infektion und ging munter weiter einkaufen. (Michael Löw)

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