Der „Cold Case“ Lange beschäftigt „Aktenzeichen XY ungelöst“

Rödermark: 60 neue Hinweise auf Doppelmörder

„Cold Cases“ sind spektakuläre Verbrechen, die die Polizei auch nach Jahren oder Jahrzehnten nicht klären konnte. Der Mord an Zohre und Claus Lange im März 1999 in Rödermark ist so ein „kalter Fall“. Am Mittwochabend suchte die Kripo Offenbach im ersten Special des Klassikers „Aktenzeichen XY ungelöst“ nach dem eiskalten Killer vom Breidert.

Rödermark - Wer hat die Frauenärztin Zohre Lange und ihren Mann Claus vor mehr als 21 Jahren umgebracht? Knapp 60 neue Spuren verfolgt die Mordkommission des Polizeipräsidiums Südosthessen, nachdem Kriminalhauptkommissar Stefan Racic in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ über den „Cold Case“ berichtet hatte.

Rödermark gelangte am Mittwochabend im Fernsehen zu zweifelhafter Berühmtheit. Denn der Doppelmord war der erste Beitrag im ersten Special des Klassikers „Aktenzeichen XY ungelöst“. „Das ist die letzte Chance, dieses grausame Verbrechen doch noch aufklären zu können“, stieg Moderator Rudi Cerne entsprechend dramatisch ein.

Eher melodramatisch beginnt der Film über den Doppelmord, der Ende März 1999 geschah: „Ab morgen essen wir wieder normal“, tröstet Zohre Lange ihren Mann nach Tagen des Fastens. Das Ehepaar hat zu diesem Zeitpunkt nur noch 24 Stunden zu leben. Die heile Welt eines gut situierten Paares aus dem Breidert bekommt schon am nächsten Morgen Risse. Patientinnen beschreiben die Frauenärztin als „ungewöhnlich hektisch und nervös“.

Ein paar Einstellungen später fotografieren Polizisten in weißen Einmal-Overalls eine Frauenleiche mit durchschnittener Kehle und Stichen im Rücken. Im Fitnesskeller liegt ihr Mann – erschlagen, den Kopf notdürftig zugedeckt.

„Aktenzeichen XY“ spekuliert am Mittwochabend erstmals über ein Sexualverbrechen. Und der Hinweis, dass Zohre Lange im Iran geboren wurde und in Moskau aufwuchs, lässt ebenfalls Raum für allerlei Mutmaßungen. Doch sowohl Fernsehkommissar Riedel als auch Stefan Racic, der von Anfang an der „Soko Breidert“ angehörte, ermitteln in eine ganz andere Richtung: War der Mord die Rache für eine verpfuschte Abtreibung oder Ähnliches?

Der echte Polizist nimmt 1999 Speichelproben von fast 2500 Männern aus dem Umfeld von Zohre Langes Praxis. Doch selbst der DNA-Massentest bringt die Mordkommission nicht weiter. Auch nicht im Jahr 2011, als das Landeskriminalamt DNA-Spuren eines unbekannten Mannes am Körper der Ermordeten findet und mit den alten Proben vergleicht.

Die meisten der insgesamt 6 000 Spuren und Hinweisen enden im Nichts.

21 Jahre nach der Tat setzen Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Hoffnungen unter anderem auf eben diese DNA-Spur. Bessere Technik könnte zu einem Treffer in einem Polizeicomputer führen. Denn Ermittler Racic ist sicher: „So ein Täter ist selten ein unbeschriebenes Blatt.“ Wer auf der einen Seite wütend-brutal tötet und andererseits eiskalte neben dem ersten auf das zweite Opfer wartet, ist in der Regel schon durch Gewalt-, Sexual- oder Eigentumsdelikte aktenkundig geworden.

Ansatz Nummer zwei sind Details über die Tat, die die Polizei über die Jahre aus taktischen Gründen nicht groß nach außen trug: etwa die Tatwaffe Messer.

Raubmord ist offenbar kein großes Thema. Zwar verschwanden damals eine teure Damenarmbanduhr und eine wertvolle Goldkette, aber auch die Brillen der Ermordeten und ihre Kreditkarten, die nach der Tat jedoch nicht mehr benutzt wurden.

Nach „Aktenzeichen XY“ sind ausgerechnet Hinweise auf die Uhr solche, die Kriminalhauptkommissar Stefan Racic gestern in die Kategorie „gehaltvoll“ einordnete. Weitere Anrufe oder E-Mails gingen zur Rache-Theorie oder vergleichbaren Verbrechen der vergangenen 30 Jahre ein.

Und Racic hofft auf Mitwisser, die sich der Polizei offenbaren: „Wie lange kann ein Mörder sein Geheimnis mit sich herumschleppen?“ Irgendwann muss sich selbst ein Schwerverbrecher mit unüberlegten Bemerkungen um Kopf und Kragen reden.

Hinweise gesucht

Wer etwas über den Doppelmord vom 25. März 1999 weiß, erreicht die Kripo in Offenbach unter 069 8098-3456. Sie hat 5 000 Euro Belohnung ausgesetzt. (Michael Löw)

Das ZDF hat den Doppelmord an Zohre und Claus Lange nachgestellt. Die Szene aus „Aktenzeichen XY – Cold Cases“ lässt die Brutalität des Täters erahnen.

Rubriklistenbild: © Löw

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