Woran Bürger sich stoßen

Abgestorbene Bäume, verrottetes Friedhofstor: Ärger alle paar Meter

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Die meist älteren Boulespieler aus dem Breidert fühlen sich durch die Umgestaltung des Mehrgenerationenspielplatzes am Maiglöckchenpfad – je nach Sichtweise – eingesperrt oder ausgegrenzt.

Rödermark - Oft sind’s kleine Dinge, die Bürger aufregen. Ihnen fallen tote Bäume oder Falschparker auf. Oder sie stören sich an Baustellen, die sie behindern. Von Michael Löw 

Gerne machen sie die Stadt verantwortlich – was Bürgermeister Roland Kern weder auf sich noch auf den Kollegen der Verwaltung sitzen lässt. Wir haben Beschwerde und Gegenrede Stück für Stück aufgedröselt.

Rödermark wirbt in Broschüren oder auf offiziellen Briefbögen für sich als ebenso lebens- wie liebenswerte Stadt und ausgezeichneter Wohnort für Fach- und Führungskräfte. Oskar Rembow aus Urberach und Helmi Berker aus Ober-Roden sind der Meinung, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft.

  • Baumsterben: 17 von 60 Bäumen in der Pestalozzistraße sind zu großen Teilen verdorrt oder tot, klagt Oskar Rembow. Das habe nichts mit der aktuellen Hitze zu tun: „Ich habe das schon 2017 moniert!“ 17 hochgradig geschädigte Bäume suchte unter anderem der Bürgermeister vergebens. Seine Zählung: „Es handelt sich um vier trockene Bäume, die umgehend entfernt werden. Drei weitere sind krank oder beschädigt und sollen im Herbst gefällt werden.“
  • Parkplatz-Blockierer: Am Urberacher Festplatz zeigen inzwischen an allen Einfahrten Schilder, dass dort ausschließlich Pkw parken dürfen. Oskar Rembow und andere Bürger beobachten dort aber immer noch Transporter und Wohnwagen sowie vorige Woche auch Schrottautos ohne Zulassung. „Warum unternimmt das Ordnungsamt nichts?“, fragt er empört. Die Stadtpolizei kontrolliert alle paar Tage, hält Kern dagegen. Seine Mitarbeiter zeigen die Halter widerrechtlich geparkter Fahrzeuge an und verhängen Bußgelder, die auch bezahlt würden. Danach seien Sprinter und Anhänger verschwunden. Abschleppen darf das Ordnungsamt aber nur, wenn die Falschparker eine erhebliche Gefahr oder eine erhebliche Verkehrsbehinderung darstellen.
    Vorher muss versucht werden, den Halter zu ermitteln und diesen aufzufordern, innerhalb einer angemessenen Frist das Fahrzeug zu entfernen. Dass das Zusatzschild „Nur für Pkw“ missachtet wird, ist kein Festplatz spezifisches Problem, sondern ein weiteres Indiz für die miese Verkehrsmoral. „Es ist ein mühsames Geschäft“, beschreibt der Rathaus-Chef die Arbeit der städtischen Polizisten.
  • Türöffner: Das Haupttor am Friedhof Urberach lässt sich schon lange nicht mehr schließen, hat Oskar Rembow festgestellt und dabei gesehen, dass die Friedhofsordnung noch aus den Zeiten der Gemeinde Urberach stammt, die ihre Selbstständigkeit bekanntlich vor mehr als 40 Jahren verloren hat. Friedhofstore werden laut Bürgermeister Kern grundsätzlich nicht zugeschlossen. Folglich stelle ein defektes Schloss auch keine Beeinträchtigung dar. Im Herbst will die Stadt jedoch die Friedhofsmauer sanieren. Dann baut sie auch ein neues Tor ein.
  • Boulebahn-Blockierer: Helmi Berker geht mit der Stadt hart ins Gericht. Sie habe die Idylle am Mehrgenerationenspielplatz Maiglöckchenpfad zerstört und den 10 bis 14 Freitags-Boulern aus dem Breidert das Hobby vermiest. Alte Bäume, die Schatten spendeten, mussten fallen, Lastwagen karrten tonnenweise Geröll heran und türmten es am Rand der Boulebahn zu einem vier Meter hohen Sandhügel auf. Oben thront ein Aussichtsturm für Kinder, am Gelände hängt ein großes Schild „Auch Kinder haben Rechte“, und ein drei Meter hoher Metallzaun umgibt den Spielplatz.

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Angesichts dieser Beobachtungen drängen sich für Helmi Berker viele Fragen auf: „Welches Kind hat sich das gewünscht? Wer hat den Platz verunstaltet? Wer geht so mit unserem Geld um?“

Der schon lange geplante zweite Bauabschnitt des Spielplatzes beeinträchtigt die Boulespieler „nicht wirklich“, sagt Bürgermeister Roland Kern. Seiner Ansicht nach steht dem wöchentlichen Boulen nichts im Wege. „Der aufgeschüttete Hügel (für die Seilbahnkonstruktion und die Rutsche) ist an der höchsten Stelle etwa 2,50 Meter hoch, der Bauzaun zwei Meter.“ Das Schild „Kinder haben Rechte“ hat die Jugendabteilung angebracht. Darüber habe sich noch keine beschwert. Schließlich habe die Stadt einen Mehrgenerationenplatz angelegt.

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