Lange Wege zur Wache verschärfen das Problem

Vor allem tagsüber fehlt’s der Feuerwehr an Personal

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Die Stadt kann’s nicht länger aussitzen wie der Gaukler auf dem Festplatz: Das 1966 eingeweihte Urberacher Feuerwehrhaus muss modernisiert werden. Die Frage ist nur, in welchem Umfang.

Rödermark - Das Urberacher Feuerwehrhaus und zu wenig Personal bei Einsätzen tagsüber bereiten dem Magistrat und Stadtbrandinspektor Herbert Weber den größten Kummer. Die Modernisierung des Fuhrparks sehen sie dagegen auf einem guten Weg. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem neuen Brandschutzbedarfs- und -entwicklungsplans. Von Michael Löw

82 Seiten dick ist der aktualisierte Brandschutzbedarfs- und -entwicklungsplan (BEP), den Vertreter von Feuerwehr, Parlament und Magistrat vorgelegt haben. Das Papier ist Bestandsaufnahme, Mängelliste und Perspektivplan in einem. Die Feuerwehr Rödermark kann 137 Männer und Frauen in Marsch setzen - 83 in Ober-Roden, 54 in Urberach. Diese stattliche Mannschaft schrumpft gewaltig, wenn die Alarmpiepser tagsüber losgehen, wenn die freiwilligen Helfer bei der Arbeit sind. Nur 28 Einsatzkräfte der Ober-Röder und 10 der Urberacher Feuerwehr haben einen Job in Rödermark. „Durch Montagearbeiten, Kundendienst oder aus innerbetrieblichen Gründen ist nicht immer gewährleistet, dass alle bei einem Alarm ausrücken können“, warnt die Feuerwehr. Mitglieder auswärtiger Feuerwehren, die in Rödermark arbeiten und mit ausrücken, haben die Situation etwas entspannt. Bei Großbränden oder schweren Unfällen werden grundsätzlich beide Stadtteilwehren alarmiert.

Die gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten kann aber noch aus anderen Gründen zum Problem werden. Von den vorgeschriebenen zehn Minuten gehen in Ober-Roden sechs und in Urberach vier Minuten für die Anfahrt zum Feuerwehrhaus verloren. Dazu kommen 60 Sekunden fürs Umziehen und Losfahren. In der verbleibenden Zeit können die Fahrzeuge aus Urberach 3,5 und die aus Ober-Roden 2 Kilometer zurücklegen. Sofern sie nicht vor herunter gelassenen Bahnschranken stehen. Die meisten Straßen im Breidert liegen aber außerhalb dieses 2000-Meter-Radius.

„Unter den momentanen personellen Bedingungen rückt das erste Fahrzeug in der Regel mit weniger Personal als erforderlich zur Einsatzstelle aus“, steht im BEP. Im Klartext: Um die Hilfsfrist einzuhalten, riskieren die freiwilligen Retter ihre eigene Gesundheit. Mehr Hauptamtliche bedeuten natürlich mehr Sicherheit. Doch die Schutzschirmkommune Rödermark darf ihren Stellenplan nicht ausweiten. Immerhin: Die vierte Hauptamtlichen-Stelle wird nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern nicht gestrichen, wenn Brandschutzsachbearbeiter Waldemar Schrod in Rente geht.

Fotos zum Tag der offenen Tür im Gefahrenabwehrzentrum

Gute Nachrichten gibt’s in Sachen Fahrzeuge. Drei von vier Neuanschaffungen hat das Regierungspräsidium genehmigt: Gerätewagen Gefahrgut und Logistik sowie ein Löschfahrzeug. Viel Handlungsbedarf besteht hingegen bei den Feuerwehrhäusern. Die Wache in der Kapellenstraße bekommt endlich die seit Jahren geforderten Umkleide- und Sanitärräume für Frauen. Die sogenannte Schwarz-weiß-Trennung - also Räume, um verschmutzte oder schadstoffbelastete Einsatzkleidung zu isolieren - fehlt nach wie vor.

Die Mängelliste in Urberach ist viel länger. Zwar schafft die Stadt in einigen Wochen Umkleiden und Duschen für Frauen und Jugendliche, dafür fallen Gruppenräume weg. Die Elektrik ist laut Bürgermeister „sehr renovierungsbedürftig“, eine Notstromversorgung fehlt komplett. „Wenn man in diesem Haus etwas anfasst, tut sich gleich ein anderes Problem auf“, beschreibt Kern die typischen Sorgen eines Altbaubesitzers. Bei ersten Kalkulationen ging die Stadt noch von etwa 250.000 Euro für die Modernisierung aus. Doch inzwischen, so Kern, sei „ein Vielfaches davon“ notwendig. Selbst einen Neu- oder Erweiterungsbau will er nicht ausschließen. Klar ist aber eines: Damit die Zehn-Minuten-Frist kein noch größeres Problem wird, bleibt’s bei zwei Feuerwehrhäusern - eins pro großem Stadtteil.

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