Erste Hilfe mit dem Defibrillator

Die Angst vorm Lebensretter nehmen

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Vertrauenswürdiger und erfahrener Lehrer für die Kursteilnehmer: Franz Xaver Neumaier vom DRK Offenbach, 30 Jahre im Rettungsdienst aktiv und seit sieben Jahren hauptamtlicher Ausbilder.

Ober-Roden - Jedes Jahr sterben in Deutschland  80.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Richtige und schnelle Erste Hilfe - egal, ob von Hand oder modernster Technik - kann viele Leben retten. Von Christine Ziesecke 

Erster Schritt beim Anschluss des Defibrillators ist das Anbringen der Elektroden am Körper - auch das ist ungefährlich, denn das Gerät funktioniert nur beim Anschluss in der richtigen Reihenfolge.

Doch Defibrillatoren, die mit Stromstößen Herzen wieder zum Schlagen bringen, flößen Laien oft zuviel Respekt ein. Ein Kurs in Ober-Roden versucht, Helfern diese Angst zu nehmen. Was nutzt der beste Defibrillator an zentraler Stelle, wenn niemand sich traut, ihn zu benutzen? Lebensrettende Geräte können nur dann Leben retten, wenn sich Menschen mit ihrer Handhabung auskennen. Die „Menschen vor Ort“ (MvO) haben mit den Erlösen ihrer Feste einen Defibrillator an stets zugänglicher Stelle gespendet. Er hängt im rund um die Uhr geöffneten Foyer der Sparkassenfiliale am Marktplatz. Jetzt haben sie zudem noch einen Schnellkurs organisiert, um Bürgern Mut zu machen, dieses Gerät auch im Ernstfall zu benützen. Die Leute haben Angst, dass sie es nicht bedienen können oder falsch anwenden und wegen möglicher Fehler verklagt werden. Dass diese Sorgen unbegründet sind, bewiesen zwei Profis, die im Saal des „Löwen“ engagierten MvO-Mitgliedern und weiteren Interessierten die einfache Handhabung erklärten.

Mit Ausbildungsleiter Hans Seibt vom Roten Kreuz Offenbach und Franz Xaver Neumaier, der 30 Jahre im Rettungsdienst gearbeitet hat, waren wahrlich erfahrene Helfer am Werk, die nicht nur den AED (Automatischer Externer Defibrillator), sondern auch die manuelle Herz-Lungen-Wiederbelebung erläuterten.

Die Theorie ist einfach: Der AED erklärt sich ab dem Öffnen seiner Verpackung selbst; jeder Schritt wird von deutlicher Stimme angesagt. Das beginnt bei der Aufforderung, dem Patienten (auf einer möglichst festen Unterlage) den Oberkörper frei zu machen und zwei Elektroden auf die Brust zu kleben. Selbst wenn Helfer diese Elektroden vertauschen, bekommt der Patient keinen Elektroschock. Zuletzt löst das Drücken eines rot pulsierenden Knopfes den vielleicht rettenden Stromschlag mit 200 bis 360 Volt aus.

SOS vom Smartphone: Das Mobiltelefon als Nothelfer

Dazwischen „erkennt“ der AED selbsttätig über die Elektroden, ob ein Kammerflimmern vorliegt (das auch nach dem vermeintlichen Tod noch auftreten kann, aber mittels Stromstoß wieder ins Leben führen kann) und ob er die nächste Anweisung erteilt. Nach zwei Minuten, in denen Wiederbelebungsmaßnahmen wie das Drücken des Brustkorbes und Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung im Wechsel durchgeführt werden sollten, nimmt der AED eine neue Messung vor und gibt weitere Anweisungen – im Zweifelsfall so lang, bis Rettungskräfte eingetroffen sind.

„Im Prinzip kann den AED schon ein Kind betätigen“, erklärte Franz Xaver Neumaier, der auch aufzählte, wann der Defibrillator nicht benutzt werden darf: bei starker Feuchtigkeit, etwa Regen oder eine Pfütze unter dem Patienten (Schweiß stört nicht) wegen der Gefahr eines Stromschlages, sowie bei Personen unter 25 Kilogramm Körpergewicht, für die der Schlag zu stark ist. Hierfür gibt es besondere Geräte.

14 Dinge, die jeder bis 30 beherrschen sollte

Die Kursteilnehmer stellten viele Fragen, aus denen die Angst vor dieser großen Aufgabe der Wiederbelebung herauszuhören war. „Früher haben die Schulungen auf Angstmachen basiert: ‚Du kannst deinem Gegenüber die Knochen brechen. Mittlerweile können wir guten Gewissens mit Mutmachen arbeiten. Die Geräte sind so einfach und sicher geworden, dass nichts Falsches passieren kann“, sagten die Ausbilder. Außerdem appellieren auch Notärzte immer wieder: Lieber Rippenbruch als tot!

Die meisten Teilnehmer nutzten noch die Chance, ihre Kenntnisse in Herz-Lungen-Wiederbelebung an Übungspuppen aufzufrischen und dabei zu spüren, wie viel Kraft es braucht, 30 mal kurz und kräftig auf den Brustkorb zu drücken und dann zweimal bei überstrecktem Kopf die Atmung anzustoßen. Auch dazu gab’s viele Tipps bis hin zum Auflegen eines kleinen Rettungstuchs, mit dem eine Mund-zu-Mund-Beatmung vielleicht ohne Ekelfaktor zu ertragen ist. Diese Tücher sind zum Beispiel als Schlüsselanhänger online über www.beatmungstuch.de erhältlich. Anmeldungen für Erste-Hilfe-Seminare in Firmen oder Vereinen sind möglich über www@drk-of.de oder direkt bei den Rot-Kreuz-Ortsverbänden in Ober-Roden und Urberach.

Defibrillatoren, die für Laien leicht verständlich sind, gibt’s mittlerweile viele in Rödermark, etwa in den Rathäusern, in der Kulturhalle, bei der Volksbank oder in mehreren Vereinsheimen.

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