Antrag auf Gebührenfreiheit

Eltern-Entlastung geht SPD nicht weit genug

Rödermark - Eigentlich war‘s eine klare Sache: Das Stadtparlament wollte die sogenannte erweiterte Beitragsfreistellung, mit der das Land täglich sechs Stunden Kinderbetreuung finanziert, in zwei Satzungen festschreiben. Von Michael Löw 

Der Halbtagesplatz ist ab August kostenlos, die Monatsgebühren für Zweidrittel- und Ganztagesplätze reduzieren sich um gut 100 Euro – bei teils längeren Betreuungszeiten. Eltern, deren Kinder eine Regel-Kita besuchen, werden pro Jahr um 1000 Euro entlastet. Das hat die Stadtverordnetenversammlung am Ende auch mit den Stimmen von CDU, AL, FDP und FWR beschlossen.

Die SPD lehnte die Satzungen aber ab. Ihr bildungspolitischer Sprecher Jochen Zeller lobte zwar die „bemerkenswerte Entlastung für Familie“, forderte aber mehr: kostenlose Betreuung von der Krabbelgruppe bis zum Hort. Seligenstadt und Heusenstamm hätten"s vorgemacht. Das Ganze verpackte die SPD in einen überraschenden Änderungsantrag, der die Stadt laut Zeller nur 400.000 Euro mehr im Jahr kostet. Diese Summe hatte er aus einer Antwort des Magistrats auf eine FWR-Anfrage herausgelesen.

Norbert Schultheis (SPD) hatte darin zwei weitere Zahlen gefunden, die seinen Protest hervorriefen: Das Land überweise für die Beitragsbefreiung rund 1,8 Millionen Euro nach Rödermark, tatsächlich jedoch würden die Gratis-Halbtagesplätze nur etwa 1,35 Millionen Euro an verlorenen Einnhamen kosten. „Die Stadt gibt fast 500.000 Euro nicht an die Eltern weiter, sondern saniert damit ihren Haushalt“, warf er dem Bürgermeister vor. Der konterte: Sowohl Zellers als auch Schultheis" Zahlen seien willkürlich herausgepickt. Die längeren Betreuungszeiten lassen die Personalkosten um rund 130.000 Euro steigen, der neue Kindergarten am Bahnhof Ober-Roden koste die Stadt 400.000 Euro. Beides kommt also den Eltern zugute und stopft keine Haushaltslöcher, wies Kern die Kritik zurück.

Die Fraktionsvorsitzenden von FDP und Freien Wählern, Tobias Kruger und Peter Schröder, warnten vor den weiteren Belastungen durch die Kinderbetreuung, die ihrer Meinung nach keinen Spielraum für weitere Beitragssenkungen oder -befreiungen lassen. „Wir müssen uns verstärkt Gedanken machen, wie wir mit den Herausforderungen der U3-Betreuung klar kommen“, sagte Kruger. Rödermark sei bei den U3-Plätzen nach Egelsbach die zweitbeste Kommune im Kreis. Doch schon lange sei abzusehen, dass immer mehr Eltern von Kleinkindern einen Platz suchen, weil sowohl Vater als auch Mutter arbeiten müssen.

Schreibtische für Schulkinder finden

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Rüdiger Werner hatte mit zwei wie er selbst bekannte provokanten Sätzen eine Diskussion um die Betreuungsqualität entfacht. „Kinder werden aufbewahrt“ und „Kinder werden immer dümmer“, sagte er. Sozialdezernent Jörg Rotter verwahrte sich gegen die Diffamierung der Erzieherinnen und die Herabwürdigung der pädagogischen Arbeit, die in den Rödermärker Kitas geleistet wird.

Tieferen Eindruck als der Dezernenten-Zorn hinterließ das emotionale Lob der CDU-Stadtverordneten Adrienne Erkelenz. Ihr Sohn besucht eine städtische U3-Kita, seit er zehn Monate alt ist. Innerhalb von drei Monaten habe er das Gehen und das selbstständige Essen mit dem Löffel gelernt und seine Ausdrucksmöglichkeiten enorm gesteigert, gab die Mutter ihre persönlichen Erfahrungen wieder, die sie mit vielen berufstätigen Frauen teilt.

Rubriklistenbild: © dpa

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