Den Wald fit machen: Auch mal die Motorsäge anwerfen

Auch die Waldbesitzer von morgen waren am Samstag beim Rundgang mit Förster Michael Löber dabei. Fotos: Löw

Das Wetter setzt den Wäldern zu. Wie private Waldbesitzer ihr Wälder erhalten können, erhält Michael Löber vom Forstamt Langen. 

Langen - Stürme, Schädlinge und Trockenheit setzen dem Wald seit Jahren dazu. Das macht besonders den vielen privaten Waldbesitzern zu schaffen, deren Grundstücke meist nur ein paar hundert Quadratmeter groß und damit zu klein für umfangreiche Maßnahmen sind. Michael Löber vom Forstamt Langen erläuterte rund 20 von ihnen, wie sie ihren Wald fit für die nächsten Jahrzehnte machen können.

Dudenhofen – Private Waldbesitzer – da denkt man an Adlige, Industrielle oder Großbauern, deren Besitz Hunderte von Hektar zählt. Aber das durchschnittliche Waldgrundstück in unserer Gegend hat gerade mal 800 Quadratmeter. Wie sieht die Zukunft dieser „Tannenäcker“ aus‘? Michael Löber, der stellvertretende Leiter des Forstamtes Langen, suchte am Samstagnachmittag mit Waldbesitzern Antworten. Gut 20 marschierten mit ihm durch die Gänsbrüh. Der Rundgang war Rodgaus einzige Veranstaltung am Corona-Wochenende Nummer eins.

Auf Dauer wertvoller Wald will behutsam bewirtschaftet werden, lautet Löbers zentrale Botschaft. „Nur neue Bäume pflanzen reicht nicht. Auch Pflege ist notwendig. Um Licht reinzukriegen, müssen Sie ab und zu die Motorsäge in die Hand nehmen!“

Wald fit machen - Natur verjüngt sich selbst

Bäume müssen aber nicht zwangsläufig von Menschenhand in den Waldboden gesetzt werden, die Natur verjüngt sich von selbst. Rund um Dudenhofen wachsen Ebereschen, Ahorn und Eichen nach. Den Eichelhäher – Nomen est Omen – lobt Förster Löber als „guten Kollegen“. Andere Vögel, Eichhörnchen und der Wind verteilen ebenfalls Samen. Der Mensch muss dann nur nachhelfen. Zum Beispiel mit Drahtkäfigen, die die Bäumchen vor Reh-Verbiss schützen.

Der private Teil des Dudenhöfer Waldes besteht aus vielen Miniparzellen. Denn selbst wer 2 000 oder 3 000 Quadratmeter besitzt, hat die selten am Stück. Für eine vernünftige Pflege oder die Wiederaufforstung nach einem Sturm müssen sich Nachbarn zusammentun.

Die kennen einander nicht oder wissen nicht, wo ihre Parzelle liegt. „Wir haben viele Anfragen von Neubesitzern, die Wald vom Opa geerbt haben“, sagte Michael Löber beim Rundgang. Diese Erben finden die Grenzsteine meist nur mithilfe der Katasterkarten von Hessen-Forst.

Martin Schmitz (47) ist ein solcher Erbe. Er hat in eine Familie mit Waldbesitz hineingeheiratet. Ihm werden eines Tages zehn Stücke und Stückchen überall in der Dudenhöfer Gemarkung gehören. Er wollte sich zunächst grundsätzlich informieren und dann „schauen, wo sie alle sind“.

Wald fit machen - Natur verjüngt sich selbst

Fällen, Düngen, Pflanzen: Was soll und darf man alles in seinem Wald? Naturnaher Wald heißt für Löber nicht zwangsläufig Urwald oder Flächenstilllegung. Ungenutzt bleiben hessenweit etwa zehn Prozent der staatlichen Wälder, die Stadt Rodgau überlässt sogar nur fünf Prozent ihrer Wälder sich selbst. 

Löbers gewichtigstes Argument für die Waldnutzung: Deutsches Holz ist nach ökologischen Gesichtspunkten zertifiziert. Ließe man es im Wald verrotten, müsste die Industrie auf Holz aus Brasilien oder Sibirien zurückgreifen. Mit üblen Folgen für die letzten großen Naturwälder unseres Planeten.

Nach Auskunft des Försters lassen sich sogar mit Mini-Waldgrundstücken ein paar Euro verdienen. Die oft als wertlos verschrieene Kiefer ist bei Fensterbauern begehrt. „Die kommen sogar für eine halbe Lkw-Ladung“, machte Michael Löber die Dimensionen klar. Das entspricht zehn bis zwölf Festmeter Stammholz in Fünf-Meter-Stücken – eine überschaubare Menge, die pro Festmeter mindestens 85 Euro bringt.

Mehr Qualität bringt auch mehr Geld. Aber der Dudenhöfer Wald ist mit Nährstoffen traditionell unterversorgt. Lange wurden Knüppelholz und Reisig für die Backöfen gebraucht. Über Jahrzehnte sei, so Löber, „jeder Stecken rausgeholt worden“. Dem Boden hätte es besser getan, diese Rest vermodern zu lassen. Die Klein-Waldbesitzer von heute können sich diesen Luxus leisten – anders als ihre Vorfahren.

VON MICHAEL LÖW

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